09. April 2015, 10:44 Uhr

Dieter Thomas Kuhn: »Helene Fischer profitiert von uns«

Gießen (fd). In der Freizeit schraubt er an Motorrädern. Auf der Bühne trägt er Brusthaartoupet. Dieter Thomas Kuhn ist ein Paradiesvogel. Am 23. Juli kommt er im Rahmen des Gießener Kultursommers nach Mittelhessen. Im Interview mit dieser Zeitung sprach er zuvor über seine Beziehung zu Led Zeppelin, Limp Bizkit und Helene Fischer.
09. April 2015, 10:44 Uhr
Dieter Thomas Kuhn (Foto: dpa)

Sie stehen seit über 20 Jahren auf der Bühne. Inwiefern macht das Geschäft süchtig?
Dieter Thomas Kuhn: So ist das mit Erfolg. Wir haben uns daran gewöhnt und brauchen ihn vielleicht auch. Die Reisen. Die Konzerte. Die Partys.

Können Sie nach so langer Zeit noch unterscheiden zwischen Ihrer Bühnenfigur und der Privatperson?
Kuhn: Das ist schwierig geworden. In den ersten Jahren habe ich noch versucht, zu differenzieren. Aber heute weiß ich manchmal nicht mehr ganz genau, wer von beiden ich nun eigentlich bin.

Dabei passen der Motorradschrauber und der Brusthaartoupetträger doch kaum zusammen?
Kuhn: (lacht) Zugegebenermaßen hört sich das wild an. Und es ist auch eine Situation, die an Jekyll und Hyde erinnert. Aber bislang komme ich gut damit klar. Aufgeklebt habe ich das Brusthaartoupet damals auch nur, weil ich dachte, es sei nötig, um Schlager präsentieren zu können. Inzwischen gehört es eben dazu.

Zeigte sich Ihr Show-Talent schon in der Kindheit?
Kuhn: Unbedingt, das Gefühl, auf eine Bühne zu wollen, kenne ich bereits sehr lange. Aber ich war kein Pausenclown. Ganz früh habe ich mir schon eine Gitarre gewünscht. Dabei wusste ich, dass ich kein begnadeter Gitarrist werden würde, aber ich wollte mich beim Singen begleiten.

Welche Musik haben Sie damals gehört?
Kuhn: Ich wurde musikalisch durch meine großen Schwestern sozialisiert. Als Kind bereits habe ich mich für Cat Stevens begeistern können. Der große Bruder brachte dann Led Zeppelin ins Haus. Das waren so meine Sachen und sind es noch immer.

Warum sind Sie dann in die Schlagerrichtung gegangen?
Kuhn: Aus einer Bierlaune. Als Band sind wir aus einer anderen Gruppe aufgegangen, in der ich eine Chorrolle innehatte.

Nun interpretieren Sie Schlager anderer Interpreten. Gab es Reaktionen vonseiten der Künstler?
Kuhn: Viele haben wir kennengelernt. Meistens waren die Reaktionen auch sehr positiv. Sie sagten: Durch Dieter Thomas Kuhn lebt unsere Musik weiter. Einzig Reinhard Mey fand unsere Version von »Über den Wolken« nicht so lustig und drohte mit rechtlichen Konsequenzen. Aber das hat sich inzwischen auch erledigt.

Limp Bizkit sollen auch zu Ihren Anhängern gehören. Was hat es damit auf sich?
Kuhn: Es ist schon ein paar Jahre her, dass wir zum ersten Mal hörten: Limp Bizkit nehmen stets ein Plakat mit meinem Konterfei mit auf Tour. Lange Zeit hielt ich das für einen Witz, bis vor einem Konzert in Köln das Management anrief und anfragte, ob wir mit Limp Bizkit zu Mittag essen wollen. Sie kamen dann zu uns in die Garderobe und knieten vor uns nieder. (lacht) Das inzwischen völlig abgeranzte Plakat mit meinem Konterfei mussten wir dann unterschreiben. Bei unserem Konzert standen sie in der ersten Reihe, danach haben wir die ganze Nacht durchgetrunken. Bis heute haben wir immer wieder mal Kontakt.

Können Sie sich erklären, warum Schlager derzeit wieder so erfolgreich sind?
Kuhn: Natürlich weiß ich, was Sie meinen. Aber neben der bezaubernden Helene Fischer ist da nicht viel. It’s the singer, not the song. Ansonsten erlebe ich nicht, dass der Schlager so erfolgreich ist. Helene Fischer macht das Interesse aus. Durchaus nachvollziehbar, wie ich finde.

Profitieren Sie von Helene Fischers Popularität?
Kuhn: Eher glaube ich, Helene Fischer profitiert von uns. (lacht) Weil wir dauernd präsent waren und den Schlager am Leben gehalten haben. Sie hat ein Medley von uns im Programm. Das sagt doch alles. Selbstredend hat das seine Berechtigung, aber Konzerte von Helene Fischer sind mit unseren nicht vergleichbar. Das sind letztlich ganz unterschiedliche Ansätze.

Ihre Platten verkaufen sich dagegen nicht so gut, wie Ihre Shows besucht sind. Woran liegt’s?
Kuhn: Na ja, in den 1990er Jahren sind wir mit zwei Platten auf Gold gegangen. Das bedeutete damals 250 000 verkaufte Exemplare. Aber inzwischen haben sie für uns an Bedeutung verloren. Wir machen sie aus Spaß, aber nicht, um unsere Familien zu ernähren. Wir sind zu sehr Rock’n’Roller, als dass uns Plattenverkäufe interessieren würden.

Nach inzwischen über 20 Jahren auf der Bühne: Wie lange machen Sie den Stress noch mit?
Kuhn: Vor Jahren habe ich schon einmal gesagt, dass ich aufhöre, kurz darauf waren wir wieder auf der Bühne. Inzwischen sage ich, dass wir so lange dabeibleiben, wie es Spaß macht. Wenn die Gesundheit und die Menschen mitspielen, dann kann das ewig gehen. Haben wir ja an Udo Jürgens gesehen.

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