28. September 2018, 22:36 Uhr

Dieser Auftakt hat sich gewasch(k)en

Wenn im Saal der Tanzschule Astaire’s die Titelmelodie des »Tatort« erklingt, dann ist klar: Das Krimifestival hat wieder begonnen. Da passt es nur allzu gut, wenn zur Eröffnung auch ein echter »Tatort«-Kommissar liest: Mark Waschke.
28. September 2018, 22:36 Uhr
Auch Peter Wolf (r.) und Ilona Roth (M.) haben ihren Spaß beim Kreuzverhör mit Mark Waschke (l.). (Foto: Schepp)

Im Berliner »Tatort« spielt Mark Waschke den eher unsympathischen Macho Robert Karow. Und dennoch gehört der Schauspieler mit seiner Filmpartnerin Meret Becker zu den beliebtesten Ermittlern der Krimireihe. Nach dem Auftritt des 46-Jährigen am Freitagabend zur Eröffnung des Gießener Krimifestivals können die Besucher der ausverkauften Auftaktveranstaltung auf Einladung der Sparkasse nun umso leichter nachvollziehen, warum das so ist. Denn der private Mark Waschke erwies sich als unfassbar sympathisch und umwerfend komisch.

Schon im Kreuzverhör mit Sparkassenchef Peter Wolf und Vorstandskollegin Ilona Roth zu Beginn zeigte sich der sonst eher zurückgenommen wirkende Waschke als wortgewandter Charmeur mit jeder Menge Elan, so dass sich – der Kalauer mag erlaubt sein – der Abend im besten Sinne »gewasch(k)en« hatte. Fragen nach privaten Dingen konterte der Schauspieler clever. Ob es ihm schwer gefallen sei, als Sohn einer Krankenschwester und eines Arztes Schauspieler und nicht Arzt zu werden, und dass er mal Sänger einer Punk-Band gewesen sei, wollten Wolf und Roth wissen. Doch kein privates Wort dazu kam über Waschkes Lippen, sondern nur der schlagfertige Konter: »Für mich ist das auch Punk, was ich heute mache.«

Auch die Frage nach einer Lieblingsrolle bremste Waschke geschickt aus. Er sei froh »um jede Rolle, in der man etwas ausloten kann.« Dass er und Meret Becker beim »Tatort« an ihren Rollen fleißig mitfeilen können, wissen die Krimifestivalbesucher nun allerdings schon. »Denn schließlich kennen wir die Figuren am besten«, antwortete Waschke den Kreuzverhörern, um dann doch noch ein bisschen hinter die Kulissen der »Tatort«-Produktion schauen zu lassen. Dass seine Kollegin »der Brutalität des hochauflösenden Fernsehens« geschuldet länger als er in der Maske verbringen muss und die Arbeit im Team »menschlich nicht ganz unanstrengend« sei, ließ Waschke durchblicken. Und drehte dann gleich zur Freude der Zuhörer den Spieß um: »Das kennen sie doch bei der Sparkasse sicher auch?«

Gelesen hat er dann natürlich auch noch – wobei der Begriff »Lesen« eine Untertreibung ist. Denn Waschke, der nebenbei immer wieder zur Wasserflasche griff, machte seinen Auftritt zum Erlebnis. Keine Minute blieb er still sitzen, sprang immer wieder auf, machte Geräusche von klemmenden Lifttüren und Nebelhorn-Klingeltönen nach, drohte Handystörern mit der angeblich mitgebrachten Dienstwaffe und konnte selbst in der Rolle einer rehäugigen Prostituierten mit russischem Akzent überzeugen. Fast hätte man die Kriminalgeschichte an sich aus dem Blick verloren. Dem Mimen zuzuschauen, war allein schon Unterhaltung genug.

Autorenduo liest ebenfalls

»Tote haben keine Freunde« lautet der Titel des Buches des Berliner Autorenduos Hans Rath und Edgar Rai, aus dem Waschke die ersten vier Kapitel vortrug. Im Buch geht es um zwei ungewöhnliche Brüder: Holger Brinks ist Kommissar bei der Mordkommission. Sein Bruder Charlie schlägt sich als Privatschnüffler durch. Der eine ist ein korrekter Beamter mit Familie, der andere ein echter Hallodri. Da wird der Vertraute eines Unterwelt-Bosses tot im Aufzug eines Berliner Luxushotels gefunden – mit einem Koffer Kokain. Pikanterweise hat auch Charlie Verbindungen zu dem Verbrecherclan...

Die Autoren werden übrigens am 20. Oktober im Alten-Schloss persönlich einen neuen Fall der Reihe präsentieren.

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