24. Januar 2019, 19:00 Uhr

Aus dem Korrektorat

Die schönsten Verschreiber des Jahres 2018

Vom scherzfreien Alltag bis zum Reisverschluss: Auch im vergangenen Jahr hat das Korrektorat viele Verschreiber abgefangen. Nun erscheinen sie doch noch: Unsere schönsten Fehler 2018.
24. Januar 2019, 19:00 Uhr
Vor allem Petra Pickenhahn, Abteilungsleiterin im GAZ-Korrektorat, steuert zur Sammlung vermiedener Druckfehler immer wieder Zeichnungen bei. Oben »Aukleber« und »Freufläche«, unten »Fuß- und Radfahrer«. (Fotos: kw)

Da war nicht nur Freude, sondern auch Freud im Spiel. »Auf der Freufläche vor dem Telegrafenamt soll der Neubau entstehen«, schrieb ein Redakteur versehentlich über die vielversprechenden Pläne für die Alte Post in Gießen. In der Zeitung stand am Ende die schnöde »Freifläche«. Denn das Korrektorat unseres Verlaghauses hat den Schnitzer rechtzeitig entdeckt – so wie zahlreiche andere auch. Manchmal ist das beinahe schade. Auch im Jahr 2018 haben die Kollegen die amüsantesten verhinderten Druckfehler gesammelt und teilweise illustriert. Und Sie, liebe Leser, bekommen sie an dieser Stelle doch noch zu Gesicht.

Möglicherweise hat ebenfalls das Unterbewusstsein die Finger geführt beim Ausdruck »Feierwehr«, der ebenfalls rechtzeitig abgefangen wurde. Dabei ging es gar nicht um ein Fest, sondern um eine Müllsammelaktion. Apropos Feuerwehr. Nicht verkehrt, aber missverständlich ist diese Formulierung: »Zudem wurde ein Löschangriff über die Drehleiter aus dem benachbarten Nieder-Ohmen gestartet.« Bei einem Einsatz war die Bergung erschwert, weil sich »bei den widrigen Bodenbedingungen zahlreiche Feuerzeuge im Gelände festgefahren hatten«. Der aufmerksame Korrektor stutzte und ergänzte dann »wehrfahr« in der Mitte.

Schon ein einzelner fehlender Buchstabe sorgt mitunter für bedenkenswerte Begriffs-Neuschöpfungen. Etwa »Aukleber«, die mit dem Ceranfeldschaber entfernt werden, »der Bürgermeister und sein Fachbereichseiter« oder »der junge Mann mit dem Wachbrettbauch«. Ein »Rücken-akut-Training« wird so empfohlen: »Mit Bewegung zu einem scherzfreien Alltag«. Fazit eines Theaterabends: »Die Reaktionen des Publikums schwankten zwischen ratlos und wohlwollend. Vereinzelte Bravos, keine Buhs, matter Befall.« Recht anrüchig mutet der »Bericht über die wichtigsten Vereinsanalen« an.

 

Die Toten Hoden im Fluchtlicht

 

Ähnlich fatal kann sich ein Buchstabe zu viel auswirken. Etwa wenn sich das Verbot der Nutztierernährung mit Speiseresten so auswirkt: »Im Landkreis wird hauptsächlich Getreide und Schrott aus eigener Herstellung verfüttert.« Wahrscheinlich in voller Größe tritt »die frisch gekürzte Buchpreisträgerin Inger-Maria Mahlke« auf. Ob sie dabei einen »Hohl- und Bringservice« in Anspruch nimmt oder im Bahnhof »schwarze Sichtschwutzwände« zu Gesicht bekommt?

Zum Sport. Mit Blick auf die nächste Fußballsaison verteilen Ligavertreter »Vorschlusslorbeeren«. Manche freuen sich besonders auf »Fluchtlichtspiele«. Ein Moment des Nachsinnens lohnt sich beim Satz: »Zum Schutz der Kälte wurden alle Spieler in wärmende Neoprenanzüge gepackt.« Vielleicht sollten wir alle unsere Körper – eigentlich lauter kleine Heizkraftwerke – häufiger dämmen, um der Klimaerwärmung entgegenzuwirken. »Die Herausforderung ist, dass die Halle in die grünen Zahlen rutscht.« Wenn das klappt, wird es bei der Jahreshauptversammlung hoffentlich nicht heißen: »Nach dem Kassenprüfbericht entlastete die Versammlung den Verstand einmütig.«

In den falschen Hals bekommen könnte man den Satz: »Der Rotmilan ist ein Kulturfolger des Menschen, der vorwiegend Mäuse fängt und frisst.« Das Wort »Staubsauberbeutel« ist fast besser als das Original, Ähnliches gilt für diesen Buchstabenverwechsler: »Klassik von Richard Wagner oder Johann Strauß trifft auf Stücke von den Toten Hoden oder Udo Lindenberg.« Im Figurentheater tritt die »Weihnachtsganz Auguste« auf, offenbar noch nicht mundgerecht zerlegt.

Die »Goldkonformanden« könnten ein Resultat mangelnder Lateinkenntnisse sein: Die Damen und Herren im feinen Zwirn wirken ja tatsächlich ziemlich regelkonform. Unsicherheit im Umgang mit Fremdwörtern steckt hinter dem »korektierten Text« und hinter dem Lob: »Was besonders beeindruckt: Der Koch liefert zu seinen Nudeln auch noch die passende Pasta.«

Ein Klassiker für das Korrektorat ist der »Kampf ums Überlegen«. Ohnehin mühevoll, dürfte er diesmal eine besondere Herausforderung sein. Sind es doch – wie ein Kritiker der kommunalen Pflege beklagt – Bäume, die, »jedes Jahr zur Unkenntlichkeit verstümmelt«, ihn aufnehmen müssen und schließlich verlieren.

Eine andere alte Bekannte war 2018 nur selten anzutreffen: Die für Hessen kaum hörbare Verwechslung von scharf und stimmhaft klingendem S. Die Überschrift »Zauberwort Reisverschluss« schaffte es nicht in die Zeitung. Denken Sie beim nächsten Stau an die Regel: Ein Körnchen von rechts, ein Körnchen von links... oder so ähnlich.

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