Stadt Gießen

Die nächsten Schritte fürs neue Philosophikum

Gießen (srs). Wie soll sie die neue Bibliothek der Justus-Liebig-Universität auf dem Campus des Philosophikums aussehen? Gestern hat die Universitätsleitung den architektonischen Siegerentwurf vorgestellt. Hier gibt's den Überblick. 
31. März 2016, 09:44 Uhr
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Platz 1: Max Dudler, Berlin

Lichthöfe ziehen sich diagonal durch die Bibliothek. Pfeiler und Säulen erinnern an das Innere eines Tempels. Draußen animiert ein Café zum Sitzen und Schwatzen an einem kleinen Teich auf dem zentralen Campus des Philosophikums. Einladend wirkt die zukünftige Universitätsbibliothek (UB) im Modell auf den ersten Blick. Vor allem aber prägen Klarheit und Einfachheit den architektonischen Siegerentwurf, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Die alte UB an der Rathenaustraße wird dabei allerdings vorerst bestehen bleiben.

Was ist geplant?

Geplant ist ein Erweiterungsbau, der heutigen Bibliothek durch einen Verbindungsgang angegliedert. Erst »in fernerer Zukunft«, erklärt Uni-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee, sei ein weiterer Bauabschnitt vorgesehen, der die heutige UB dann ersetzten könnte. Dieser zweite Bauabschnitt aber, so ist den Worten Mukherjees zu entnehmen, steht noch so weit entfernt in den Sternen, dass es zumindest in absehbarer Zukunft beim Erweiterungsbau bleiben könnte.

Fertigstellung 2022 oder 2023

Für den Beginn von Baumaßnahmen gibt es noch keinen Zeitpunkt. Auf die Frage nach einem geplanten Termin für die Fertigstellung des Erweiterungsbaus fallen mehrere Jahreszahlen: 2022 und 2023. Ingmar Jung, Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, erklärt derweil, Uni-Präsident Mukherjee könnte die Einweihung der UB möglicherweise noch in seiner aktuellen Amtsperiode erleben. Die Amtszeit Mukherjees endet im Dezember 2021. Zu den Kosten des Neubaus vermeldet die Justus-Liebig-Universität keine Zahlen. Aus Kreisen des Architektenwettbewerbs ist eine Summe zwischen 37 und 38 Millionen Euro zu erfahren.

+++ Die anderen prämierten Entwürfe

Die weiße Fassade im Siegerentwurf des renommierten Berliner Architektenbüros Max Dudler ist fein perforiert, erinnert leicht an die Außenwand des früheren Horten-Kaufhauses in der Innenstadt. Den Zuschlag erhielt das Modell aber vor allem aufgrund einer klaren und einfachen Aufteilung der Bibliothek in Bereiche der Lektüre und des sozialen Austauschs.

Kommunikation und Konzentration

Architekt Dudler spricht von einer Anordnung der UB in »zwanzig Kerne«. Man freue sich »über ein herausragendes Konzept für eine Bibliothek des 21. Jahrhunderts«, hebt der leitende Direktor der UB, Dr. Peter Reuter, hervor. Der Entwurf zeichne sich durch eine »klare Gliederung« und ein »ausbalanciertes Verhältnis der Areale für Kommunikation und Konzentration« aus.

Bibliotheken sterben nicht aus

Darüber hinaus gewinne die Bibliothek »deutlich an Aufenthaltsqualität«. In jedem Stockwerk soll es Bereiche zum gemeinsamen Zusammensitzen für Studenten geben. Zwar verzeichne man inzwischen doppelt so viele Downloads von Publikationen als Ausleihen von gedruckten Büchern sowie Zeitschriften, sagt Reuter. Doch die UB gewinne als »Ort des Begegnens« zunehmend an Bedeutung.

Ausstellung zeigt Entwürfe
Wer das Aussehen der neuen UB in Augenschein nehmen will, kann die Entwürfe in einer Ausstellung im Uni-Hauptgebäude einsehen. Bis 14. April ist die Schau montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Zu sehen sind auch die Entwürfe für den Neubau des Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften. Transparent und lichtdurchflutet ist das Gebäude am Alten Steinbacher Weg konzipiert. Gewinner des Architektenwettbewerbs sind die Meurer Generalplaner GmbH aus Frankfurt und das Luxemburger Büro »a+a architecture et aménagement« Zwischen elf und zwölf Millionen Euro kostet der Bau, war aus Kreisen des Wettbewerbs zu erfahren.


Architekt Dudler erläutert, die bisherige weitgehende räumliche Trennung von Büchern und Lesesälen in der Gießener UB werde aufgehoben. Im dritten Obergeschoss ermögliche ein »Learning Center« Lektüre und Austausch sowie Diskussion unter Studenten gleichzeitig. Die Bibliothek müsse »als sozialer und extrovertierter Ort den Ansprüchen der Benutzer auf ganz neuen Ebenen gerecht werden«, sagt der Architekt. Ein »zeitloses Haus als Hort des Wissens« schwebe ihm vor.

Seminargebäude wird eingeweiht

So nimmt die Umgestaltung des Campus am Philosophikum allmählich Formen an. Zum Sommersemester, das im April startet, wird ein Seminargebäude – das erste Haus im Rahmen des Umbaus – eingeweiht.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Die-naechsten-Schritte-fuers-neue-Philosophikum;art71,110991

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