22. August 2016, 09:21 Uhr

Die erste Stadtfest-Bilanz

Gießen (srs). Das Gießener Stadtfest hat gehalten, was es verspricht: Etwa 100 000 Menschen pilgerten an den drei Tagen durch die Stadt. Organisatoren und Polizei waren überrascht.
22. August 2016, 09:21 Uhr
(Foto: Harald Friedrich)

Ein Chorgesang aus Tausenden Kehlen zieht über den Kirchenplatz. »Ohohohohoh«, stimmen die Besucher an. Es ist Samstagabend, kurz vor Mitternacht. Eine historische Zeitmarke des Stadtfestes ist überschritten – fast unbemerkt: Zum ersten Mal seit vielen Jahren erklingt Musik auf einer Bühne nach 23 Uhr. Jahrelang war dies ein Politikum. Auf dem proppenvollen Kirchenplatz schaut jetzt aber niemand auf die Zeit. Die 3500 Zuhörer blicken nach vorn. Und singen: »Frach mich net, wies mir geht«. Gleich darauf folgt die Landeshymne: »Erbarme, zu spät«. Die Rodgau Monotones sorgten auf dem Stadtfest für einen der Glanzpunkte. Einmal mehr strömten die Gießener glücklich durch die Innenstadt.

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Über 60 Musik- und Tanzgruppen unterhielten in der Fußgängerzone. Regen sorgte am Samstag dafür, dass die Massen erst am späten Nachmittag durch die City zogen. Dann aber war im Seltersweg wie gewohnt kein Durchkommen. »Es war teilweise brechend voll. Wir gehen davon aus, dass wir etwa 100 000 Besucher hatten. Das Beste: Alles friedlich, alles fröhlich. Ich denke, trotz der kleineren Regengüsse am Samstag und Sonntag war es ein gelungenes Stadtfest mit coolen Bands. Auch die längeren Bühnenzeiten haben nur für positive Rückmeldungen gesorgt«, sagt Organisator Tilman Bucher. Einige Bühnenbetreiber äußerten den Eindruck, es seien etwas weniger Gäste als in den vergangenen Jahren gewesen. »Es war gut besucht«, hielt Andreas Walldorf fest, der die Bühne am Katharinenplatz organisiert. »Aber die Angst vor Terror bekommen wir zu spüren.« Die Polizei war stark präsent, patrouillierte in mehreren Zweier-Teams durch die Innenstadt. Zwischenfälle gab es kaum. »Wir sind selbst etwas überrascht, wie ruhig es war. Wir hatten viel weniger zu tun als in den vergangenen Jahren. Abgesehen von Trunkenheitsdelikten war nichts zu beanstanden«, sagte ein Polizeisprecher.

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Die Besucher lauschten den Konzerten friedlich, schwatzten, flanierten durch die Fußgängerzone und trafen Freunde. Überwiegend trugen die auftretenden Gruppen wieder alte Gassenhauer vor. Auf der Bühne am Johannette-Lein-Platz indes waren Bands vertreten, die frische Musik präsentierten. Krachend ließen Marcus Finger und Jürgen Kadel »Hacienda« auferstehen. In den ersten Minuten ihres Auftritts kehrten die Besucher der Bühne noch den Rücken, wippten zu den House- und Elektrobeats. Als die Musiker dann aufdrehten und Schnipsel aus Songs der 90er wie »Pump up the Jam« erklingen ließen, tanzten 2000 Menschen, und der sonst graue Platz verwandelte sich in einen Hexenkessel. Als Erfolg erwies sich auch die After-Show-Party. Die Kongresshalle war in der Nacht zum Sonntag um 1 Uhr bereits mit 900 Gästen gefüllt, während die Schlange draußen kein Ende nahm.

Alexander Liebe regte mit seinen Liedern zum Nachdenken an. Tess Wiley verwandelte die Plockstraße in ein lauschiges Wohnzimmer. Volkstümliche Stimmung herrschte wie immer im Katharinenviertel, während in der Kaplansgasse das Paul-Simpson-Project spielte. In der Sonnenstraße sang Mario Milano Hits wie »Azzurro«, während die Gäste Pizza und Rotwein genossen. Zum Abschluss spielten die Heavytones aus TV Total auf dem Kirchenplatz. Ein würdiges Finale.



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