12. Januar 2016, 18:43 Uhr

Die »Zwibbel« kehrt zurück

Gießen (mac). Die »Zwibbel« steht vor einem Comeback. Nach dem Aus des »Melchiors« im vergangenen September wollen nun Mirko Sonneborn und Marian Radovcic die derzeit geschlossene Gießener Kultkneipe in der Ludwigstraße unter dem alten Namen wiederbeleben. Die beiden sind zwei alte Bekannte in der Gastroszene.
12. Januar 2016, 18:43 Uhr
Aus dem Melchiors soll spätestens im April wieder die »Zwibbel« werden. (Foto: Oliver Schepp)

Schon im April ist die Eröffnung geplant. Die beiden Betreiber der Diskothek »Monkeys« in der Liebigstraße hoffen, mit der »Zwibbel 2.0« an die alten Erfolgszeiten der Traditionskneipe anknüpfen zu können. Einen ersten Testlauf planen die erfahrenen Gastronomen über Fassenacht. Von Altweiberfasching bis zum Faschingsdienstag wird die Kneipe – noch als »Melchiors« geöffnet sein. »Karneval sechs Tage lang – Wir geben Gas«, steht auf einem Banner, das derzeit im Biergarten hängt. Das »Monkeys« wird weiterlaufen wie bisher.

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Nach den tollen Tagen wird die Kneipe in der Ludwigstraße dem Vernehmen nach dann wieder geschlossen, ehe im April der Startschuss fallen soll. Zum detaillierten Konzept wollten sich die beiden Betreiber am Dienstag auf GAZ-Anfrage nicht äußern, da noch nicht alle Verträge unterschrieben seien. Nur so viel sickerte durch: Die neue »Zwibbel« soll genau wie die alte eine Bierkneipe werden – mit einer überschaubaren Auswahl an kleinen Speisen. Das Zielpublikum – genau wie die Betreiber: Ü30.

Testlauf an Fasching
Von Altweiberfasching bis Faschingsdienstag wird die Kneipe in der Ludwigstraße 55 sozusagen für einen Testlauf geöffnet sein. Die neuen Pächter Marian Radovcic und Mirko Sonneborn haben sich dafür einige Besonderheiten einfallen lassen. Am Donnerstag locken sie ab 17.11 Uhr mit einer Men-Strip-Show. Am Dienstag laden sie zum Heringssalatessen ein. Faschingsonntag und Rosenmontag ist die Kneipe ab 12 Uhr geöffnet.


Die Kneipe in der Ludwigstraße 55 hat eine lange Tradition: Nachdem bereits Friedrich Kühnold um die Jahrhundertwende eine Kneipe samt Gartenausschank betrieben hatte, entstand 1909 durch einen grundlegenden Umbau des 1877 als Schlosserei erbauten Ensembles der »Wetzlarer Hof«, dessen Besitzer Georg Guht aus Wetzlar stammte. 1956 erwarb der »Verein Deutscher Studenten« das erneut veränderte Gebäude und begründete die Tradition der Studentenkneipe mit Biergarten. Zur »Zwibbel« wurde das Lokal nach der Übernahme durch den Gießener Gastronom Erwin Steinbach im Jahr 1974. Nach dessen Tod Ende 1976 leitete Mahmut Hashash die Kneipe für kurze Zeit, bis Wolfgang Hofmann die Verantwortung übernahm. Ihre Hochzeit hatte die »Zwibbel« vor allem in den Sommermonaten, als der herrliche Biergarten mit dem alten Baumbestand die Besucher in solchen Scharen anzog, dass schließlich auch der Bürgersteig mit einbezogen werden musste. Älteren Gießenern noch im Gedächtnis sein dürfte eine Live-Übertragung des Hessischen Rundfunks im Radio Mitte/Ende der 70er Jahre. In dieser Zeit wurde die Kneipe noch von der Gießener Brauerei mit Gerstensaft versorgt, seit mehr als 30 Jahren sind die »Licher« dafür zuständig, dass kein Gast durstig das denkmalgeschützte Etablissement verlassen muss.

2006 wurde aus der »Zwibbel« das »Melchiors«. Damit wollte die Brauerei seinerzeit auf den nachlassenden Ansturm – schon damals unter anderem begründet durch ein verändertes Verbraucherverhalten – reagieren. Durch eine umfangreiche Renovierung hatte sich die zuvor viele Jahre unverändert gebliebene Kneipe in ein Schmuckstück verwandelt. Ali Rashidi, der sich als Geschäftsführer des »News-Café« einen Namen gemacht hatte und später das neue »Dachcafé« übernahm, führte den Laden knapp sieben Jahre. Im Frühjahr 2013 verkaufte er seine GmbH für 60 000 Euro an Quereinsteiger Oliver Hehr, der wiederum im September des vergangenen Jahres Insolvenz anmelden und den Laden schließen musste. Hehr hatte die Trennung provoziert, indem er den Getränkelieferanten gewechselt hatte, woraufhin »Licher« mit einer Kündigungsklage reagierte und neue Pächter suchte. Die hat die Brauerei nun ganz offensichtlich gefunden.

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