08. November 2019, 22:01 Uhr

»Die Sucht ist immer da«

08. November 2019, 22:01 Uhr
Aron Boks beschreibt seine Erfahrungen mit Magersucht in einem Buch. (Foto: pm)

Der junge Mann ist an einer U-Bahn-Station in Berlin gestürzt und landet deswegen in der Notaufnahme. Doch nicht der Sturz an sich, sondern der generelle Zustand des Anfang 20-Jährigen machen den Ärzten Sorgen: Er leidet an einer Essstörung, im medizinischen Fachjargon als Anorexia nervosa bezeichnet, landläufig als Magersucht bekannt. Und das als Mann! Da hilft nur eins: Therapie.

Seine Erfahrungen mit der Erkrankung und den Umgang der Gesellschaft mit selbiger und dem Betroffenen schildert der junge Berliner Autor Aron Boks in seinem im August erschienenen Buch »Luft nach unten«. Nun kommt er mit dem Werk für eine Lesung nach Gießen: Auf Einladung der Lesebühne »Wal fällt auf Boot« bringt er sein Buch und seine Geschichte ins Gießener Ulenspiegel. Am Dienstag, 12. November, liest er gemeinsam mit dem Gießener Autor, Moderator und Slam-Poeten Stefan Dörsing.

Doch was zunächst nach starkem Tobak klingt, hat auch seine witzigen Momente: »Es ist auch komisch«, verspricht Boks, der in dem Buch seine eigene Geschichte in Romanform erzählt. »Es ist eigentlich ein Sachbuch«, sagt er, viele der beschriebenen Ereignisse sind autobiografisch, aber: »Ich habe mir die künstlerische Freiheit genommen, auch mit Fiktion zu arbeiten, weil sich die Geschichte so einfach besser erzählen lässt.«

So ist auch der Sturz an der U-Bahnstation erfunden, auch wenn es die Szene in der Klinik so tatsächlich gegeben hat. Mit seinem Buch möchte er zwar aufklären, aber vor allem unterhalten, und so lässt er seinen Protagonisten in der Ich-Form und oft im inneren Monolog seine Geschichte erzählen. Vor allem die Zerrissenheit von Betroffenen und die Absurdität im Denken wird dabei deutlich. »Es ist eine Sucht, man denkt nicht mehr rational und baut sich seine eigene Welt zusammen«, sagt der 1997 in Wernigerode geborene Boks, der heute in Berlin lebt und als Autor und Slam-Poet arbeitet. Für sein literarisches Debüt »Dieses Zimmer ist bereits besetzt« erhielt er den Klopstock-Literaturförderpreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Bei der Lesung will er sich mit Stefan Dörsing abwechseln, beide nehmen unterschiedliche Rollen ein, treten quasi in Dialog. Bewusstsein trifft auf Unterbewusstsein, das Erzähler-Ich gegen die Außenwelt. Oder so ähnlich. Aron Boks spricht offen über seine Erkrankung - anders hätte die Veröffentlichung auch keinen Sinn ergeben. »Ich wollte einfach meine Geschichte erzählen«.

»Wird nie ganz geheilt«

Wie es ihm heute geht? »Eine solche Suchterkrankung wird niemals ganz geheilt, sie ist immer da und man muss lernen, mit ihr zu leben«, sagt er und vergleicht den austherapierten Magersüchtigen mit einem trockenen Alkoholiker. »Man muss lernen, auf sich zu achten, Regeln aufstellen und diese auch einhalten.« Klingt immer noch nach starkem Tobak? Ist es auch, doch Boks verspricht: »Es ist wirklich komisch, das Denken und das, was man tut und fühlt ist irgendwann einfach nur absurd.« Diese Absurdität und die verzerrte Wahrnehmung eines Suchtkranken will er zusammen mit Stefan Dörsing rüberbringen. Die Lesung in dieser Konstellation ist eine Premiere - bisher hat Boks nur alleine gelesen, musikalisch begleitet vom »Zappelnden Tanzorchester«.

Beginn am 12. November ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Das Buch ist erschienen beim Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf und kostet im Handel 14,99 Euro.

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