27. April 2019, 09:00 Uhr

100 Jahre Mensa

Die Militär-Wurzeln der Gießener Mensa

Vom Soldaten-Mittagstisch zur modernen Großmensa: Seit 100 Jahren gibt es in Gießen ein Essensangebot speziell für Studierende. Es ist eines der ältesten seiner Art in Deutschland.
27. April 2019, 09:00 Uhr
Sehen und gesehen werden: Das war seit jeher eine wichtige Funktion der Mensa (hier an der Otto-Behaghel-Straße). Die Studentenspeisung in Gießen begann vor 100 Jahren. (Bilder: Schepp/Archiv)

Ein preiswertes und vielfältiges Essensangebot, Treffpunkt und Kontaktbörse: Die Mensen des Studentenwerks Gießen sind Dreh- und Angelpunkt für viele der 40 000 Gießener Studenten. Etwa 1,3 Millionen Essen werden heute jährlich in den Mensen der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule ausgegeben. Bescheidener ging es in den Anfängen des studentischen Mittagstisches zu. Im April 1919 öffnete das Café Ebel im Burggraben 9 seine Pforten als »Soldaten- und Studentenheim« und bot erstmals »regelmäßige Studentenspeisung« an.

Betrieben wurde die Einrichtung vom »Verein kameradschaftlicher Studentenheime Allenstein«. Er hatte im Ersten Weltkrieg mehrere Häuser nahe den Fronten unterhalten. Nach Kriegsende wurden die Heime nach Deutschland verlegt. In den Garnisonsstädten in der Heimat wollte der Verein zum einen die »rückflutenden« Militärangehörigen betreuen und zum anderen alle, die von der Truppe an die Uni wechselten. Das berichtete die Gießener Allgemeine Zeitung zum 50-jährigen Jubiläum 1969 und berief sich auf eine 1930 veröffentlichte Schrift des Studentenwerk-Mitarbeiters Emil Kraus.

 

Aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich

Aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich wirkt das akademische Ambiente zwischen Militär und Krankenhaus. Die Gäste waren – damals eine Selbstverständlichkeit – wohl ausschließlich männlich, betreut wurden sie von Frauen. Die ersten »Heimleiterinnen« hießen Schwester Thea Suck, Schwester Irene von Zansen-Osten und Oberschwester Martha Bohnen. 1921 übernahm die neu gegründete »Gießener Studentenhilfe« die Trägerschaft. Dieser Verein war eng an die Universität angelehnt und Vorläufer des heutigen Studentenwerks. Die Einrichtung feiert in zwei Jahren ihr 100-jähriges Jubiläum.

Die erste modernere Mensa Gießens entstand 1931 mit dem Bau des Studentenhauses an der Ecke Ludwigstraße/Leihgesterner Weg. Das Wohnheim samt Verpflegungsbetrieb und Veranstaltungssaal erhielt den Namen des damaligen Studentenwerk-Vorsitzenden Otto Eger. Es wurde 2016 wegen dessen Nazivergangenheit in Mildred-Harnack-Fish-Haus umbenannt.

Die Mensa wurde bald zum festen Bestandteil studentischen Lebens und ersetzte zeitweise sogar den Numerus clausus. Aus Erzählungen älterer Gießener wisse man, dass manche Bewerber um einen Studienplatz einst eine Zeitlang in der Mensa arbeiten mussten – das berichtete ein Studentenwerk-Vertreter 1994 im GAZ-Gespräch.

 

Achte Cafeteria eröffnet bald

Schon Ende der sechziger Jahre erwies sich die Essensausgabe an der Ludwigstraße als zu klein und den Ansprüchen nicht mehr gewachsen. Die Zahl der jährlich verzehrten Essen sank zwischen 1966 und 1973 von 486 000 auf 445 000. Nach langer Bauzeit wurde 1974 die neue Mensa neben dem Philosophikum I eingeweiht. Die JLU zählte damals 15 000 Studierende. In der Otto-Behaghel-Straße konnten die Gäste erstmals zwischen mehreren Beilagen zu verschiedenen Hauptgerichten frei wählen.

Mittlerweile betreibt das Studentenwerk in Gießen drei Mensen, sieben Cafeterien und eine Kaffeebar. Auf dem Campus der THM eröffnet in Kürze die achte Cafeteria. Die JLU plant zudem einen Neubau der Mensa auf dem »Campus der Zukunft« in der Rathenaustraße.

Info

Täglich veganes Essen

»Wir bieten den Studierenden auf den verschiedenen Campusbereichen die Möglichkeit, sich von früh bis spät für den Hochschulalltag zu stärken – in manchen Einrichtungen wie der Kaffeebar cUBar sogar sonntags«, erklärt Studentenwerk-Sprecherin Eva Mohr. In der Otto-Behaghel-Straße wird auch am Abend gekocht. Das Angebot werde ständig an die sich ändernden Essgewohnheiten angepasst. Dabei berücksichtige das Studentenwerk aktuelle Ernährungsstudien ebenso wie die Ergebnisse der regelmäßigen Kundenzufriedenheitsbefragungen. Deshalb haben die Hochschulangehörigen in allen Mensen täglich die Möglichkeit, sich vegan zu ernähren.

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