05. Oktober 2018, 19:00 Uhr

Mensch, Gießen

Der kleine Schlammbeiser

Die Gießener Fußgängerzone nimmt im Leben von Markus Pfeffer eine zentrale Rolle ein. Heute ist Pfeffer Geschäftsführer des BID Seltersweg.
05. Oktober 2018, 19:00 Uhr
Markus Pfeffer auf »seiner« Straße, dem Seltersweg. (Foto: Schepp)

Mensch Gießen

Jeden Tag begegnen wir Gießenern, die uns zwar vertraut sind, die wir aber nicht kennen. Das wollen wir ändern: In unserer Serie »Mensch, Gießen« wollen wir einige dieser Gießener vorstellen.

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Markus Pfeffer zückt nur ungern seinen Personalausweis. Nicht wegen des Alters, so eitel ist der 51-Jährige nicht. Auch seinen Namen trägt er mit Stolz, seinen Vater Axel bezeichnet er als engen Freund und guten Ratgeber. Nein, was Markus Pfeffer an dem Dokument stört, ist die Stadt, die als Geburtsort aufgelistet ist: Lich. »Das ist ein kleiner Makel. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag Lich sehr gerne. Aber ich wäre natürlich lieber in meiner Heimatstadt geboren.« Diese kleine Geschichte ist nur ein Beleg dafür, wie sehr Pfeffer sein Gießen liebt. Und wie es in der Liebe nun mal ist: Sie lebt vom Geben und Nehmen.

Gießen hat Pfeffer viel gegeben. Zum Beispiel schöne Kindheitserinnerungen in der Löberstraße, wo sein Vater eine Schlosserei betrieb. Auch seinem beruflichen Werdegang hat die Stadt an der Lahn einen entscheidenden Anstoß gegeben. »Ich habe bei Karstadt in der Werbeabteilung eine Ausbildung gemacht. Das war mein erster beruflicher Kontakt mit dem Handel.« Pfeffer hat seiner Heimatstadt aber auch viel zurückgegeben. Vor allem in den vergangenen zwölf Jahren.

Ein echter Netzwerker

Als BID-Geschäftsführer ist Pfeffer ein echter Netzwerker. Er ist mit dem ganzen Seltersweg per Du, kommt mit allen ins Gespräch. Vielleicht liegt es daran, dass er schon immer Teil geselliger Runden war, zum Beispiel in diversen Vereinen. Der 51-Jährige hat stets einen lockeren Spruch und ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Sein Vorteil: In vielen Themengebieten, über die die Menschen gerne sprechen, ist er Fachmann. Zum Beispiel im Sport.

Nach seiner Ausbildung bei Karstadt jettete der Marketingexperte mehrere Jahre für die Tennis-ATP-Tour um die Welt. Im Anschluss arbeitete er für die Messe Frankfurt, bevor er zur damals zweitgrößten deutschen Versicherung wechselte, die DBV Winterthur. Hier fädelte er unter anderem das Trikotsponsoring für den Fußball-Bundesligisten Mainz 05 ein. Ein Umstand, der Spuren hinterlassen hat. »Ich habe eine Dauerkarte bei Mainz. Wann immer es geht, sitze ich mit guten Freunden auf der Haupttribüne.« 2006 ereilte ihn dann der Ruf aus der Heimat. »Ich erhielt das Angebot, für die BIDs tätig zu werden.« Die unter anderem aus Schutz vor der damals neuen Galerie Neustädter Tor gegründeten Business Improvement Districts boten Pfeffer nicht nur eine spannende Aufgabe, sondern auch die Möglichkeit, nach fast 20 Jahren endlich wieder dort zu arbeiten, wo er auch lebte. Doch so attraktiv das Angebot war, so hürdenreich gestaltete sich der Einstieg.

Ich denke häufig darüber nach, ob ich meinen Kindern auch so ein cooler Vater sein kann

Markus Pfeffer

Ein Interessenvertreter für den Handel, der selbst kein Händler ist? Und dessen Vater obendrein für die CDU im Stadtparlament sitzt? Manch einer zweifelte nicht nur an Pfeffers Eignung, sondern auch an seiner Neutralität. Doch das ist Schnee von gestern. Heute, zwölf Jahre später, ist der BID-Geschäftsführer aus der Innenstadt nicht mehr wegzudenken. Und auch abseits des Selterswegs sorgt der 51-Jährige dafür, dass den Gießenern in ihrer Freizeit nicht langweilig wird. Als Produktionsleiter des Kultursommers lockt er Jahr für Jahr nicht nur Stars wie Nena oder Scooter auf den Schiffenberg, sondern auch Tausende Besucher. Zudem sorgt Pfeffer, der auch einige Zeit fürs Radio gearbeitet hat, als Moderator von großen Faschingsveranstaltungen und Wiesnfesten für Stimmung. Obendrein betreut er zwei Gießener Autohäuser in Sachen Marketing und berät andere Städte bei der Gründung von BIDs. Ein Workaholic? Pfeffer zuckt mit den Schultern: »Ich muss ja irgendwie meine Familie ernähren.«

»Das sind ja zwei«, entfuhr es Pfeffer beim Blick auf den Monitor. Ja, entgegnete der Frauenarzt und bestätigte, was der werdende Vater aus dem krisseligen Schwarz-Weiß-Gewirr des Ultraschalls gedeutet hatte: Zwillinge. Die Pfeffers mussten erst mal schlucken. Die Kosten – für einen Zwillingskinderwagen kann man ein kleines Vermögen ausgeben – waren dabei noch das kleinere Problem. Aber mit zwei kleinen Babys den Alltag zu meistern, ist selbst für ein arbeitserprobtes Paar eine immense Herausforderung. »Die Nachricht war im ersten Augenblick ein Schock«, räumt Pfeffer ein. »Im nächsten Moment haben wir uns aber auch schon wahnsinnig gefreut.«

Spät Vater geworden

Dass die Pfeffers erst relativ spät Eltern geworden sind, hat einen ernsten Hintergrund. »Meine Frau Geraldine war auf dem Weg zur Arbeit, als ihr jemand mit voller Wucht in die Seite fuhr.« Sie habe Glück im Unglück gehabt, die darauffolgende Zeit sei jedoch kein Zuckerschlecken gewesen. Zwei Operationen habe seine Frau über sich ergehen lassen müssen, sagt Pfeffer, wegen der gebrochenen Wirbel seien ihr zudem Stangen in den Rücken implantiert worden. An eine Schwangerschaft sei erst mal nicht zu denken gewesen. »Ich bin zehn Jahre älter als meine Frau. Als es dann so weit war, war ich plötzlich alt.« Ein Umstand, der den 51-Jährigen sehr beschäftigt. »Mein Vater war 21, als ich auf die Welt kam. Er ist heute ein sehr guter Freund und mein engster Berater. Ich denke häufig darüber nach, ob ich meinen Kindern auch so ein cooler Vater sein kann.« Pfeffer weiß: Wenn seine Zwillinge Lilli und Michel mal in seinem Alter sind, wäre er ... schon über 100. Umso wichtiger ist es für den Gießener, das Hier und Jetzt zu genießen. Und das tut er. »Man hört ja immer wieder, dass Kinder alles verändern. Das Krasse ist: Es ist wirklich so. Meine Prioritäten haben sich komplett verschoben.«

Pfeffer ist in einem Alter Papa geworden, in dem andere Väter das Gröbste bereits hinter sich haben. Oder anders gesagt: Er hat sich die größte Herausforderung für die zweite Lebenshälfte aufgespart. Mit vielen Freuden, aber auch jeder Menge Sorgen. »Ich denke oft darüber nach, wie meine Kinder mal sein werden. Was sie besser machen können als ich.« Ihm fällt da auch schnell etwas ein. In der Schule zum Beispiel, da dürften die Zwillinge ruhig ein bisschen pflegeleichter sein. Und etwas häufiger anwesend als der Papa, das würde Pfeffer auch gefallen. Worin die Kinder ihren Vater gerne nacheifern dürfen? Der Gießener muss einen Moment darüber nachdenken. »Ich habe mich stets für die Allgemeinheit eingesetzt. Nicht nur in diversen Vereinen, sondern auch in Clubs wie dem Round Table oder den Lions. Wenn meine Kinder sich davon etwas abschauen, würde mich das sehr freuen.«

In einem Punkt haben die Zwillinge ihrem Vater übrigens schon jetzt etwas voraus: Auch auf dem Papier sind sie waschechte Gießener.

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