Stadt Gießen

Der Mensch als Kulturträger

Gießen (pm). Halb Ausstellung, halb Performance: Ana Berkenhoff und Roland Siegwald entwickeln ein wanderndes Archiv zu dem Thema »Der Mensch als Kulturträger« und laden in dem Zusammenhang zur performativen Ausstellungseröffnung »von Bild III im Rahmen der mexikanischen Oper« am Sonntag, 18. Dezember, um 17 Uhr in den Georg-Büchner-Saal der Alten Uni-Bibliothek (Bismarckstraße). Im Anschluss ist die Ausstellung noch bis 21 Uhr geöffnet.
15. Dezember 2016, 12:00 Uhr
PM
IMG_1202_141216
Roland Siegwald (l.) und Ana Berkenhoff untersuchen in ihrer Performance kulturelle Praktiken. (Foto: pm)

Berkenhoff und Siegwald arbeiten jeweils für zehn Tage an unterschiedlichen Orten in Deutschland und der Welt. Mit jedem dazukommenden Ort wächst ihr Archiv, gibt wieder, mit was und wie sie sich in die Auseinandersetzung begeben. Was wird das Archiv über ihre, vielleicht auch eine geteilte Perspektive, uns Mitteleuropäern erzählen?
Am Anfang stand die Frage: Erzählen kulturelle Praktiken, wie etwa »Essen mit Messer und Gabel, oder Stäbchen«, oder der Gebrauch von unterschiedlichem Werkzeug, etwas über unsere Einstellungen und Haltungen in und auf die Welt?
Bisherige Stationen sind neben Gießen und Frankfurt Reisen nach Mexiko, La Réunion sowie Tirana. Die Ausstellung setzt sich aus allen Stationen zusammen. Ausgehend von Reiseeindrücken gehen die Künstler in die Auseinandersetzung mit sich selbst als Kulturträger, folgen intuitiv den Wegen, aus denen sich unser Bild von uns selbst, von unserer Kultur, unserer Perspektive zusammensetzt. Als verbindendes Element zwischen den bereisten Stationen nutzen Berkenhoff/Siegwald als Mittel der Recherche Treibholz – Holz, das auf den Meeren dieser Welt unterwegs ist – und bearbeiten die Frage recht analog. Sie haben viel Spaß beim Sammeln und Lesen von Treibholz nach dem Motto: »Der Mensch, noch immer ein Höhlenbewohner in der Bearbeitung der großen Fragen.« Die Performance Bild I, II, III und so weiter im Rahmen einer »mexikanischen Oper«, ist ein wachsendes szenisches Archiv aus der Arbeit am Bild von sich selbst und den anderen, das sich mit jedem neuen Ort und Arbeitsphase weiter ausdifferenziert.
Von 2004 bis 2012 haben Ana Berkenhof und Roland Siegwald in Gießen Angewandte Theaterwissenschaften studiert. Als Gruppe arbeiten sie seit 2004 an Aktionen, Objekten im öffentlichen Raum, Filmen und vor allem Bühnenformaten, die sie mit dem Begriff »sinnliches Nichtverstehen« betiteln. Roland Siegwald ist Mitbegründer des nomadisierenden Theaterfreistaates Mobile Albania, in dessen Mittelpunkt die Erprobung von Begegnungssituationen, der Begriff von Dauer, Wechsel von Zuschauer- und Performerrollen und dem gemeinsamen voneinander Lernen stehen. Neben der gemeinsamen Arbeit mit Ana Berkenhoff arbeitet er im Bereich der kulturellen Bildung, unter anderem für die Altana Kulturstiftung in Bad Homburg oder als Coach am Jungen Schauspiel Frankfurt, wo er 2016 auch das Festival »Fluchtpunkt Frankfurt« kuratierte.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Der-Mensch-als-Kulturtraeger;art71,140151

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung