26. April 2019, 22:12 Uhr

Der Liebste wird zum Saphir-Ring

26. April 2019, 22:12 Uhr
Tagungsleiter Hermann Hubing (4.vl.) und Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (3.v.l.) informieren sich beim Messerundgang über kunstvolle Urnenbehälter. (Foto: mö)

In einer Vitrine tanzen glitzernde Edelsteine als 3D-Projektion, nebenan vebreiten schwere Limousinen matten Glanz. In diesem Bereich der Halle 2 der Gießener Messe ist der Tod ein Edelmann. Ein Meter weiter wird er zum Internetfreak: »Ruhe sanft« nennt sich die hier präsentierte Bestattungssoftware. Die Hessenhallen stehen an diesem Wochenende wieder einmal im Zeichen des Hessischen Bestattertags und der PAX, der Fachmesse für Bestattungskultur, die am morgigen Sonntag ab 9 Uhr für das Publikum geöffnet hat. Einen »kleinen Anstoß mit dem gesellschaftlichen ›Tabu-Thema‹ Tod, Trauer und Bestattung« will das Deutsche Institut für Bestattungskultur (DIB) mit der dreitägigen Doppelveranstaltung geben, sagt Geschäftsführer Hermann Hubing.

Es ist eine Mischung aus Branchentreffen und Leistungsschau, die seit Freitag in den Hessenhallen abgehalten wird. DIB-Chef Hubing absolviert einen wahren Tagungsmarathon: Er begrüßt und ehrt, er diskutiert, moderiert und referiert. Wichtige Themen des Bestattertags, dem Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz mit Grußworten am Freitag die Ehre geben, sind die Meisterpflicht für Bestatter oder die weitere Aufweichung des in Deutschland geltenden Bestattungszwangs.

Zelte für Waldbestattungen

Die Messe PAX, an der 30 Aussteller aus ganz Deutschland, Österreich, Holland und Italien teilnehmen, bietet für Besucher, die die Entwicklungen in der Bestatterbranche nicht ständig verfolgen, überraschende Einblicke. Was macht zum Beispiel ein Anbieter von Zeltbauten auf einer Bestattermesse? »Bestatter nutzen unsere Produkte für Trauerfeiern im Wald«, erklärt der Vetriebschef der Eventfirma; nebenan hat das bekannte Unternehmen »Ruheforst« seinen Stand.

Das von Hubing angesprochene Tabu bricht mancher Aussteller durchaus selbstbewusst. Ein österreichisches Unternehmen bietet »Edelstein-Bestattungen« an. Haare und/oder die Asche des Verstorbenen landen als Schmuckstück am Ringfinger oder hängen an einer Kette um den Hals. »Ein Leuchten, wie es der Gefährte zu Lebzeiten für uns getan hat«, heißt es in der Broschüre.

Dekoniveau haben die Urnenbehälter, die ein paar Meter weiter gezeigt werden, andere Aussteller informieren über die Themen Licht, Fotobuch, sogar Bestattungsspielzeug gibt es, um mit Kindern einen Todesfall leichter bewältigen zu können. Ein Unternehmen aus Lich hat Konfliktberatung im Todesfall und »betriebliches Trauermanagement« als Dienstleistungen entdeckt. Ganz hinten in der Ecke, wo die Interessengemeinschaft Historische Bestattungsfahrzeuge einen Mercedes, Baujahr 1973, präsentiert, der früher für den Wiesecker Bestatter Kümmel gefahren ist, weht sogar ein Hauch von Golden Oldies durch die Halle. So hat man nach einer Stunde Messerundgang fast vergessen, dass sich hier alles um den Tod dreht.

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