01. November 2018, 14:00 Uhr

Pumuckl

Der Kobold-Tenor ist am Stadttheater los

Er quietscht, schreit und fuchtelt. Pumuckl hat es faustdick hinter den Ohren. Einsicht ist nicht seine Stärke. Am Stadttheater treibt der kleine Kobold ab Samstag sein liebenswertes Unwesen.
01. November 2018, 14:00 Uhr
Was ist schlimmer als ein Kobold? Zwei Kobolde. Meister Eder (Tomi Wendt) ahnt das Ungemach in seiner Werkstatt, sobald der doppelte Pumuckl auftaucht (Tom Schimon mit Handpuppe). (Foto: Wegst)

Hurra, hurra, der Kobold mit dem roten Haar! Hurra, hurra, der Pumuckl ist da!« Der kleine Klabautermannsprößling hat es derzeit dem kompletten Stadttheater angetan. Techniker pfeifen sein Erkennungslied aus der TV-Serie, Darsteller lächeln bei seinem Namen verzückt und Bühnenbildnerin Monika Gora kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr raus, als sie zwei ihrer unzähligen zweidimensionalen Requisiten zeigt, die sie für das neue Musiktheaterstück »Pumuckl – das Musical« erdacht hat: einen Regenschirm und ein Glas Bier, beides beinahe so flach wie ein Blatt Papier.

Gora hält sich den Schirm über den Kopf: »Der ist wichtig bei dem Wetter.« Doch draußen, wo es gerade in Strömen regnet, nutzt er in seiner Zweidimensionalität gar nichts. »Nein«, lacht sie. Aber drinnen mache er das verspielte Bühnenbild noch verspielter.

 

Regie führt Oliver Pauli

Bei der Pressekonferenz im Theaterfoyer haben sie ihren Spaß. Regisseur Oliver Pauli, der als gelernter Musical-Darsteller erst zum dritten Mal inszeniert, sagt über die Proben: »Abends gehe ich mit einem breiten Grinsen nach Hause.« Alle nicken. Auch der Pumuckl. Schon ohne Schminke und Kostüm wirkt Hauptdarsteller Tom Schimon wie einer, der es faustdick hinter den Ohren hat. Wenn er lacht, lässt der Klabautermann grüßen. Schimon muss in dem gut zweistündigen Stück von Franz Wittenbrink (Musik) und Anne X. Weber (Text) nach den Büchern von Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut die größte Partie bewältigen.

Das ist auch deshalb nicht ohne, weil bis heute jeder Hans Clarin als die Stimme des umtriebigen Rotschopfs aus der ARD-Serie von 1979 bis 1988 in Erinnerung hat. In welcher Tonlage Schimon singt? »Ich nenne es Kobold-Tenor«, sagt der Mime und alle grinsen erneut. »Es ist so eine Art Falsett-Kopfstimme-Brustton.« Und wie funktioniert das mit dem Unsichtbarmachen? Da hat sich das Regieteam einen Trick ausgedacht. Wenn Schimon mit Handpuppe erscheint, kann Meister Eder den Kobold sehen. »Ohne Puppe bin ich auf der Bühne für die Darsteller unsichtbar und darf nach Lust und Laune mein Unwesen treiben.«

Schreinermeister Eder, in dessen Münchener Werkstatt der kleine Nachfahre der Klabautermänner gestrandet ist, verbinden viele mit Gustl Bayrhammer, der im TV die menschliche Hauptrolle spielte, während Pumuckl als Zeichentrickfigur ins Bild gesetzt wurde.

 

Tomi Wendt ist Meister Eder

Was ist das Besondere an diesem Meister Eder? Bariton Tomi Wendt, der die Partie übernimmt, lehnt sich zurück, verschränkt die Arme vor der Brust und kneift ein Auge zu. Dann sagt er in bedächtigem Bayerisch: »Dös Bodenständige.« Wendt kneift das Auge noch etwas weiter zu: »Dös is a bayerischer Typ.« Also ein zufriedener Mensch? Wendt nickt. Und ein ehrlicher, selbst wenn er mal laut grantelt. »Und gemütlich ist er auch«, sagt der musiklische Leiter Andreas Kowalewitz.

Auf die Frage, ob auch die Musik bayerisch klingt, sagt der Dirigent: »Sie ist typisch Wittenbrink. Die Vielseitigkeit der Stile zeichnet ihn aus. Es kommt fast alles vor. Tango, Swing, Hardrock und ein Fandango, aber auch mal eine Handvoll Takte ironische Blasmusik oder was Klassisches, um nur ein paar Facetten zu nennen.« Im Graben sitzt ein 30-köpfiges Musical-Orchester mit doppeltem Schlagwerk, E-Gitarre und Saxofon. Es wird viel gesungen – 25 Nummern hält die Partitur bereit –, aber auch reichlich geredet. Die Texte von Weber, die sich an den Vorlagen orientieren, seien hervorragend, loben die Beteiligten unisono.

1962 schuf Kaut ihren legendären Pumuckl. Höchste Zeit also für den Wirbelwind, nun musikalisch die Bühnenbretter zu stürmen. Die Uraufführung des Musicals im April in München war ein voller Erfolg. Das soll in Gießen natürlich genauso werden. Zumal es ein Abend für die ganze Familie ist. »Für Kinder ab zehn Jahren«, sagt Pauli. Los geht der Spaß mit der Premiere am kommenden Samstag (3. November, 19.30 Uhr) im Großen Haus des Stadttheaters. 16 Aufführungen sind geplant. Bislang.

16 Aufführungen geplant

Premiere am 3. November

Er ist klein, frech, rothaarig und in aller Regel unsichtbar, wenn er nicht gerade am Leimtopf des Schreinermeisters Eder festklebt. Die Rede ist vom Kobold Pumuckl. Mit Vorliebe macht er Eders Schreinerwerkstatt unsicher und sorgt bei der Nachbarschaft für Schabernack. Das Stadttheater zeigt »Pumuckl – das Musical« in einer Inszenierung von Oliver Pauli. Premiere ist am Samstag, 3. November, um 19.30 Uhr im Großen Haus. Das Philharmonische Orchester spielt unter Leitung von Andreas Kowalewitz, der auch die Uraufführung dirigierte.

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