02. April 2018, 20:27 Uhr

Der Chor ist die Attraktion

Bei einer Musicalgala und diesen Ohrwürmern kann eigentlich nichts schiefgehen. Ging es auch nicht im Stadttheater: Auch die dritte Auflage wird vom Publikum begeistert gefeiert.
02. April 2018, 20:27 Uhr
Solist Joachim Ensle.

Willkommen, welcome!« hieß es am Samstagabend in Cabaretmanier im Stadttheater. Sänger Andrea Pagani eröffnete die Musicalgala unter dem Motto »Thank you for the music«. Zum dritten Mal fand diese Gemeinschaftsproduktion vom Gesangverein Jugendfreund Watzenborn-Steinberg, Liveband, Cabaretstar Sophie Berner und Kollege Pagani unter der musikalischen Leitung von Jan Hoffmann eine umjubelte Aufführung. Nach der Premiere 2016 in Pohlheim waren die Musiker auch 2017 zum Gießener Stadtfest zusammengekommen.

Etwas mehr Glamour hätte dem Titel des Programms schon eher gestanden. Trat doch gerade Moderator und Sangessolist Pagani erstaunlich schlicht auf. Und insgesamt wurden die meisten Songs mit einem Understatement performt, das es nicht gebraucht hätte. Dies versuchte Berner mit zahlreichen Outfitwechseln wettzumachen. Allerdings kann kein Kleid der Welt über eine nicht mehr ganz so bezaubernde Ausstrahlung hinwegtäuschen. Hauptact ist am Samstag auf jeden Fall der Chor.

Geografisch geht es nach Schweden, Transilvanien, Afrika, Berlin und Argentinien. Die Gala gibt einen Querschnitt bekannter Musicalhits. Auch wenn das Theater mit dem Nebensatz »Ein Spaß für die ganze Familie« wirbt, werden in den prall gefüllten Sitzreihen nur wenige Kinder gesichtet. Der Auftakt ist nicht ganz so mitreißend gestaltet, obwohl das dramaturgisch clever gewesen wäre. Aus dem Musical »Madame Butterfly« erklingen die Zeilen »hier ist die Party erwacht« als hohle Phrase.

Doch der Abend gewinnt langsam an Elan, als Berner aus dem »Kuss der Spinnenfrau« singt. Der Pohlheimer Frauenchor überzeugt mit dem Duett »I know him so well«. Klar ertönen die Soprani, untermauert von stimmkräftigen Altistinnen. Aus dem Fuldaer Sommermusicalerfolg der »Päpstin« haben Berner und Pagani den Song »Wehrlos« wieder einstudiert, der das Publikum emotional mitreißt. Aus den Reihen des Chores brillieren solistisch Joachim Ensle und dessen Tochter Jenny Liebig. Der fetzige Auftakt zu einem Medley aus »König der Löwen«-Hits lässt den gesamten Theatersaal aufhorchen. Da ist auch Chorleiter Hoffmann die Freude am Beruf anzusehen. Bei »Hakuna Matata« erstrahlt erneut ein phantastischer Sopran aus dem Ensemble heraus. Mitreißend transportiert wird im zweiten Teil des Abends der »Tanz der Vampire«. Hier geben Pagani und Liebig ein wunderschönes Duett. »Sei bereit« vermittelt schon ein wenig Kreuzfahrtstimmung, technisch ist hier nichts zu bemängeln. Rhythmisch gewinnt die Gala durch das Musical »Transylvania« an Kraft. Besonders Hermann Wilhelmi haut hier engagiert und professionell in die Tasten. Zur Band gehören zudem Roland Schmiedel, Martin Spahr (Keyboard), Alexander Ludwig (Drums), Christian Trupp (Trompete) und Stefan Schneider (Bass). Ludwig fällt bei Udo Jürgens Klassikern positiv auf, Schmiedel und Spahr in Verdis »Aida«. Berner hat ihren überzeugendsten Auftritt mit der Ballade »Wahrheit«.

Und Hoffmanns Showtalent entfaltet sich am authentischsten, als er das Publikum zu einer »Grease«-Choreografie animiert. Das passt denn auch endlich der Satz vom Anfang des Abends: »Hier ist die Party erwacht und die Stimmung im Saal ist wirklich der Hit!«

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