14. Oktober 2011, 13:23 Uhr

Debatte um Bänninger geht in die nächste Runde

Gießen (mö). Die Debatte um die Zukunft der Industriebrache Bänninger geht auch nach der Entscheidung von Stadt und Investoren, auf einen großen Lebensmittelmarkt als Ankerbetrieb zu verzichten, weiter. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di wendet sich nun auch gegen die Alternativlösung, die Ansiedlung eines Heimwerker- und Gartenmarkts der Kette Bauhaus
14. Oktober 2011, 13:23 Uhr
Die Zukunft der Industriebrache Bänninger im Schiffenberger Tal (Bildmitte) sorgt weiter für Diskussionen. (Foto: Henß)

Joachim Haucke, Gewerkschaftssekretär des Fachbereichs Handel, spricht in einer ausführlichen Presseerklärung von einer »Problemverlagerung« und erwartet »massive nachteilige Auswirkungen auf die Beschäftigung im Einzelhandel in Gießen und dessen Umland«. Namentlich nennt Haucke den gegenüber der Bänninger-Brache gelegenen Obi-Markt sowie Ruhl in Alten-Buseck. Während die Stadt im September von einer Verkaufsfläche von 17 000 Quadratmeter für die Bauhaus-Filiale ausging, spricht Haucke von 20 000.

Hauckes Wortmeldung kommt nicht überraschend. Nach GAZ-Informationen haben sich in den letzten Wochen Geschäftsleitungen und Belegschaften von Heimwerker- und Baustoffmärkten in Gießen und Umgebung zu einer konzertierten Aktion gegen die Ansiedlung von Bauhaus im Schiffenberger Tal verabredet. Wie es heißt, sei mittlerweile auch die Industrie- und Handelskammer eingeschaltet worden.

Aus Sicht von Haucke, der den Verzicht auf einen großen Lebensmittelmarkt ausdrücklich begrüßt, ist es nicht nachvollziehbar, dass die von der Stadt mit der Fortschreibung des Einzelhandelsgutachtens beauftragte Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung bei den Baumärkten »noch Luft« für eine weitere Ansiedlung sieht. Haucke: »Das Einzugsgebiet eines Bau- und Heimwerkermarktes in der geplanten Größe liegt bei einem Radius von 30 bis 40 Kilometer. Die in diesem Umfeld liegenden Heimwerker- und Baufachgeschäfte sind ebenso zu berücksichtigen wie der Baustoffhandel und der Gartenbedarf. In diesem Radius kommen wir nach eigenen Berechnungen auf über 110 000 Quadratmeter Verkaufsfläche; mehr als das Dreifache der Fläche, die in die Betrachtung der GMA eingingen.« Vor dem Hintergrund des erhöhten Wettbewerbsdrucks seien existenzgefährdende Umsatzeinbußen durch zusätzliche 20 000 Quadratmeter zu befürchten. In vielen Betrieben seien die Möglichkeiten eines Gegensteuerns nämlich bereits ausgereizt. In drei heimischen Bau- und Heimwerkermärkten sei nach dem Kenntnisstand von Ver. di die wirtschaftliche Situation schon jetzt »kritisch«. Aber auch gerade die wirtschaftlich noch stabilen Märkte wie Obi oder Ruhl würden sich destabilisieren.

Nicht zuletzt führe ein verschärfter Wettbewerb zu steigenden Arbeitsbelastungen für die Beschäftigten. Bei reduziertem Personal müssten die verbleibenden Beschäftigten die zusätzlichen Belastungen auffangen. Nicht bezahlte Mehrarbeit und Arbeitszeitverstöße seien die Folgen, warnt Haucke.

Als problematisch sieht der Ver.di-Sekretär auch die weiteren geplanten Ansiedlungen von Fachmärkten aus den »innenstadtrelevanten« Branchen Sport und Textil, Bürobedarf sowie die Randsortimente des neuen Baumarktes an. Zudem befürchtet Haucke, dass die geplante Ansiedlung eines Fachmarkts für Fahrräder in der bisherigen Intersport-Filiale an der Karl-Glöckner-Straße den kleinen Fahrradgeschäften in der Innenstadt die Existenzgrundlage entzieht.

Fazit und Forderung des Ver.di-Sekretärs: Verzicht auf Einzelhandel an dieser Stelle, stattdessen »Zukunftsinvestitionen« unter Einbindung der beiden Gießener Hochschulen. Hauckes Stichworte hier: eine Berufsakademie für die duale Hochschulausbildung, eine Forschungsplattform für Uni und THM sowie ein »Sciencepark zu medizinischen Themen«.

Dafür indes müsste die Stadt ihre Bebauungsplanung für das Bänninger-Gelände, die auf die Ansiedlung von Einzelhandel ausgerichtet ist und sich demnächst bereits im Stadium des Entwurfs befindet, aufgeben. Damit wäre die Beseitigung der Industriebrache vorerst gescheitert, da die Grundstücksgesellschaft Schiffenberger Weg ihr Investement nicht mehr refinanzieren könnte.

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