07. Juni 2019, 22:18 Uhr

Das weibliche Element

07. Juni 2019, 22:18 Uhr
Tänzerin Adriana Dornio (l.) und Mechtild Hobl-Friedrich im Schlosshof. (Foto: dkl)

Ein Traum ist schon wahr geworden. Der von Festivalleiter Tarek Assam, den Innenhof des Alten Schlosses als Site Specific während der TanzArt ostwest nutzen zu dürfen. Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch machte es möglich. Sie wiederum äußerte ihren Traum, dass auch der historische Schlossturm irgendwann eine künstlerisch-theatrale Nutzung erfahren möge.

Die Performance »Erklär mir die Blaue Stunde« ist eine Idee von Mechtild Hobl-Friedrich, langjährige Theaterintendantin und Mitbegründerin des Netzwerks TanzArt ostwest. Auch 2018 präsentierte sie zur TanzArt eine literarisch inspirierte Performance, in der Kupferschmiede. Als sie von Assam erfuhr, dass er in diesem Jahr erstmals nach 15 Jahren eine Choreografin gewinnen konnte (Lucyna Zwolinska) für die Site Specific Performance zum Auftakt des Tanzfestivals, machte sie den Vorschlag, das weibliche Element zu erweitern. Immerhin sind wir im Jubiläumsdoppeljahr 100 Jahre Frauenwahlrecht. Als tänzerische Partnerin empfahl sich Adriana Dornio von der Tanzcompagnie.

Hobl-Friedrich bereitete alles minutiös vor: die Auswahl der Gedichte der deutschen Lyrikerinnen Ingeborg Bachmann, Rose Ausländer und Ulla Hahn, ebenso die Abläufe mitsamt Zeitmanagement. Die von Frauen komponierte Musikauswahl wurde während der Performance von Mamiko Sakurai, Ex-TCG-Mitglied, technisch betreut. Von der Litauerin Onute Narbutaite kam der Klang dramatischer Geigen, von der russischstämmigen DJane Dasha Rush der Elektro-Sound. Dornio hatte sich die Gedichte auf Italienisch übersetzen lassen, damit sie den Inhalt genau kannte. Wobei es letztlich in allen um das Eine geht, um Liebe in allen Facetten von hochgestimmt bis tiefbetrübt.

Beide Performerinnen waren in Schwarz gekleidet, beim Wechsel zwischen Textvortrag und Tanzdarbietung standen sie immer in intensivem Blickkontakt. Dadurch wirkte die Performance sehr dicht und wie verschmolzen, teils waren Stimme und Tanz geradezu synchron. Dornio gelingt es in ihrer Tanzimprovisation ebenso auf die Musik wie auf die Stimme zu reagieren. Manchmal ließ sie sich auch von Motiven des Textes inspirieren, wie bei Wasserwellen, die sie unter dem Laken auf der Matratze liegend durch Bewegungen simulierte. Ansprechend war auch die Nutzung der Stahlskulptur im Innenhof, die sie mit ihren Armen ähnlich durchdrang wie die Biegungen der Rohre es vorgaben. Diese Vorstellung war leider nur einmalig.

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