03. August 2017, 20:42 Uhr

Das Innenleben einer »Königin«

03. August 2017, 20:42 Uhr
Michael Gilles zeigt das Wellenbrett.

Viel Wissenswertes zu Aufbau und Spielweise der Orgel vermittelte Michael Gilles bei einer konzertanten Führung in der Bonifatiuskirche. Leicht verständlich erläuterte der Kantor das Funktionsprinzip der neuen Eule-Orgel auf der Empore.

Den Ausgangspunkt bildete der für die Windzufuhr sorgende Hauptmotor mit Gebläse im Nebenraum. Anschließend bekamen die Besucher Einblick in die Verbindung zwischen Taste und Ventil, die den Luftzugang zu den Pfeifen öffnet und schließt. Diese sogenannte Traktur ist bei der Eule-Orgel zugunsten differenzierter Spielbarkeit mechanisch gehalten. Mittels des Wellenbretts, eines Umlenkmechanismus, werden die Züge zu den Windladen weitergeleitet. Auch auf die Registersteuerung durch verschiebbare, mit Löchern versehene Holzleisten ging der Kantor ein. Sehr anschaulich demonstrierte er zudem verschiedene Pfeifentypen aus Holz und Metall sowie das Verhältnis zwischen deren Länge und Tonhöhe.

Prägnant skizzierte Gilles die komplexe Tätigkeit der Orgelbauer – bis hin zur Intonation, der akustischen Anpassung der einzelnen Register an den Saal. Schon die technische Meisterleistung allein – oft gehe es um Millimeterarbeit – reiche aus, die Orgel als »Königin der Instrumente« zu bezeichnen. Dieser Ausdruck stamme übrigens von Wolfgang Amadeus Mozart und spiele darauf an, dass sich damit ein ganzer Chor samt Orchester imitieren lasse. Wie eindrucksvoll dies herüberkommen kann, zeigte Gilles anhand eines Beispiels aus Charles-Marie Widors Sammlung »Bach’s Memento«.

Dass die Eule-Orgel ein derart rundes Bild hinterlässt, ist dem Kantor zufolge dabei keineswegs selbstverständlich: Oft sei es klanglich problematisch, das Instrument in zwei Teilen an die Seite zu drängen, um das Kirchenfenster freizuhalten. Wie stimmig dies hier gelungen ist, davon konnte man sich bei weiteren Kostproben von Johann Sebastian Bach überzeugen: einem Ausschnitt aus der Triosonate d-Moll sowie der »Kleinen Fuge« und dem transkribierten Siciliano aus der Flötensonate – jeweils g-Moll – im Ganzen. In voller Pracht erstrahlte das Instrument zum Schluss bei der virtuosen Toccata aus Widors Orgelsymphonie Nr. 5 f-Moll.

Beim nächsten Mittwochskonzert am 6. September um 19.30 Uhr haben Orgelmusikliebhaber wieder Gelegenheit, die Eule-Orgel zu erleben: Der renommierte Kölner Organist Prof. Johannes Geffert widmet sich dann englischen Kompositionen von Charles und Samuel Wesley, Georg Friedrich Händel und Edward Elgar. (Foto: jou)

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