05. November 2018, 22:06 Uhr

Chronist in wilden Zeiten

05. November 2018, 22:06 Uhr
Günter Zints Fotografien zeigen auch immer wieder das Aufeinandertreffen von Demonstranten und Polizisten. (Foto: Zint)

»Wilde Zeiten. Fotografien von Günter Zint« heißt eine Wanderausstellung der Stiftung »Haus der Geschichte« in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Günter Zint. Sie ist bis Mitte Januar in der Universitätsbibliothek zu sehen. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 8. November, um 18 Uhr.

Günter Zint wurde in Fulda geboren und startete Ende der 50er Jahre seine Karriere als Redakteur und Fotojournalist bei der Deutschen Presse-Agentur. Seine Fotoreportagen für »Spiegel« oder »Quick« machten ihn bekannt. Seit Mitte der Sechzigerjahre lebte er in Hamburg und tauchte dort in die alternative Szene ein. Er wurde zu einem wichtigen Chronisten der sogenannten wilden Sechziger- bis Achtzigerjahre in der Hansestadt und der jungen Republik.

Eröffnung am 8. November

»Ich will Realität zeigen, meine Bilder sind Gebrauchsfotografien«, sagt Zint über seine Arbeiten. Mit seiner analogen Schwarz-Weiß-Fotokamera war er stets mittendrin im Getümmel. 1964 gründete er die Agentur Pan-Foto in der Hansestadt. Auch die »St. Pauli Nachrichten« hat er gegründet, die unter seiner Ägide zu einer erfolgreichen linken Boulevardzeitung mit Millionenauflage wurden. Bekannt geworden ist Zint mit seinen Fotos vom Hamburger »St.-Pauli-Kiez« sowie Dokumentationen der Studenten-, Friedens- und Anti-Kernkraft-Bewegung. Dabei versteht sich Zint als politischer Fotograf. Er gilt als Vorreiter eines sozial engagierten und aufklärerischen Bildjournalismus der jungen Bundesrepublik und ist weit mehr als ein Chronist der soziokulturellen und politischen Entwicklungen: Seine Kamera hatte er stets auch aus dem Blickwinkel der Agierenden, der Gegenkulturen heraus auf die Reaktionen der Gesellschaft gerichtet. Viele seiner Fotografien haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt: Die Aufnahme der Beatles vor dem Hamburger Star-Club, die Bilder protestierender Studenten in Berlin und Paris oder das Foto der Vorsitzenden der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, die misstrauisch die sie umringenden Polizeibeamten beäugt, kennen viele. Als die Mauer fiel, dokumentierte Zint die Euphorie, aber auch die Ernüchterung der DDR-Bürger. »Ran ans Motiv« ist sein Motto – und damit steht er ganz in der Tradition der Arbeiterfotografiebewegung der Weimarer Republik.

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