05. September 2011, 19:55 Uhr

Christoph Geibel: Seit 25 Jahren als Tutor erfolgreich

Gießen (kw). Geht doch mal zur alten Volksschule und fragt nach, ob ihr eine Liste der Abgänger des Jahres 1936 bekommen könnt: Mit diesem Auftrag schickte 1982 der junge Geschichtslehrer Christoph Geibel einige seiner Lollarer Schüler los.
05. September 2011, 19:55 Uhr
Seit 25 Jahren ist Christoph Geibel Tutor beim Geschichtswettbewerb. (Foto: Schepp)

»Der Schulleiter hat die Kinder abgewimmelt, und das Ganze ist im Sande verlaufen«, erinnert sich der Gießener an seine erste – misslungene – Begegnung mit dem Geschichtswettbewerb. »Daraus habe ich viel gelernt. Schüler brauchen Betreuung.« Wie man die organisiert, weiß der Geschichtslehrer vom Landgraf-Ludwigs-Gymnasium inzwischen so gut wie wohl kaum ein anderer Lehrer in Deutschland. Seit 25 Jahren ist er Tutor für den renommierten Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten – mit beachtlichem Erfolg.

Weit über 100 Arbeiten – so schätzt der 59-Jährige – hat er in dieser Zeit betreut. Viele davon gewannen Preise. In den letzten Jahren belegte das Nordstadt-Gymnasium stets einen der ersten fünf Plätze in der bundesweiten Schulwertung. In diesem Jahr errang das LLG unter anderem den Schulpreis für Hessen. Darüberhinaus tragen die Arbeiten viel bei zum Wissen der Gießener über die Geschichte ihrer Stadt und Region, heißt das Motto des Wettbewerbs doch »Schüler forschen vor Ort«. Als »kleiner Doktorvater des LLG« wurde der Lehrer vor zwei Jahren bezeichnet, als er die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik erhielt.

Dahinter steckt viel Arbeit – vor allem der Schüler, betont Geibel im GAZ-Gespräch. »Ich bewundere unheimlich, was sie leisten.« In ihrer Freizeit und weitgehend selbstständig forschen die Jugendlichen vor Ort und verfassen Arbeiten, die häufig wissenschaftlichen Anforderungen genügen. Dass sie überhaupt ein Thema finden und dann am Ball bleiben, ist freilich auch ein großes Verdienst des aus Queckborn stammenden Lehrers. Einen erheblichen Teil seiner Sommerferien verbringt er seit Jahren mit dem Aktenstudium im Gießener Stadtarchiv. »Manchmal lese ich eine Woche lang umsonst. Dann wieder gehe ich an einem Tag fünf Akten durch und stoße auf drei gute Themen.« Wenn alle zwei Jahre die Körber-Stiftung das Thema des nächsten Wettbewerbs bekanntgibt, geht Geibel seine Listen durch. Mit Schülern und Kollegen bespricht er, was wer machen möchte.

»Bei uns schließen drei Viertel derjenigen, die anfangen, ihre Arbeit auch ab«, vermerkt Geibel stolz. Das liegt natürlich auch daran, dass er und die anderen LLG-Tutoren die Jugendlichen in Archive begleiten, und das nicht nur in Gießen. Ganze Herbstferien-Tage verbringen Schüler und Lehrer manchmal in Darmstadt, Wiesbaden oder Kassel. Später liest Geibel die Texte und macht Verbesserungsvorschläge.

Bei Motivationsproblemen greife er ein »wie ein guter Trainer im Sport«: Bei einigen seien deutliche Worte angebracht, bei anderen Ermutigung. »Manche brauchen den Wettbewerb, um zu erleben, was sie eigentlich können«: Der Lehrer hat immer wieder erlebt, wie die gemeisterte Herausforderung – unabhängig von einem Preis – das Selbstbewusstsein heben kann. »Ich habe noch Kontakt zu vielen ehemaligen Teilnehmern. Die meisten davon sagen: Der Geschichtswettbewerb war vielleicht die wichtigste Erfahrung in meiner ganzen Schulzeit. « Die Gymnasialzeitverkürzung mache die Teilnahme nicht leichter, aber gerade die aktuelle Runde »hat gezeigt, dass der Aufwand mit Unterstützung der Schule zu bewältigen ist«.

Dank Geibel »finden Schüler Material«

Die Erfolge der letzten 25 Jahre »wären nicht möglich gewesen, wenn die Stadt nicht einen hauptamtlichen Archivar eingestellt hätte, der uns sehr unterstützt«, betont der LLG-Lehrer. Dr. Ludwig Brake, der dieses Amt seit 1991 innehat, und seine Mitarbeiterinnen haben längst ein inneres Alarmsystem für mögliche Geschichtswettbewerb-Themen entwickelt. »Wir sind ständig ansprechbar«, umschreibt Brake einen weiteren Anteil des Stadtarchivs an den Erfolgen. Christoph Geibel sei ein besonders guter Tutor, »weil er zusieht, dass die jungen Leute Erfolgserlebnisse haben. Sie finden im Archiv tatsächlich Material und haben die Chance, ihr Thema zu bearbeiten. Das ist bei anderen Lehrern nicht immer so«, weiß der Archivar.

In den letzten Jahren allerdings habe sich viel gebessert. Offenbar gehöre die Archivarbeit heute endlich zur Ausbildung der Geschichtslehrer. »Einige junge Pädagogen haben auch schon als Schüler eigene Erfahrungen mit dem Geschichtswettbewerb gemacht und sind deshalb motiviert«, so Brake.

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