17. März 2019, 07:00 Uhr

Carsharing

Carsharing in Gießen: Teilen von Autos ist auf dem Vormarsch

Immer mehr Gießener teilen sich ein Auto. Kein Wunder, dass der regionale Carsharing-Anbieter »Scouter« weitere Stellplätze in der Stadt sucht. Aber auch die Konkurrenz hat Gießen für sich entdeckt.
17. März 2019, 07:00 Uhr
In der Wetzsteinstraße befindet sich einer von insgesamt elf Standorten des Carsharing-Unternehmens »Scouter«. Wenn es nach dem Anbieter geht, sollen aber schon bald weitere hinzukommen. (Foto: Schepp)

Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube ans Pferd«: Mit dieser Einschätzung lag Kaiser Wilhelm II. kolossal daneben. 65 Millionen Fahrzeuge sind laut Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland unterwegs. Die Zahlen sind stetig gestiegen. Offenbar lieben es die Deutschen, jederzeit von A nach B fahren zu können. Es gibt aber auch einen anderen Trend. Immer mehr Menschen setzen auf Carsharing und verzichten auf ein eigenes Auto. Anfang des Jahres waren es laut Bundesverband 2,46 Millionen Kunden in Deutschland und somit 350 000 mehr als 2018. Eine Entwicklung, die auch in Gießen deutlich zu spüren ist.

Laut dem einzigen lokalen Anbieter »Scouter« aus Marburg wächst Carsharing in Gießen rasant. Während das bundesweite Wachstum bei 21,5 Prozent liege, seien es in Gießen stolze 40 Prozent, betont Unternehmenssprecherin Nadja Gehle. Heißt konkret: Während das Unternehmen 2017 noch 400 Kunden zählte, waren es 2018 schon 560. »Im vergangenen Jahr wurden in Gießen 355 018 Kilometer mit Scouter-Carsharing-Fahrzeugen zurückgelegt«, teilt Gehle weiter mit und rechnet vor, dass für diese Strecke normalerweise 118 private Fahrzeuge im Einsatz gewesen wären. »Denn ein typisch genutzter privater Pkw wird statistisch gesehen weniger als 60 Minuten am Tag genutzt, die restlichen 23 Stunden steht er nur herum. Mit Carsharing konnte diese Strecke auf nur 18 Autos verteilt werden«, betont Gehle und spricht von einer deutlichen Entlastung der Straßen und Parkplätze.

 

Carsharing in Gießen: Freie Stellplätze gesucht

Dass mehr und mehr Gießener auf Carsharing setzen, dürfte neben den positiven Effekten für die Natur – laut Umweltbundesamt könnten die CO2-Emissionen durch Carsharing um sechs Millionen Tonnen gesenkt werden – vor allem finanzielle Gründe haben. Das Sparportal Cuponation hat ausgerechnet, dass Stadtbewohner und Wochenendausflüger monatlich zwischen 50 und 200 Euro durch Carsharing sparen können. Für Berufspendler lohne es sich hingegen nicht.

Derzeit gibt es in Gießen elf Standorte mit »Scouter«-Fahrzeugen. Wenn es nach dem Unternehmen geht, sollen es bald mehr werden. Viele Gießener haben in den vergangenen Wochen Flyer in ihren Briefkästen entdeckt. »Freie Stellplätze für Carsharing-Station gesucht« ist darauf zu lesen. Für erfolgreiche Tipps spendiert Scouter einen Einkaufsgutschein. Vor allem auf den Bereich Wilhelmstraße/Liebigstraße hat das Unternehmen ein Auge geworfen, auch für den unteren Aulweg werden Stellplätze gesucht. »Gießen ist derzeit eine unserer im Aufbau befindlichen Städte. Im Gegensatz zu Marburg oder Würzburg haben wir hier noch relativ wenig Stationen, was wir aber in 2019 angehen wollen«, begründet Gehle die Offensive. Außerdem betont die Sprecherin, dass derzeit Gespräche über die Anschaffung von Elektro-Autos geführt würden. Momentan hat Scouter nur konventionelle im Angebot.

 

Carsharing in Gießen: Mazdas am Lidl-Parkplatz

Auch die Stadt Gießen ist vom Carsharing überzeugt. »Es ist aus unserer Sicht ein geeignetes Mittel, um individuelle Mobilität zu ermöglichen. Carsharing wirkt auch entlastend auf Stellplatzbedarf und Schadstoffbelastung«, sagt Bürgermeister Peter Neidel. Da Carsharing-Fahrzeuge aufgrund ihrer höheren Nutzung schneller ausgetauscht würden, kämen verstärkt jüngere Fahrzeuge zum Einsatz, was sich wiederum günstig auf die Abgasbelastung auswirke. »Wir begrüßen es, dass mehr Menschen Carsharing nutzen und unterstützen den Ausbau im Rahmen unserer Möglichkeiten«, betont Neidel.

Neben Scouter haben auch andere Carsharing-Unternehmen Gießen als Markt entdeckt. Am Lidl-Supermarkt an der Grünberger Straße beispielsweise kann man neuerdings dank einer Kooperation mit Mazda ebenfalls auf Autos zurückgreifen. Auch Autovermietungen bieten mitunter interessante Tarife an. Experten gehen ohnehin davon aus, dass der Trend zum Carsharing anhält. Scouter und Co. haben wohl aufs richtige Pferd gesetzt.

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