13. November 2017, 21:12 Uhr

Captain Overdrive bittet zum Tanz

Ein Mini-Festival mit drei Bands im Jokus – das bot den Zuhörern einige Überraschungen. Bis nach Mitternacht gab’s eins auf die Ohren.
13. November 2017, 21:12 Uhr
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Von Axel Cordes
Andreas Jamin und seine Musiker melden sich kraftvoll zurück. (Foto: axc)

Ein bisschen rar gemacht haben sie sich in letzter Zeit, aber dafür meldeten sie sich jetzt umso kraftvoller im heimatlichen Gießen zurück. Jörg Helfrich, Gitarrist von Captain Overdrive, hatte für Samstag traditionsgemäß die befreundete Red Hot Chili Peppers-Coverband Mother’s Milk aus Wettenberg in den Jokus eingeladen und dann den Gießener Newcomer John Ohry dazugebeten.

Mother’s Milk beendeten den Abend weit nach Mitternacht mit ihrem die ganze Karriere der Peppers umspannenden Auftritt vor immer noch vielen verbliebenen Fans. Eröffnet hatte jedoch John Ohry, der vor drei Jahren noch Praktikant im big G-Tonstudio der Kulturinitiative Gießen war und 2016 live durchstartete. Mit Fidel Castro-Bart und schwarzen Streifen im Gesicht präsentierte er gut 45 Minuten lang eine tanzbare Mischung aus Reggae, Soul, Rock und – vor allem in der Ballade »Ocean« – einer guten Portion Gospel.

Der weit nach vorne abgemischte Bassist Brian Schüller, Gitarrist Johnny Rhee und der agile Drummer Joe Ibarra lieferten das professionelle Fundament für Ohrys soulig-warme Stimme. Die Songs der bei Konzerten erhältlichen EP erscheinen nach und nach auf den üblichen digitalen Vertriebskanälen. Ein schöner Auftritt – weit mehr als nur Aufwärmprogramm.

Nach kurzer Umbaupause betreten Captain Overdrive die Bühne und legen nicht mit der gewohnten »Headache«-Fanfare los, sondern mit einem neuen Stück (Arbeitstitel »Die glorreichen Vier«). Gnadenlos präziser, kräftiger Beat von Drummer Holger Schwarzer, warm-melodiös bis metallisch-funky pumpender Bass von Christian Keul, sauber und geschmackvoll reduzierte Gitarrenlicks von Jörg Helfrich, dazu die herrlich gesanglichen Melodien und die bratzenden Ausbrüche von Andreas Jamins Posaune: das begeistert die zahlreichen Fans.

Doch die Band ruht sich nicht auf ihren Lorbeeren aus und präsentiert nicht nur weitere neue Stücke, darunter »New Blood« (Arbeitstitel) mit mehreren Rhythmuswechseln und Reggaeelementen, sondern vor allem zwei Gäste, die schon 2010 beim Bigband-Projekt dabei waren: Hans Kreuzinger (Tenorsax) und Jason Schneider (Trompete). Ab dem zweiten Stück erweitern sie die Band zu glorreichen sechs. Mal spielen die beiden Gäste Harmonien aus, mal präsentiert die Bläserfront die Themen unisono oder mehrstimmig. Gitarrist Jörg Helfrich mit seinem Faible für knappe musikalische Statements muss die Zahl seiner Soli durch die neuen Arrangements noch ein bisschen zurückfahren, während Jamin höchstens in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Er muss seine gewohnten 180-Grad- Posaunenschwenks ein bisschen reduzieren, um die Gästebläser nicht zu erwischen.



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