04. Januar 2017, 19:29 Uhr

Büro, Küche, Supertresor

Seit April 2015 stand das Bundesbank-Gebäude im Wiesecker Weg leer. Nun ist es verkauft worden. Wer hier künftig arbeitet, darf sich auf tolle Büros in einer geheimnisumwitterten Umgebung freuen.
04. Januar 2017, 19:29 Uhr
Ein leichter Schubser genügt, und die mit Sicherheit dickste Tür von Gießen geht wie von Geisterhand bewegt ganz langsam zu. Fast eine Tonne wiegt der Trumm im ersten Stock der früheren Bundesbank im Wie-secker Weg. Dahinter befindet sich der Tresorraum, wo früher Abermillionen Deutsche Mark und später Euro lagerten. Drei Stockwerke hoch ist dieser Supertresor, um den herum die 1997 eröffnete Niederlassung, damals noch der Landeszentralbank, errichtet wurde. Kann man so eine Spezialimmobilie überhaupt weiternutzen? Und ob, sagt Jochen Ahl vom heimischen Unternehmen Imaxx. Mit seinem Kompagnon Peter Rühl hat er die Gesellschaft Bubaxx gegründet, sich am Bieterverfahren der Bundesbank beteiligt, den Zuschlag erhalten und das Gebäude im November gekauft. Am Mittwoch fand die Übergabe statt.
Nutzer gibt es noch nicht, die Vermarktung der hochwertigen Büroflächen läuft jetzt an. »Das war ein spekulativer Kauf«, sagt Ahl, der aber keine Risiken sieht. Die frühere Bundesbank sei »mit die beste Bürofläche in der Stadt« und auch 20 Jahre nach der Eröffnung »noch wie neu«. Die Bundesbank habe das Haus »super in Schuss gehalten«, lobt der Immobilienkaufmann. Was die Imaxx für das repräsentative Haus hingeblättert hat, darüber indes schweigen sich Käufer und der bekanntlich sehr diskrete frühere Eigentümer aus. Angeboten hatte es die Bundesbank für 3,5 Millionen Euro.
Die nackten Zahlen sagen aus, dass sich die 4000 Quadratmeter Nutzfläche auf 3000 Quadratmeter Büros und 1000 Quadratmeter Archivfläche verteilen. Der riesige Tresor ist aus Sicht von Ahl keineswegs ein Vermarktungshindernis, sondern sogar ein Pfund, mit dem die Imaxx, die die Vermarktung übernommen hat, wuchern kann. »Es gibt dort keine Sprinkleranlage. Dort können daher ganz wichtige und wertvolle Dokumente gelagert werden, die nicht nass werden dürfen«, erläutert Ahl. Bis auf die Bereiche mit den drehbaren Sicherheitsschleusen, die früher die Geldtransporteure mit Barem passieren mussten, braucht die Bubaxx wohl kaum etwas ausbauen bzw. verändern. Ahl schwärmt regelrecht über die »zeitlose und sehr repräsentative Büroarchitektur«.

Bis zu 150 Büroarbeitsplätze

Nach den Vorstellungen des neuen Eigentümers könnten hier zum Beispiel bis zu drei Firmen mit jeweils 30 bis 40 Mitarbeitern unterkommen, zu Bundesbankzeiten waren es 70. Bei ganz effizienter Ausnutzung könnten sogar bis zu 150 Büroarbeitsplätze untergebracht werden. »Wenn ein Unternehmen alles braucht, wäre uns das auch recht«, fügt Ahl hinzu und stellt klar: »Für die in Gießen üblichen sieben Euro pro Quadratmeter vermieten wir diese Flächen nicht.«
In der Tiefgarage, die zu dem Objekt gehört, befinden sich 38 Stellplätze, weitere acht stehen draußen am Gebäude zur Verfügung. Das ebenfalls zu dem Komplex gehörende Appartementhaus in zweiter Reihe, in dem sich fünf großzügige Wohnungen befinden, wird weiter als Wohnhaus genutzt; derzeit ist eine Wohnung belegt.
Zuletzt hatte das Gebäude auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Spätsommer 2015 für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte die Bundesbank es dem Land Hessen angeboten, das händeringend nach Unterkünften suchte. Die Filiale war im Frühjahr 2015 im Zuge einer weiteren Einsparwelle der Bundesbank geschlossen worden.

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