13. November 2018, 21:43 Uhr

Feuer in Schützenstraße

Brandstifter bleibt weiter in Psychiatrie

13. November 2018, 21:43 Uhr

Gießen (khn). Die Bewohner des dreistöckigen Hauses an der Schützenstraße hatten Glück im Unglück: Gerade noch rechtzeitig waren sie in jener Mainacht aus ihren Wohnungen evakuiert worden; die Feuerwehr hatte den Brand im zweiten Stock schnell im Griff. Der Verursacher, ein damals 42-jähriger Gießener, musste sich in der Folge vor Gericht verantworten. Das Verfahren endete nun mit dem Beschluss, den Mann weiterhin in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen. Diagnose: Paranoide Schizophrenie.

Am 1. Mai hatten Zeugen gegen 22 Uhr die Polizei angerufen, nachdem sie Flammen in einer Wohnung im zweiten Stock des Mehrfamilienhauses gesehen hatten. Zuvor soll der Mann in seiner Wohnung randaliert haben. Die Feuerwehr konnte den Brand löschen. Die Mehrzahl der etwa 30 Hausbewohner konnte das Gebäude verlassen; einige musste die Feuerwehr über eine Drehleiter retten. Fünf Bewohner erlitten Rauchgasvergiftungen und mussten ins Krankenhaus. Der damals 42-Jährige flüchtete ins Wohnhaus, konnte aber von der Polizei festgenommen werden.

Wut- und Gewaltausbrüche

Seit fast 20 Jahren muss der Gießener mit seiner Krankheit leben; mal ließ er sich freiwillig in eine Psychiatrie einweisen, mal wurde die Einweisung angeordnet. Laut Gutachter würden seine Schübe durch Stress ausgelöst: beim Streit mit der Mutter oder während des abgebrochenen Studiums. Sei er überfordert, neige er immer wieder zu Wut- und Gewaltausbrüchen. Auch ohne seinen jahrzehntelangen Drogenkonsum seien die Schübe aufgetreten, sagte der Gutachter.

Verändert habe er sich, wenn er seine Medikamente abgesetzt habe: er sei dann ungeduldig, angespannt. Weil er die Realität vollends aus den Augen verloren habe, habe er auch jede Art von Vernunft fahren lassen. Zum Tatzeitpunkt, glaubt der Gutachter, sei der Gießener deshalb schuldunfähig. Dem widersprach der Vertreter der Staatsanwaltschaft: Der Gießener habe mit dem Feuer den Tod anderer Bewohner des Hauses in Kauf genommen.

Das Gericht sah das anders und folgte dem Gutachter: Der 43-Jährige habe vielmehr Gegenstände zerstören wollen, aus denen er Stimmen zu hören glaubte: unter anderem sein Smartphone und seinen Computer. Eine Tötungsabsicht habe also nicht vorgelegen, sehr wohl jedoch die schwere Brandstiftung. Nur: Weil er schuldunfähig sei, könne er dafür nicht belangt werden. Deshalb bis auf Weiteres die Unterbringung in einer Psychiatrie.

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