09. Oktober 2018, 11:00 Uhr

Botanischer Garten

Botanischer Garten: Bäume leiden, Bauten im Verzug

Seit 23 Jahren ist Holger Laake Leiter des Botanischen Gartens. Eine Dürre wie in den vergangenen Monaten hat er aber noch nie erlebt. Die Auswirkungen könnten gravierend sein.
09. Oktober 2018, 11:00 Uhr
Holger Laake zeigt es an: Normalerweise steht das Wasser des durch Grundwasser gespeisten Teichs bis hier. (Fotos: Schepp)

Holger Laake blickt auf den kleinen Teich am Rande des Botanischen Gartens. »Normalerweise steht das Wasser bis hier«, sagt der Technische Leiter und zieht mit seiner Hand eine imaginäre Linie etwa einen Meter über dem Boden. Der gesunkene Pegel veranschaulicht, welche Auswirkungen die monatelange Dürre auf den Grundwasserspiegel hat –und somit auch auf die Pflanzen des Gartens. Im Zuge der anstehenden Winterpause – wegen Bauarbeiten wird die Einrichtung bereits am morgigen Mittwoch geschlossen – schaut Laake auf ein schwieriges Jahr zurück. Und auch sein Ausblick auf das kommende ist nicht frei von Sorgen.

Ein milder Winter, dafür aber noch einmal einen harten Kahlfrost Ende Februar, gefolgt von einem Sommer, der bereits im Frühling anfing. Regen? Fehlanzeige, bis auf das Unwetter Ende Mai, das Gießen in ein Katastrophengebiet zu verwandeln schien. »Auch die Pflanzen haben ein turbulentes Jahr hinter uns«, sagt Laake. Den späten Frost hätten sie erfreulicherweise zwar allesamt überlebt, das Unwetter im Mai hätte aber erheblichen Schaden angerichtet.

 

Frost überlebt

Welche Auswirkungen die noch immer andauernde Dürre habe, könne man heute noch nicht abschätzen. »Ob die Bäume die Trockenheit überleben, wird man erst im nächsten Jahr sehen. Wenn sie nicht austreiben, sind sie tot.« Der kräftige, aber kurze Regen der vergangenen Woche könne daran nichts ändern. »Es müsste jetzt einfach eine längere Zeit am Stück regnen.«

Während Laake über das Wetter klagt, dürften die Bauarbeiter, die wenige Meter entfernt zu Werke gehen, froh sein über die Trockenheit . Sie sind gerade dabei, den Kran aufzubauen, um dann die Fundamente für das neue Palmenhaus zu legen. »Parallel werden Leitungen verlegt, vor allem für die Entwässerung. Wenn das abgeschlossen ist, kann der Hochbau beginnen«, sagt Laake.

 

Fertigstellung wohl erst 2020

Für den Botanischen Garten ist es ein Mammutprojekt: Seit letztem Jahr entsteht hier ein Neubau, der eine Gewächshausfläche von 960 Quadratmetern erneuern beziehungsweise ersetzen soll. Die neue Anlage setzt sich aus einem Palmenhaus, das die Grundlage für eine Winternutzung in der Lehre sein soll, einem Warmhaus für tropische und subtropische Pflanzensammlungen sowie einem Victoriahaus für die Präsentation der riesenblättrigen Victoria-Seerose vom Amazonas zusammen. Das bisherige Victoriahaus war in das Warmhaus integriert, nach dem Umbau soll es ein eigenständiges rundes Gebäude werden. Auch Sozial- und Techniktrakt sollen erneuert werden.

Doch nachdem sich bereits der Abriss der alten Gebäude verzögert hatte, verschiebt sich nun auch die Fertigstellung der Neubauten. Statt im kommenden Sommer wird es wohl erst im Frühjahr 2020 soweit sein. Als Grund nennt die Pressestelle der Uni zum einen die Problematik, im Baubereich geeignete Unternehmen zu finden. Zum anderen hätten die Befunde der archäologischen Untersuchung sowie des Kampfmittelräumdiensts abgewartet werden müssen.

Ob alle Bäume die Eröffnung der Gewächshäuser erleben werden, ist ungewiss. Ihr Leben liegt in Petrus’ Händen.

Info

Garten ab Mittwoch geschlossen

Derzeit werden Tiefbauarbeiten im Bereich des Wegesystems durchgeführt. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, bleibt der Garten ab morgen geschlossen. Falls es der Fortgang der Arbeiten erlaubt, soll er zum Ende der Saison vom 19. bis 21. Oktober nochmals geöffnet werden.

 

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