28. Mai 2017, 19:42 Uhr

Botanische Konzerte laufen mit Jubiläumssaison aus

28. Mai 2017, 19:42 Uhr
Lulo Reinhardt (l.) und Gerd Stein. (Foto: jou)

Bevor der erste Ton der aktuellen Saison der beliebten Botanischen Konzerte aus den zwölf Saiten der Künstler erklungen war, verbreitete Susanne Kraus, Kanzlerin der veranstaltenden JLU, in ihrem Grußwort schon die schlechte Nachricht: Die Jubiläumssaison der 1997 von Prof. Ekkehard Jost ins Leben gerufenen Konzertreihe werde die letzte sein, denn ohne den Ende März verstorbenen Spiritus Rector könne es nicht weitergehen. Dass Kraus etwas von der Hoffnung auf weitere Konzerte, »wenn auch in einem anderen Format«, orakelte, spendete wenig Trost.

Der Beginn der 21. Saison war – wen wundert’s bei den hochkarätigen Künstlern und dem Sommerwetter? – wiederum hervorragend besucht. Etliche flohen von der bestuhlten Fläche ohne Sonnenschirme in schattigere Regionen und machten es sich auf mitgebrachten Decken bequem.

Der Lahnsteiner Gitarrist Gerd Stein, Gießener Jazzfans aus vielen Projekten mit seinem Hochschullehrer Jost bekannt, nahm 2009 in Kirchberg eine brillante Live-CD mit seinem Kollegen Lulo Reinhardt aus Koblenz auf, deren Programm auch den Kern des Botanischen Auftritts bildete. 2008 waren sie schon einmal an gleicher Stelle aufgetreten, und Stein war sogar in der ersten Saison 1997 dabei.

Lulo Reinhardt ist ein Großneffe des legendären Django Reinhardt, aber Lulo hat seinen Stil vom »Gypsy Swing« weiterentwickelt und ist musikalisch nun auch in Spanien, Marokko und Lateinamerika unterwegs. Auch Gerd Stein verfügt neben dem Jazz über ein reichhaltiges stilistisches Repertoire, dessen Wurzeln in Spanien, den Kapverden und Brasilien liegen.

Mit Reinhardts »Mar y sol« und Steins »Deep into Green« präsentieren die Saitenkünstler gleich zwei hartnäckige Ohrwürmer, die alle Zuhörer sofort in den Wohlfühlmodus versetzen. Die Soli sind virtuos, sprengen aber nie den Rahmen der Komposition. Mit Steins »Malulo« und Django Reinhardts »Manoir de mes rêves« folgen zwei wunderbar entspannte/entspannende Balladen, letztere mit Scatgesang Steins.

Beide Gitarristen sind, wie es sich für einen strahlenden Sonntagvormittag gehört, bester Stimmung und geben einige Anekdoten mit Einlagen in Koblenzer Platt zum Besten. Quasi in der Auslaufrille von »Sinde engo drom« (Der Weg des Zigeuners) spielt Reinhardt augenzwinkernd das Zithermotiv aus »Der dritte Man« an.

Den offiziellen Schlusspunkt bildet ein rasanter »Mix aus rumänischer Rumba (sic!) und Gypsyswing«, aber die Musiker machen gleich mit der Zugabe weiter, dem letzten von drei Bluesstücken des Morgens, »Blues for B.B. King«. Ein perfekter Sonntagvormittag mit Wehmutstropfen.

Am 11. und 18. Juni sowie am 2. Juli gibt es die weiteren Konzerte der Reihe. Näheres unter www.uni-giessen.de/bot-konzerte.

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