Stadt Gießen

Boom bremst Sozialwohnungsbau in Gießen

400 zusätzliche Sozialwohnungen und Erweiterungen einiger Kitas? Die Pläne der Stadt Gießen sind ins Stocken geraten.
07. Dezember 2018, 14:00 Uhr
Karen Werner
oli_wohnungsbau_071218
Bisher nutzt nur die Wohnbau das Stadt-Förderprogramm zum Bau neuer Sozialwohnungen, zum Beispiel in der Siedlung Margaretenhütte auf der Fläche der ehemaligen Bahn-Pumpstation. (Foto: Schepp)

»Wir brauchen mehr Zeit für die Umsetzung«: Diesen Satz hörten die Stadtverordneten gleich mehrfach am Mittwochabend im Sozialausschuss. Sowohl der Bau von 400 zusätzlichen Sozialwohnungen als auch die Erweiterung einiger Kindertagesstätten stockt, räumten Magistratsvertreterinnen ein. Hintergrund sei der Bauboom, der die Suche nach Firmen erschwert, die Aufträge übernehmen.

Der Magistrat hatte beantragt, die Richtlinie zur Umsetzung des »Gießener Investitionsprogramms Soziales Wohnen« auf unbestimmte Zeit fortzuschreiben. Die Koalition aus SPD, CDU und Grünen bleibt zwar beim Ziel, bis 2022 rund 400 zusätzliche Sozialwohnungen zu errichten und dafür rund acht Millionen Euro an Investitionszuschüssen zur Verfügung zu stellen.

 

Familien-Boom entgegen Prognosen

Seit 2015 sei es allerdings nicht so schnell vorangegangen wie erhofft, räumte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) auf Nachfragen von Michael Janitzki (Linke) ein. Aktuell seien 88 Wohnungen »fest eingeplant«, an einigen Stellen werde bereits gebaut. Insgesamt befänden sich 380 Wohnungen »in unterschiedlichen Phasen der Planung« und könnten »voraussichtlich im Laufe der kommenden zwei bis drei Jahre in die Umsetzung gehen«. Wie berichtet, sind 100 Sozialwohnungen auf dem Motorpool-Gelände geplant.

Erhöht wurde die Maximal-Kaltmiete, die vom Stadtprogramm geförderte Wohnungen kosten dürfen: Von 6,50 auf 6,80 Quadratmeter. Hintergrund seien die steigenden Baukosten, so Grabe-Bolz. Inge Bietz (SPD) ergänzte: Der Landkreis habe zugesagt, dass dieser Quadratmeterpreis – bei passender Wohnungsgröße – für Hartz-IV-Bezieher akzeptiert wird.

 

Nur Wohnbau stellt Anträge

Anträge auf Förderung gestellt habe bisher nur die städtische Wohnbau, bedauerte die OB. Auch das sei ein Grund für den »Verzug«. Private Investoren können ebenfalls Zuschüsse erhalten. Die geplante »Leitstelle soziales Wohnen« sei in Arbeit, auch hier habe sich die Ursprungsplanung verzögert. Dem Magistratsantrag stimmten außer der Linken (Enthaltung) alle Fraktionen zu. Langsamer als wünschenswert komme der Kita-Ausbau an einigen Stellen voran, sagte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich. Die FDP hatte nach den Kapazitäten der Kindertagesstätten Schlangenzahl und Allendorf gefragt. Beide sind im U3-Bereich bis mindestens Herbst 2019 ausgebucht. Offenbar finden Eltern auch nicht immer die gewünschten Betreuungszeiten. Man arbeite an der »bedarfsorientierten Anpassung« des Angebots, heißt es in den Antworten des Magistrats auf die Fragen der Liberalen.

Die waren damit nicht zufrieden. Von einer »totalen Fehlplanung«, die die steigenden Geburtenzahlen ignoriert habe, sprach Manuela Giorgis. Dr. Klaus Dieter Greilich sagte, in Allendorf habe die Stadt geschlafen und zuerst ein Neubaugebiet, dann den Kita-Anbau geplant. Auch beim Neubaugebiet Bergkaserne habe die Stadt zu spät reagiert, meinte Janitzki.

 

Kita an der Bergkaserne geplant

Weigel-Greilich erwiderte, an der Grünberger Straße habe eigentlich die Kirchengemeinde St. Thomas Morus ihre Kita erweitern wollen. Ohne Verschulden der Stadt sei das gescheitert. Nun sei an der Bergkaserne eine Kita geplant.

Es habe Prognosen gegeben, dass die Kinderzahl in Gießen stabil bleibt und dass vor allem Kinderlose vermehrt in die Stadt ziehen, erläuterte die Jugenddezernentin. Dass es anders kam, habe man »schnell gemerkt«. Gießen sei »weiter als andere Kommunen« und habe in etlichen Neubaugebieten »kluge Investorenmodelle gefahren«. Aber: »So schnell bauen, wie man es sich wünscht, das funktioniert eben nicht immer.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Boom-bremst-Sozialwohnungsbau-in-Giessen;art71,525599

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung