02. Juni 2017, 17:40 Uhr

Drummer-Talent

Bis die Drumsticks splittern

Schon als Vierjähriger hat Luca Kraft auf Kochtöpfen getrommelt. Heute ist der 17-jährige Gießener einer der besten Percussionisten seiner Altersstufe.
02. Juni 2017, 17:40 Uhr
Ob am Marimbafon oder am Schlagzeug – Luca Kraft spielt mit Leidenschaft und großem Können. (Foto: Schepp)

Wer in Luca Krafts Jugendzimmer kommt, muss vorsichtig sein. Allzu leicht stößt man gegen glänzende Becken, bauchige Trommeln oder andere Instrumente, die auf engstem Raum neben dem Hochbett beieinanderstehen. Und natürlich sollte man Gehörschutz tragen, denn wenn der 17-Jährige am Schlagzeug loslegt, trifft einen die Lautstärke mit voller Wucht. »Es hat sich aber noch nie ein Nachbar beschwert«, sagt er mit einem Schmunzeln. Kein Wunder, das Haus seiner Eltern liegt ja auch ein wenig abseits an einer kleinen Straße am Heuchelheimer Ortsrand.

Ein Blick in das Zimmer des Liebigschülers und in den angrenzenden Raum, in dem sein zweieinhalb Meter langes Marimbaphon steht, zeigt, dass hier einer mit unbändiger Leidenschaft Musik macht. Wie ungewöhnlich weit diese Passion geht, wird klar, als Luca von seinem Werdegang erzählt. Schon als Elfjähriger wollte er auf das Musikgymnasium Schloss Belvedere in Weimar – und zwar anders als manche der dortigen rund 120 Internatsschüler – komplett auf eigenen Wunsch.

Seine Eltern Susanne und Andreas Kraft erkannten, wie wichtig ihrem Sohn das war und ließen ihn ziehen. Von der sechsten bis zur neunten Klasse besuchte Luca das Internat, absolvierte das normale Schulprogramm und zusätzlich die anspruchsvolle Musikausbildung. »Eine sehr lehrreiche und interessante Zeit. Es war der richtige Schritt«, resümiert er. »Aber die wenigsten halten das von bis zum Ende durch. Man schleppt sich irgendwann nur noch in den Übungsraum«, erinnert er sich. Neben dem obligatorischen Unterricht in Percussion und Klavier, in Gehörbildung, Musiktheorie und den Vorbereitungen auf die halbjährlichen Prüfungen blieb dem Pubertierenden keine Zeit für ein anderes Hobby. Aus dem Wollen wurde ein Müssen. Und außerdem wollte Luca mit zunehmendem Alter eigentlich viel lieber Drumset und mehr Popularmusik spielen.

Und genau das kann der Teenager nach seiner Rückkehr 2015 wieder mit voller Leidenschaft tun. Er spielt in der BigBand der Liebigschule und feilt mit seiner Band Sand of Blood am neuen Album. »Wir machen progressive metal«, erzählt der 17-Jährige. Poster von den Stones oder Johnny Cash in seinem Zimmer offenbaren einen eher ungewöhnlichen Musikgeschmack für einen Jungen seines Alters. »Ich mag nicht so den Kram, der jetzt im Radio läuft, immer nur die gleichen vier Akkorden«, kommentiert Luca, und hat schon Karten für das nächste Konzert mit den Stones. Mit seinen Gitarristen-Freunden Kristjan Iljencarevic und Samir Kanse trifft er sich vorwiegend an den Wochenenden zum Musikmachen. Und da kann eine Session auch schon mal zehn Stunden dauern.

»Im Prinzip übe ich heute mehr als in Weimar«, gibt er zu. Aber Luca ist auch wieder mit Leidenschaft bei der Sache, liebt es mit Klängen zu experimentieren, Songs für das neue Album zu schreiben und einfach nur am Schlagzeug zu sitzen und zu spielen. Davon zeugt auch eine Kiste voller zerborstener, gesplitterter Drumsticks. »So alle zweieinhalb Monate muss ich mir ein Dutzend neue kaufen«, sagt er. Und was passiert mit den vielen kaputten Hölzern? »Die landen schon mal im Kamin«, gibt Luca zu.

Sein Schlagzeug, das gut und gerne vier Quadratmeter Fläche in seinem Zimmer belegt, hat sich der 17-Jährige, der mit fünf Jahren den ersten Schlagzeugunterricht bei Pierre Reinhardt in Wettenberg hatte und als Achtjähriger an einem großen Schlagzeug Platz nahm, von seinem Konfirmationsgeld gekauft. Sechs Jahre hat er darauf gespart. Sein Drumset wird er auch zum Bundesentscheid im Wettbewerb Jugend musiziert am 6. Juni in Paderborn mitnehmen – extra in einem Kleintransporter, damit das komplette Equipment bequem untergebracht werden kann. Wenn er mit seinem Marimbaphon auf Reisen ist, wird das Instrument gar komplett in seine Einzelteile zerlegt, passt dann aber auch in den Kofferraum eines Kombis.

»Es muss alles ganz genau an seinem Ort sein«, weiß der junge Musiker mit Rhythmus im Blut aus Erfahrung, schließlich hat er schon mit seinem Instrument beim Regional- und Landeswettbewerb hohe Punktzahlen und Weiterleitungen zum nächsten Wettbewerb erzielt. Doch ein Sieg ist für ihn nicht oberstes Ziel. »Mir geht es um den Spaß: Ich will wissen, wie mich eine fremde Jury beurteilt, neue Leute kennenlernen und sehen, wie gut andere in meinem Alter sind.

« Doch von Aufregung ist dabei keine Spur: »Ich mache mich nicht verrückt«. Und auch in Sachen Berufsplan ist Luca ganz entspannt. Einen Job in einem Orchester will er nicht: »Da macht man entweder drei Triangelschläge oder man rennt ständig zwischen den Instrumenten hin und her.« Bei der Musik will er aber bleiben, er hofft, mit seiner Band durchzustarten und will nach dem Abi ein Tonmeisterstudium in Detmold aufnehmen – und natürlich weiter Schlagzeug spielen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Johnny Cash
  • Kochtöpfe
  • Leidenschaft
  • Musikausbildung
  • Musiktheorie
  • Percussionisten
  • Popmusik
  • Schlagzeug
  • Gießen
  • Karola Schepp
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos