12. Februar 2019, 11:00 Uhr

Bildungsberatung

Bildungsberatung: Rückenwind für Beruf und Leben

Wer sich beruflich verändern will, steht vor einem Berg an Angeboten. Helfen könnte zum Beispiel die unabhängige Bildungsberatung. Nur: Das kostenfreie Angebot ist noch zu wenig bekannt.
12. Februar 2019, 11:00 Uhr
Die Hessencampus-Berufsberatung richtet sich an alle Menschen, die Orientierung in Fragen zu Bildung und Beruf suchen. (Foto: dpa)

Da wäre zum Beispiel dieser Mittvierziger. Seine Bildungsbiografie spricht auf den ersten Blick nicht unbedingt für ihn: Kein Studium und keine Ausbildung abgeschlossen, von Job zu Job gehangelt, immer unzufrieden mit dem, was er gerade tut. Beim Gespräch mit einer unabhängigen Bildungsberaterin stellte sich aber bei genauerem Hinsehen und -hören heraus, dass er drei Dinge richtig gut kann: Sachverhalte einfach erklären, gut mit Menschen umgehen und handwerklich geschickt sein.

Mittlerweile macht der Mann eine Ausbildung zum Erzieher. »Und seitdem ist er viel selbstbewusster, hat Ziele und Erfolgserlebnisse«, sagt Anja Janetzki. Sie arbeitet bei der Volkshochschule des Landkreises Gießen und ist eine von mehreren Bildungsberatern. Die begleiten im Rahmen des Angebots vom Hessencampus Mittelhessen Menschen bei deren beruflichen und persönlichen Entwicklung.

Wer sich beruflich oder privat verändern will, steht vor einem riesigen Berg an Bildungsangeboten. Das ist auf der einen Seite eine gute Sache, weil es für fast jeden Menschen in fast jeder Lebenslage einen Kurs oder eine Weiterbildung gibt. Nur ist die Bildungslandschaft derart zerfasert, dass es schwer ist, den Überblick zu bewahren. Gerade für Menschen, die bereits mit beiden Beinen im Leben und im Beruf stehen. Hier setzt die Bildungsberatung der zwölf Bildungsträger an, die im Hessencampus Mittelhessen zusammengeschlossenen sind.

Tipps zu Fördermöglichkeiten

Neben Informationen über Fort- und Weiterbildungen erhalten Ratsuchende bei der Bildungsberatung Tipps zu Fördermöglichkeiten. Das Angebot ist kostenfrei, niedrigschwellig und kann auch anonym wahrgenommen werden. Trotzdem ist die Beratung wenig bekannt. Im vergangenen Jahr gab es 750 Beratungstermine – inklusive Gespräche zur Bildungsprämie (siehe Kasten ). Das soll sich nun ändern: Die Koordinatorin des Angebots, Mirjana Krolzik vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, war mit einem Stand auf der Bildungsmesse »Chance« vertreten. Auch die Politik habe das Potenzial erkannt, sagt Birgit Lösch-König von der Volkshochschule der Stadt. Die trage das Angebot künftig in die Quartiere oder in den ländlichen Raum. Ein Grund für das Umdenken: »Der Fachkräftemangel«, sagt Maria Kesselhut von der KVHS-Außenstelle Laubach, »spielt uns in die Karten.«

Wer zu den Bildungsberatern kommt, hat meist schon einen langen Weg hinter sich, ist unzufrieden mit seiner beruflichen und persönlichen Situation – manchmal durchaus nahe am Burnout. »Er hat bereits rechts und links geschaut und sieht in der Beratung eine letzte Chance, etwas zu ändern«, sagt Lesch-König. Oder er kommt vorbei, um die Entscheidung eines Jobwechsels vorzubereiten, sagt Kesselhut. »Welche Fortbildung brauche ich für welchen Arbeitgeber?«

 

Suche nach dem roten Faden

 

Das klingt alles irgendwie nach der Arbeit des Jobcenters – ist es aber definitiv nicht. Denn die Berater der zwölf Bildungsträger – darunter die Universität, die Technische Hochschule, die beiden Volkshochschulen, Berufliche Schulen und das Bildungswerk – können beispielsweise auf ein größeres Netzwerk zurückgreifen. Außerdem müssen sie keine Vermittlungsquoten erfüllen und können sich mehr Zeit nehmen für einen Interessierten. Dann kann ein Beratungsprozess drei bis vier Termine in Anspruch nehmen.

Vielleicht der wichtigste Unterschied: Am Ende muss kein neuer Job stehen, sagt Krolzik. Vielmehr sollen die Interessierten unterstützt, beraten und begleitet werden. Durch ihre Schulung haben die Bildungsberater Methoden und Konzepte für eine erfolgreiche Vermittlung an der Hand. Wichtig sei zum Beispiel, sagt Krolzik, genau zuzuhören und gemeinsam mit dem Ratsuchenden einen roten Faden herauszuarbeiten. »Manchmal fällt den Menschen gar nicht auf, wofür sie wirklich brennen«, sagt sie.

Ein Ziel der Bildungsberatung könne zum Beispiel sein, durch eine Tätigkeit in der Freizeit und gesellschaftliche Anerkennung – im Ehrenamt oder durch künstlerische Arbeit – die Lust auf den Beruf wieder zu steigern. So sollen Bereiche geschaffen werden, in denen die Ratsuchenden stolz sein und Zuversicht entwickeln könnten. Ganz wichtig: Die Entscheidung treffe am Ende nicht der Berater, sondern der Betroffene selbst, betont Krolzik. Kesselhut ergänzt: »Wir können den Menschen nur Rückenwind geben.«

Zusatzinfo

Bildungsgutscheine

Die Berufsberater informieren auch über Bildungsprämien. Beantragt werden können diese von Menschen, die sich beruflich verändern wollen, sich eine Weiterbildung aber nicht leisten können. Gefördert werden berufsbezogene Weiterbildungen – unabhängig vom Arbeitgeber. Der Prämiengutschein – die Hälfte der Veranstaltungsgebühren, maximal 500 Euro – richtet sich an Personen, die mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten, sich in der Eltern- oder Pflegezeit befinden und über ein versteuertes Einkommen von maximal 20 000 Euro (als gemeinsam veranlagte 40 000 Euro) verfügen. Pro Kalenderjahr kann ein Prämiengutschein beantragt werden. 8 Weitere Informationen bei Mirjana Krolzik, E-Mail: krolzik.mirjana@bwhw.de oder unter Telefon 0641/98238-31.

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