24. Oktober 2017, 11:00 Uhr

Pakt für Nachmittag

Bilanz bei "Pakt für den Nachmittag": Mehr Chancen für mehr Kinder

Seit dem Schuljahr 2016/17 gehört die Stadt Gießen als Schulträger dem »Pakt für den Nachmittag« an. Dezernentin Astrid Eibelshäuser zieht Bilanz und erläutert die Chancen für Schulen und Kinder.
24. Oktober 2017, 11:00 Uhr
Hausaufgabenbetreuung – wie hier an der Goetheschule – gehört zum täglichen Angebot beim »Pakt für den Nachmittag«. (Foto: Schepp)

Neuland hat die Stadt Gießen nicht betreten, als sie im Sommer letzten Jahres in den »Pakt für den Nachmittag« aufgenommen wurde. »Grundsätzlich hat sich damals nicht so viel verändert«, blickt Stadträtin Astrid Eibelshäuser im Gespräch mit dieser Zeitung zurück. Als Schulträger habe man lange vor dem Start in den »Pakt« 2016 im Rahmen der ganztägig arbeitenden Schule eine Verzahnung von Grundschule und Schülerbetreuung entwickelt. Die Schuldezernentin sieht in der aktuellen Entwicklung hin zu mehr Ganztag eine »familienpolitische und eine bildungspolitische Dimension«. Insgesamt gebe es mehr Chancen für mehr Kinder.

Was ist der »Pakt für den Nachmittag«?

Er wurde auf Initiative des Kultusministeriums im Schuljahr 2015/16 ins Leben gerufen. In dem Projekt übernehmen in Hessen erstmals Land und Schulträger gemeinsam Verantwortung für ein verlässliches Bildungs- und Betreuungsangebot an Grundschulen und Grundstufen von Förderstufen an fünf Tagen pro Woche von 7.30 bis 17 Uhr und in den Ferien.

Wie viele Schulen in Gießen gehören dem »Pakt« an?

Im vergangenen Schuljahr gab es in der Stadt sechs neue »Pakt«-Schulen: Ludwig-Uhland-, Käthe-Kollwitz-, Sandfeld-, Korczak-, Pestalozzi- und Goetheschule waren beim Start in Gießen dabei.

Wird es weitere Aufnahmen geben und gibt es Schulen, die nicht mehr dem »Pakt« angehören?

Die Stadt spricht mit weiteren »Pakt«-Schulen. Ein Kandidat ist die Weiße Schule, die einen Anbau mit Mensa erhält. Nicht mehr dabei ist die Pestalozzischule, die mit vier Jahrgängen als gebundene Ganztagsschule firmiert. Unterricht bis 15 Uhr wird auch an der Georg-Büchner-Schule (Klassen 1 und 2) angeboten. Pionier des gebundenen Ganztags ist die Grundschule Gießen-West, an der seit vielen Jahren verpflichtender Unterricht bis zum Nachmittag angeboten wird.

Wie viele Grundschüler nehmen prozentual an Ganztagsangeboten teil?

In Gießen liegt die Quote der Kinder im Ganztag bei 65 Prozent. Die Teilnahme an ganztägigen Angeboten umfasst alle Modelle von der reinen Schülerbetreuung bis zum gebundenen Ganztag.

Wie ist die Ganztagsauslastung an den Schulen im »Pakt für den Nachmittag«?

Die liegt zwischen 42 und 77 Prozent. An der Käthe-Kollwitz-Schule nehmen 42 Prozent der Kinder Ganztagsangebote wahr, an der Ludwig-Uhland-Schule sind es 50 Prozent, an der Korczak-Schule 67,5, an Goetheschule 73 und an der Sandfeldschule 77 Prozent.

Wo liegen die größten Vorteile des »Pakts«?

»Die Schulen können in verlässlichen Strukturen Bildungsangebote organisieren«, sagt Eibelshäuser. Die bisherige Einteilung, nach der es vormittags ausschließlich schulische Aufgaben und nachmittags nur Betreuungsangebote gibt, entfällt. Schulen haben mehr Möglichkeiten, den Vormittag durch Bewegungsanteile, freie Arbeitsphasen und Übungszeiten zu gestalten. »Wenn Kinder acht Stunden in der Schule verbringen, brauchen sie mehr als einen Klassenraum«, betont die Stadträtin und nennt Stichworte wie Schulhofgestaltung, Bibliotheksnutzung und Rückzugsräume.

Was ändert sich für Lehrkräfte und Betreuer?

Eibelshäuser hebt das »hohe Engagement« der Kollegien und Schulleitungen hervor, für die durch die neue Tagesstruktur nicht nur ein erhöhter Zeitaufwand entsteht. Auch die Arbeit in »multiprofessionellen Teams« erfordere ein hohes Maß an Organisation und die Verzahnung unterschiedlicher Aufgaben.

Worauf müssen sich Eltern finanziell einstellen?

Bis 16 Uhr ist die Teilnahme am »Pakt« – abgesehen vom finanziellen Beitrag für das Mittagessen – kostenlos. Wer längere Betreuungszeiten braucht, muss eine Gebühr zahlen.

Mit welchen Landesressourcen können Schulen rechnen, die am »Pakt für den Nachmittag« teilnehmen?

»Als Schulträger bringen wir weiter verlässlich unsere Personalressourcen ein«, sagt die Stadträtin. Die Schulen können Mittel für den Ganztag seitens des Landes in Lehrerstunden oder in finanziellen Mitteln in Anspruch nehmen. Dabei sollte mindestens ein Drittel der Ressource in Lehrerstunden und mindestens ein Viertel als Mittel genommen werden. »Das Land wird finanziell nachsteuern müssen«, sagte Eibelshäuser mit Blick auf die steigende Zahl der Ganztagsschüler.

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