Stadt Gießen

Bewährungsstrafe für räuberische Erpressung

Gießen (con). Ein Jahr und zehn Monate Haft – so lautet das Urteil gegen eine 33-Jährige aus Wettenberg wegen schwerer räuberischer Erpressung. Die Haft wird auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
10. Januar 2018, 20:46 Uhr
Constantin Hoppe

Gießen (con). Ein Jahr und zehn Monate Haft – so lautet das Urteil gegen eine 33-Jährige aus Wettenberg wegen schwerer räuberischer Erpressung. Die Haft wird auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Die 33-Jährige hatte am 28. April 2016 gemeinsam mit einem Kumpan einen Mann in seiner Wohnung in der Gießener Weststadt überfallen und mit einem Messer bedroht: »Geld oder Drogen oder wir rufen die Polizei«, soll das Duo gesagt haben. Der Überfallene soll nach Aussage der Angeklagten ein Dealer gewesen sein. Geld rückte er jedoch erst raus, als die beiden damit drohten, die Polizei zu rufen (die GAZ berichtete). Die Beute: ganze 40 Euro. Die Vorwürfe räumte die Angeklagte während der Verhandlung freimütig ein, sagte jedoch auch, sie habe keine Erinnerungen an den Vorfall: Sie habe in dieser Zeit »zu viel getrunken«.

Dealer überfallen

Die 33-Jährige ist schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten: Insgesamt dreizehn Eintragungen wegen Diebstahls, Beleidigungen und Körperverletzungen finden sich in ihrer Akte. Die erste Eintragung stammt von 1999.

Seit sie 13 Jahre alt sei, habe sie regelmäßig Alkohol konsumiert, gab die Angeklagte vor Gericht an – auch in den Schulpausen. Der schon sehr frühe Beginn des Drogenkonsums liegt vermutlich in der Kindheit der 33-Jährigen: Seit ihrem fünften Lebensjahr soll sie von ihren Cousins sexuell missbraucht worden sein.

Jetzt würde sie gerne ihre Lebensführung verändern, denn das Jugendamt hat ihr das Sorgerecht für ihre beiden Kinder entzogen. »Die größte Sorge der Angeklagten ist, ob und wie sie das Sorgerecht zurückbekommen kann«, erklärte Gutachter Dieter Jöckel, Facharzt für Psychiatrie, bei dem Verhandlungstermin am Mittwoch.

Schon mit 13 Alkohol getrunken

Viele Probleme der Angeklagten entstünden aus ihrem Alkohol- und Drogenkonsum sowie ihrer ambivalenten Beziehung zu Männern. »Sie hat Schwierigkeiten, sich von bestimmten Männern abzugrenzen«, erklärte Jöckel. Auch die beiden Kinder der Frau entstammen einer Beziehung zu einem »dissozialen« Mann.

Während der Verhandlung ging es deshalb weniger darum, die Frage nach Schuld oder Unschuld der Angeklagten zu klären, sondern darum, die 33-Jährige auf den richtigen Weg zu bringen: Denn nach dem psychiatrischen Gutachten fehlt ihr vor allem die Struktur in ihrem Leben.

Mit Drogen hat die 33-Jährige nach eigenen Aussagen nichts mehr am Hut, allerdings würde sie manchmal noch viel Alkohol trinken. »In meiner Verwandtschaft sind alle Alkoholiker«, sagte sie vor Gericht. »Egal was in der Familie ist, Alkohol steht immer auf dem Tisch«.

Etliche Auflagen

Deshalb stellte das Gericht die Bewährungsstrafe der Frau unter mehrere Auflagen: Sie muss sich um einen Platz in einer ambulanten Drogentherapie bemühen, regelmäßige Drogenscreenings absolvieren und Gesprächstermine wahrnehmen. Zusätzlich muss sie 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und Kontakt zur Bewährungshilfe herstellen.

»Mit diesen Auflagen sehen wir eine Bewährung als sinnvoll an. Wenn Sie Ihre Kinder wiederhaben wollen, sollten Sie diese Chance wahrnehmen«, erklärte Richter Heiko Söhnel zur Urteilsverkündung. »Aber Sie sollen nicht alleine gelassen werden, sonst könnten Sie wieder abrutschen.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Bewaehrungsstrafe-fuer-raeuberische-Erpressung;art71,373244

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