14. Dezember 2008, 16:02 Uhr

Besonderes schenken, Sinnvolles unterstützen

Gießen (kw). Ton-Krippen aus Peru, fair gehandelt - mosaikumrahmte Spiegel, an der Gießener Nordanlage von sozial Benachteiligten gefertigt - ein Fünfziger-Jahre-Schränkchen, fachgerecht aufgearbeitet ... Die Waren sind oft ungewöhnlich. Die Mitarbeiter sind Ehrenamtliche oder Menschen, die ohne diese Beschäftigung kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.
14. Dezember 2008, 16:02 Uhr
Was wird noch in Gießen hergestellt? Zum Beispiel Schmuck und Mosaik-Kunst (Initiative für Jugendberufsbildung), Seidenmalerei (Lebenhilfe) und Holzarbeiten (Jugendwerkstatt), die auf dem Weihnachtsmarkt zu haben sind; hier präsentiert von Olga Heldebrand (vorn) und Karin Kankilic von der IJB. Faire Preise für ihre Erzeugnisse bekommen die Menschen in Indien, die die im Weltladen erhältlichen Weihnachtskugeln herstellen (Bild unten mit der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Hedwig Steil). (Fotos: Schepp)

Wenn es überhaupt einen Gewinn gibt, fließt er in gemeinnützige Vorhaben. Beim Einkaufen sinnvolle Initiativen unterstützen und dabei auch noch Geschenke abseits der Ladenketten-Artikel finden: das kann man in Gießen nicht nur zur Weihnachtszeit. Die ideell tätigen Vereine und ihr Angebot rücken im Advent aber besonders in den Blickpunkt.

»In den letzten sechs bis acht Wochen des Jahres machen wir so viel Umsatz wie im ganzen restlichen Jahr«, erzählt Ilse Staude, Gründerin des Weltladens und Vorsitzende des Trägervereins »Solidarische Welt«. Das »Urgestein« der ehrenamtlich betriebenen Geschäfte in Gießen in der Bismarckstraße 9 hat im Advent auch montags und donnerstags geöffnet - das ist sonst nicht möglich, weil Helfer fehlen (Interessenten können sich im Laden melden). Faire Preise zahlen für Erzeugnisse, die in armen Ländern unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden: Diese Idee passe zur Weihnachtsbotschaft - und das bewege viele Menschen mehr oder weniger bewusst zum Einkauf im Weltladen, meint die Pfarrerin Ilse Staude.

Dass auch das Angebot überzeugend ist, kann die langjährige Mitarbeiterin Hedwig Steil beim Rundgang belegen. Von der reich bestickten Tasche über Jute-Baumschmuck bis zur gefüllten Gewürzmühle - vieles scheint für den Gabentisch geschaffen. Das gute Gewissen beim Kaufen macht für viele Kunden den mitunter etwas höheren Preis wett, erzählt Hedwig Steil. »Gerade jetzt, wo über die Finanzkrise geredet wird, sagen viele: Wir müssen etwas tun.«

Während der Weltladen die Besetzung eines Standes personell nicht bewältigen kann, ist der Weihnachtsmarkt für andere Initiativen eine der wichtigsten Werbemöglichkeiten überhaupt. Ein Schwerpunkt ist dabei der Kirchenplatz, wo - so erläutert Pfarrer Klaus Weißgerber von der Evangelischen Stadtkirchenarbeit - unter anderem Schulen und Gruppen aus Kirchengemeinden ihre Erzeugnisse verkaufen. Die Vereine Jugendwerkstatt und Initiative für Jugendberufsbildung (IJB) präsentieren vor allem Produkte, die in ihren eigenen Werkstätten entstanden sind. Holz-Schlüsselbretter und Topfuntersetzer hier, mosaikumrahmte Spiegel und Perlenschmuck da - dass das Angebot keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu dem des jeweiligen Nachbarn darstellt, ist kein Zufall. Schließlich stimmen die Beschäftigungsträger sich auch sonst miteinander ab, zumal beide Vereine das ganze Jahr über eigene Läden unterhalten.

Die Konzepte sind einander ähnlich. Im Vordergrund stehen Beschäftigungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für junge Menschen in Herstellung und Verkauf. Zugleich können Bedürftige günstig einkaufen - nämlich Fahrräder, Möbel und aufgepeppte Kleidung (in Zusammenarbeit mit dem Textilbündnis, das auch im Weltladen präsent ist) im Jugendwerkstatt-Kaufhaus »Brauchbar« im Alten Krofdorfer Weg 4 sowie Vortags-Gebäck, Baustoffe, Kunsthandwerk und Second-Hand-Kinderkleidung in den IJB-Läden an der Nordanlage 33.

Den Weihnachtsmarkt nutzten manche, um am IJB-Stand »im großen Stil Geschenke zu besorgen und dabei gezielt etwas für den guten Zweck zu tun«, berichtet Geschäftsführerin Annette Maiwald-Boehm. Wolfgang Balser, Zweiter Vorsitzender der Jugendwerkstatt, kennt etliche Kunden, für die neben den niedrigen Preisen auch die sinnvolle Wiederverwertung von Gebrauchtem eine Rolle spielt. »Sie sagen aus ökologischer Verantwortung heraus: Das Rad oder die Jacke muss nicht unbedingt neu sein. « Und mancher stöbert bei »Brauchbar« immer wieder nach alten Möbeln, Fünfziger-Jahre-Geschirr oder Büchern, die man nicht überall bekommt - schließlich verändert sich das Angebot ständig.

Unikate bietet auch die Lebenshilfe an ihrem traditionellen Weihnachtsmarkt-Stand in der Fußgängerzone. Neben Seidentücher und -bildern, die psychisch Behinderte in der Galerie »Silk and Art« entwerfen, kann die Kreisvereinigung auch auf Kunsthandwerk von Eltern und anderen Helfern bauen, erzählt Hanno Sprösser, Leiter der Gießener Reha-Werkstatt. Der Verkauf an sich sei zweitrangig; doch mit den schönen Produkten könne man Menschen für die Arbeit der Lebenshilfe begeistern. »Der eine oder andere kommt dadurch auf den Gedanken: Meine Firma könnte so einer Werkstatt vielleicht auch einmal einen Auftrag erteilen.«

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