15. August 2017, 20:04 Uhr

Beseelte Interpretationen

15. August 2017, 20:04 Uhr
Johannes Becker (l.), Sigrun Busch und Michael Brauer beim Schlussapplaus. (jou)

Gießen (jou). Kammermusikalischen Kostbarkeiten widmete sich das Trio Michael Brauer (Tenor), Sigrun Busch (Flöte) und Johannes Becker (Klavier) in der Vitos-Kapelle. Dabei lagen den Musikern gleichermaßen barocke wie romantische Kompositionen. Herzerwärmend wirkte eingangs die Arie »Erschüttre dich nur nicht, verzagte Seele« aus Johann Sebastian Bachs Kantate »Was Gott tut, das ist wohlgetan«. Reizvoll umspielte die Flötenmelodie den Gesang. Es gefiel der einfühlsame Vortrag; Brauer sang mit inniger Empfindung und wurde von Busch und Becker versiert unterstützt.

Hohen interpretatorischen Anspruch kennzeichnete auch Bachs Flötensonate h-Moll, dies offenbarte sich schon beim umfangreichen Andante-Kopfsatz. Mit feiner Ader förderten Busch und Becker den komplexen Aufbau zutage. Flöte und Klavier waren motivisch-thematisch eng miteinander verwoben und traten in intensive Dialoge. Edle Anmut verströmte die vom Ausdruck klare und reine Flötenmelodie im Largo. Beim Presto-Finale zeigte sich die polyphone Struktur in ihrem ganzen Finessenreichtum.

In die Romantik führte Camille Saint Saëns Lied »Une flûte invisible« nach einem Gedicht von Victor Hugo. Darin lenkte das Trio sein Augenmerk wieder auf runde Gestaltung und unterstrich die ruhige Stimmung.

Besonders faszinierten zum Schluss Klavierlieder von Hugo Wolf zu Gedichten von Eduard Mörike. In »Der Genesene an die Hoffnung« hat der Geheilte an viele Götter gedacht, aber nicht an die Hoffnung. Nach dem tiefernsten Beginn steigerten Brauer und Becker die Tonstärke fließend bis zum befreienden Vers »bis der Sieg gewonnen hieß«. Überhaupt schien die dynamische Gestaltung durchdacht; ausgefeilt schlug das Duo die Spannungsbögen.

Insgesamt begeisterte die sängerische Klasse des Tenors ebenso wie die vorzügliche Begleitung des Pianisten. Dies bestätigte sich beim unbekümmerten Wanderlied »Fußreise« oder beim sehnsüchtigen Stück »Im Frühling« und weiteren Vertonungen. Das Duo vermittelte mit untrüglichem poetischem Gespür, mit welch gezieltem, aufs Wesentliche konzentriertem Einsatz der Mittel Wolf die Texte musikalisch ausdeutet. Einen dramatischen Höhepunkt markierte in der kraftvollen Interpretation die auf einer Sage basierende Komposition »Der Feuerreiter«. Gerade hier, wo vieles mysteriös bleibt, vermochte das Duo in hohem Maße die Fantasie der Hörer anzuregen. Das Konzert klang aus mit dem spöttischen »Abschied«. Für den kräftigen Beifall dankten die Künstler mit Georg Friedrich Händels Arie »Meine Seele hört im Sehen« als Zugabe.

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