19. Juli 2017, 19:58 Uhr

Begegnung wichtiger als Leistung

19. Juli 2017, 19:58 Uhr
Ein Tag im Zeichen der Integration: Studierende und Flüchtlinge spielen in gemischten Teams zusammen Fuß- und Volleyball. (Foto: jri)

Gießen (jri). »Auf geht’s«, »Yeahhhh«, »Come on« schallt es laut über die Fußball- und Beachvolleyballfelder am Sport-Campus Kugelberg. Der Schweiß fließt in Strömen bei über 35 Grad am Mittwoch. Doch die Stimmung ist noch blendender als die Sonne am Himmel. Gut gelaunt dribbeln, tricksen, pritschen und baggern 50 junge Flüchtlinge – darunter auch zehn Frauen – sowie 30 Studenten spielerisch in sechs gemischten Teams um die Wette. Sie machen mit beim »1. Come Together-Cup 2017«. Organisiert wird dieses Event, das der Integration dient, vom Institut für Sportwissenschaft um Prof. Michael Mutz und vom Regierungspräsidium Gießen.

»Ich liebe Fußball. Ich freue mich, hier zu sein und mitspielen zu können«, sagt der 19-jährige Momodou Lamin Sabally aus Gambia, der gerade erst nach Deutschland geflohen ist und für den es hier auch als Afrikaner »sehr heiß« ist. Und für die 23-jährige Samira aus Eritrea, die seit drei Monaten in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Rödgener Straße lebt und gerne Volleyball spielt, ist der Aktionstag »eine schöne Abwechslung vom Alltag«. Die persönlichen Schicksale der geflüchteten jungen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Algerien, Marokko und vielen anderen Ländern stehen an diesem Tag aber nicht im Vordergrund. Vielmehr geht es um Begegnung, Geselligkeit, Spaß und Sport. »Ich habe sofort spontan mitmachen wollen bei diesem Aktionstag. Das ist auch für mich eine kleine Flucht aus dem Alltag«, sagt Christian Allmann (28), der Mathematik und Sport studiert.

Um sich besser kennenzulernen, überlegen sich die Teams – die ausgelost wurden – gemeinsam einen Namen und üben kleine Jubel-Zeremonien ein. Dann geht das Turnier los: Jeder gegen jeden – sowohl im Fußball als auch im Volleyball. Im Vordergrund steht die Kommunikation, nicht der Wettkampfcharakter, auch wenn Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich am Ende ein Siegerteam küren wird.

Nia Künzer auch dabei

Prominenz ist ebenfalls dabei: Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer (die beim hessischen Innenministerium arbeitet und derzeit an das Regierungspräsidium Gießen abgeordnet ist) und die fünffache Torschützenkönigin der Handball-Bundesliga, Monika Ludmilová (die als stellvertretende Leiterin der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Rödgener Straße arbeitet). Die beiden ehemaligen Spitzensportlerinnen verstärken die Volleyballteams.

»Das Regierungspräsidium stellt zahlreiche Angebote für Flüchtlinge auf die Beine, wir können das wissenschaftlich begleiten. Mit dem Come-Together-Tag wollten wir aktiv eine Struktur schaffen, bei der Flüchtlinge nicht nur unter sich spielen«, erklärt Sport-Sozialwissenschaftler Prof. Michael Mutz. »Die Nähe zwischen der Erstaufnahmeeinrichtung in der Rödgener Straße und dem Sportinstitut ist ja schon räumlich gegeben, von daher liegt es nahe, dass das Sportinstitut auch etwas gemeinsam mit den Flüchtlingen macht«, sagt Nia Künzer, die einst selbst in Gießen Sport studierte. Und Ralf Stettner, Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung und der Abteilung für Flüchtlingsangelegenheiten beim Regierungspräsidium, sowie Prof. Heinz Zielinski, Vorsitzender des Sportkreises Gießen und Vizepräsident des Landessportbundes Hessen, betonen, dass Sport ein ganz wichtiger Faktor für Integration sei. Eine Wiederholung des geglückten Aktionstages ist somit nicht ausgeschlossen.

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