26. Juli 2018, 21:51 Uhr

Baumeister im Hintergrund

Von Grundsteinlegung zu Richtfest und Einweihung geeilt ist die Stadtredaktion in den letzten Wochen des Sommersemesters: Es sind gewaltige Summen, die seit einigen Jahren an den beiden Gießener Hochschulen verbaut werden. Die Betonung liegt auf »an«, denn federführend bei diesen Großprojekten sind nicht JLU und THM, sondern eine Institution namens LBIH.
26. Juli 2018, 21:51 Uhr
Der neue LBIH-Leiter Stefan Diehl (l.) mit Vorgänger Friedhelm Dorndorf. (Foto: mö)

Die Biomedizin und die Neue Chemie, das sind Tanker, oder doch vielleicht besser Kreuzfahrtschiffe. Bei Friedhelm Dorndorf hört man den Stolz heraus, wenn er über den spektakulären und farbenfrohen Fünf-Finger-Bau an der Schubertstraße oder das Institutsgebäude am Leihgesterner Weg spricht. Öffentlich tun das führende Mitarbeiter des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen eher selten. Wenn Spatenstiche, Grundsteinlegungen, Richtfeste oder Einweihungen von Bauten des Landes Hessen gefeiert werden, stehen die Vertreter des LBIH meistens hinter den Präsidenten und den Kommunalpolitikern in der dritten Reihe. »Wir arbeiten gerne im Hintergrund«, sagt LBIH-Sprecher Alexander Hoffmann.

Mitte Juni zog mit Stefan Diehl ein neuer Chef ins frühere Staatsbauamt am Leihgesterner Weg ein und löste den kommissarischen Leiter Friedhelm Dorndorf ab. Ein guter Zeitpunkt, um den »zentralen Dienstleister« des Landes Hessen als dem mit Abstand größten Bauherren in der Region einmal vorzustellen. Die beginnt mit der überraschenden Information, dass die »Niederlassung Mitte« mit Sitz in Gießen die gegenwärtig größte der sechs LBIH-Dependancen in Hessen ist. 450 Mitarbeiter sind an den sechs Standorten in Weilburg, Bad Nauheim, Friedberg, Marburg und Gießen beschäftigt, am Niederlassungssitz verteilt auf den Leihgesterner Weg, den Aulweg und den Erdkauter Weg. Die Größe habe auch etwas damit zu tun, dass die zentrale Vergabestelle des Landes Hessen der Niederlassung zugeordnet und ihr Betreuungsgebiet sehr umfangreich ist. Zudem habe sich der Schwerpunkt des Hochschulausbauprogramms HEUREKA »von Frankfurt nach hier verlagert hat«, erläutert Dorndorf, der seit vielen Jahren die Projekte an JLU und THM betreut.

750 Millionen Euro für Gießen

Die Summen sind zwar hinlänglich bekannt, aber immer wieder beeindruckend: Allein aus HEUREKA I pumpt Wiesbaden rund 750 Millionen Euro nach Gießen, davon gehen gut 620 Mio. an die Justus-Liebig-Universität und knapp 130 Mio, an die Technische Hochschule Mittelhessen. Geld, das erst einmal verplant und verbaut sein will. In Gießen ist das dem LBIH augenscheinlich bislang ganz gut gelungen, aber der allgemeine Bauboom bereitet dem Landesbetrieb auch Probleme, erklärt der neue Leiter Stefan Diehl, der aus dem Finanzministerium kommt. Die Zahl der Angebote von Baufirmen nach Ausschreibungen könnte höher sein, die Baupreise ziehen stetig an, zudem wetteifert der LBIH mit der privaten Bauwirtschaft um Fachkräfte wie Architekten, Ingenieure, Bauzeichner, Immobilienkaufleute oder Bauhandwerker. Argumentiert wird mit dem Reiz der Projekte. »Wir bauen keine Reihenhäuser. Unsere Gebäude sind technisch komplex, haben eine gesellschaftliche Relevanz und sind oft stadtbildprägend«, sagt LBIH-Sprecher Hoffmann.

Wer Hochschulbauten plant und errichtet, der findet in der Öffentlichkeit in der Regel eher Zustimmung, während die Kommunalpolitiker für ihre Projekte oft streiten und kämpfen müssen. Im Fall der baulichen Neuordnung der JLU-Geisteswissenschaften war es indes ein LBIH-Mitarbeiter, der bei einer Bürgerversammlung die schlechte Nachricht verkünden musste, dass die Rathenaustraße ab dem kommenden Herbst für 16 Monate gesperrt werden muss. Der »Campus der Zukunft« ist das momentan größte Gießener Bauvorhaben, mit dem der LBIH befasst ist. Die Zusammenarbeit mit den Planern der Universität und der Stadt funktioniert, sagt Dorndorf und stellt selbstbewusst fest: »Wir haben als LBIH hessenweit hier ein gutes Standing bei den Hochschulen.«

Ganz eng gestaltet sich die Zusammenarbeit gegenwärtig beim Ausbau des THM-Fachbereichs Bauwesen an der Ecke Südanlage/Bismarckstraße. Die Einbeziehung der angehenden Architekten und Stadtplaner durch den Landesbetrieb hat einen Hintergedanken. »Auch das ist eine Möglichkeit, an Nachwuchskräfte zu kommen«, sagt Niederlassungsleiter Diehl.

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