13. Mai 2019, 21:51 Uhr

Band ohne Band begeistert

13. Mai 2019, 21:51 Uhr
Naturally 7 bezaubern a cappella ihr Publikum. (Foto: bf)

Schon nach den ersten Minuten, nachdem die sieben Jungs aus New York die Bühne betreten, ist im Publikum absolute Begeisterung zu spüren. Der Schein von sieben Taschenlampen dringt durch die Dunkelheit und es erklingt ein »Is there anybody out there?« in die Stille, den das Publikum wärmstens erwidert. Und schon stimmt Naturally 7 den ersten Klassiker »In the Air tonight« von Phil Collins an.

Stimmen imitieren Instrumente

Die Faszination, dass das Septett nicht nur a-cappella singt, sondern auch klingt, als hätte es eine komplette Band im Hintergrund, ist den Zuschauern anzusehen. Die Brüder Roger und Warren Thomas, Rod Elridge, Garfield Buckley, Ricky Cort, Dwight Stewart und »Kelz« Mitchel bezeichnen das, was sie tun, als »Vocal-Play«. Sie »spielen« mit ihren Stimmen, mit Präzision, imitieren Instrumente, tanzen, scratchen die Scheiben wie in den 90ern und haben Spaß dabei. Das sieht und spürt man, zum Beispiel, wenn Ricky Cort mit »My guitar gently weeps« seine unsichtbare E-Gitarre zum Weinen bringt oder Warren Thomas ein ganzes Schlagzeugset vocal vibrieren lässt.

Naturally 7 unterscheidet sich komplett von anderen A-cappella-Formationen. Sie spielen stimmlich in einer anderen Liga. Ins Leben gerufen wurde die Vocal-Band bereits im Jahr 1999 von Roger Thomas, eigentlich aus einer Notsituation heraus. Sein Bruder Warren wünschte sich als Kind ein Schlagzeug, aber seine Mutter fand das zu laut. Also begann er, das Schlagzeug mit seiner Stimme zu imitieren und wurde Beatboxer. Weitere Musiker kamen dazu, die die Leidenschaft teilten, ihre Instrumente mit der Stimme in Szene zu setzen. Mal ist es R’n’B, Soul, HipHop, mal Rap, Pop, Reggae, Rock und natürlich auch Gospel. Mit »Jericho - Break these walls« zeigen sie auf zwei Leinwänden in Videosequenzen Ausschnitte zum Mauerfall 1989 in Berlin oder auch die aktuelle Situation an der mexikanischen Grenze. Sie sind politisch in ihren Texten und auch wieder ganz privat, wie im Song »Going home«, allesamt Familienmenschen.

Das zweite Set ist sehr persönlich, Roger Thomas stellt jeden einzelnen Musiker und ihre Leidenschaften vor, erzählt, wie er als 12-Jähriger mit seiner Familie von England nach New York kam, der passende Übergang zu »English Man in New York« von Sting. Ihre Wurzeln haben sie allesamt in Jamaika, daher auch der Bezug zum Reggae. Der Folksong »Rivers of Babylon und »One Love« von Bob Marley hält das Publikum nicht mehr auf den Stühlen. Minutenlang gibt es Standing Ovations, ein Geschenk vom Publikum an die Musiker, die sich gerührt bedanken. Mit »Say you love me« beweist Dwight Stewart seine Fähigkeit eigene Songs zu schreiben, bevor sie mit »Fix you« von Coldplay nach zwei Stunden die Show sehr emotional beenden. Aber das Publikum lässt sie nicht gehen, klatscht bis das Licht wieder angeht.

Eng aneinander stehend präsentieren sie bei ihrer ersten Zugabe ganz leise ein wunderschönes Medley von Simon & Garfunkel, den »Sound of Silence«, ganz ohne Mikrofon, um dann nochmal mit »You’re the Voice« von John Farnham einen bombastischen Abgang hinzulegen und das Publikum danach in die Eingangshalle zum »Meet and Greet« und einer warmen Umarmung einzuladen.

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