08. März 2019, 22:11 Uhr

Bald erste deutsche Frau im All

08. März 2019, 22:11 Uhr
Den Soroptimist-Deutschland-Preis übergibt SI-Präsidentin Gabriele Zorn (r.) an Claudia Kessler. (Foto: pd)

Alexander Gerst lebte bis Ende 2018 gut ein halbes Jahr an Bord der Raumstation ISS. Ulf Merbold war als einziger Deutscher dreimal im All. Elf deutsche Männer haben bisher den Weltraum erkundet. Deutsche Frauen im All? Fehlanzeige. Das sollte sich ändern, findet Claudia Kessler. Die Diplom-Ingenieurin der Luft- und Raumfahrt ist Initiatorin der Stiftung »Erste deutsche Astronautin«. Am Freitag erhielt sie in der Aula der Justus-Liebig-Universität den Soroptimist-Deutschland-Preis. Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre vergeben für Projekte, die sich um die Stellung der Frau in Deutschland verdient machen.

Sie selbst habe immer Astronautin werden wollen, sagte Kessler am Weltfrauentag im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Live-Übertragung der ersten Mondlandung des Amerikaners Neil Armstrong war nach eigenen Angaben die Initialzündung der damals Vierjährigen. »Aber ich war immer zur falschen Zeit im falschen Alter.« Das hinderte die mittlerweile 54-jährige Ingenieurin aber nicht daran, sich grundsätzlich dafür stark zu machen, dass demnächst die erste deutsche Frau ins All startet.

Etwa zehn Prozent der rund 560 Amerikaner im Weltraum waren Frauen. Und auch in Europa gab es bereits Frauen im All: Eine Engländerin, eine Französin und eine Italienerin. »Aber eben noch keine Deutsche«, ergänzte die Preisträgerin. Das wird sich dank ihrer Initiative spätestens 2020 ändern. Vor drei Jahren hat sie ein Auswahlverfahren für potenzielle Astronautinnen gestartet. Nach dem Aufruf haben sich rund 400 Bewerberinnen gemeldet, hauptsächlich Ingenieurinnen, Pilotinnen, Wissenschaftlerinnen. Nach einem gründlichen Verfahren sind Dr. Suzanna Randall und Dr. Insa Thiele-Eich als Astronautin-Trainees ausgewählt worden. Sie bereiten sich derzeit auf künftige Aufgaben in der Raumfahrt vor. Eine der beiden soll 2020 zur Raumstation ISS fahren. Die erste deutsche Astronautin wird als Forscherin an einem wissenschaftlichen Programm mit dem Titel »Das Verhalten des Körpers der Frau im All« beteiligt sein. Gegenstand der Untersuchungen sind unter anderem Themen wie Osteoporose, Herz-Kreislauf-System, Hormonhaushalt und Gleichgewichtssinn. »Wir hoffen für unser Projekt auf eine Förderung der Bundesregierung«, unterstrich Kessler.

Zumindest als Schirmherrin konnte bei der Feierstunde am Freitag ein Mitglied des Bundeskabinetts gewonnen werden. »Greift nach den Sternen, ihr könnt das!« rief Franziska Giffey per Videobotschaft den überwiegend weiblichen Gästen zu. Die Bundesfamilienministerin unterstrich, dass »Frauen alles können. Das ist Fakt und Forderung zugleich.« Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz beglückwünschte die Soroptimistinnen zur Wahl der Preisträgerin. »Claudia Kessler macht Frauen und Mädchen Mut, den Einstieg in technische Berufe zu finden.«

Genau darum geht es auch Soroptimist International (SI), bekräftigte Gabriele Zorn. Die Vertreterin des heimischen Serviceclubs ist bis September Präsidentin von SI Deutschland. »Wir wollen die Begeisterung von Mädchen und Frauen für MINT-Fächer und technische Berufe wecken und fördern«, sagte Zorn. Häufig fehle trotz des vorhandenen Interesses die Unterstützung seitens Familie und Schule.

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