15. März 2011, 20:30 Uhr

Bänninger: Betriebsräte warnen vor Großmarkt

Gießen (mö). Die Betriebsräte der am Standort Gießen vertretenen Unternehmen Real, Toom und Rewe schlagen Alarm. Mit der Ansiedlung eines weiteren großen Lebensmittelmarkts des Unternehmens Edeka auf der Industriebrache Bänninger werde das ohnehin schon sehr labile »Gebilde Lebensmitteleinzelhandel in Gießen zum Einstürzen gebracht«, heißt es in einem Positionspapier, das die Betriebsräte Manfred Eppelmann (Real), Sieglinde Michen (Toom), Thomas Krautwurst (Real), Helmut Appel (Rewe) sowie Joachim Haucke, Sekretär Handel der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, am Dienstag der heimischen Presse vorstellten.
15. März 2011, 20:30 Uhr

Ausgehend von dem Befund, dass sich durch die Ausweisung von immer mehr Verkaufsfläche der Wettbewerbsdruck schon jetzt einen »kritischen Punkt« überschritten habe, müsse man bezüglich des Gießener Lebensmittelhandels, der auch durch Ansiedlungen im Umland unter Druck geraten sei, von einer wirtschaftlich sehr instabilen Lage« sprechen. Laut Gewerkschaftssekretär Haucke bewegen sich die Gießener Märkte, und zwar nicht nur der genannten Ketten, schon jetzt in den unternehmensinternen Rankings »im unteren Drittel«. Bei ihnen handele es sich um sogenannte »Beobachtungsfilialen«, die an der »Grenze der Wirtschaftlichkeit« operierten, erläuterte Haucke.

Nach Erwartung der Betriebsräte werde es nach der Ansiedlung des 4000 Quadratmeter großen Edeka-Marktes nicht sogleich zu Schließungen kommen. Beschäftigtenvertreter Krautwurst: »Standorte werden sicherlich nicht aufgegeben, aber das wird voll auf die Knochen der Mitarbeiter gehen.« Konkret rechnen die Betriebsräte mit dem Abbau von Arbeitsplätzen und der Umwandlung bislang sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse in 400-Euro-Jobs. Umsatzverluste, wie sie das Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung prognostiziere, kostenen bei einer Größenordnung von einer halben Million Euro etwa acht Arbeitsplätze. Unterm Strich, so Haucke, werde die Marktansiedlung auf dem Bänninger-Gelände weit mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vernichten als sie schaffe. Denn man müsse sich auch genau die »Qualität der Arbeitsplätze« anschauen.

Appel, der bei Ver.di Mittelhessen Vorsitzender des Fachbereichs Handel ist, zeigte sich enttäuscht über die Haltung der Gießener BIDs. Die hätten mit der Stadtpolitik und den Bänninger-Investoren offensichtlich einen »Waffenstillstand« und »Burgfrieden« abgeschlossen. Dabei müsse sich doch auch der City-Handel vergegenwärtigen, dass es in der Innenstadt schon jetzt 30 Leerstände und eine schwächelnde Galerie Neustädter Tor gebe. Appel: »Noch lehnt sich die Innenstadt zurück, weil sie glaubt, es betrifft sie nicht.« Mit Blick auf die geplante Ansiedlung einer großen Intersport-Filiale, die auf 4000 Quadratmeter Textil und Schuhe anbieten werde, meldete Appel Zweifel an, ob sich der Innenstadthandel eine derartige Zurückhaltung leisten könne.

Gewerkschaftssekretär Haucke wiederum forderte von der Politik mehr ansiedlungspolitische Fantasie und Geduld ein, statt sich den »mörderischen Wettbewerb« in der Lebensmittelbranche zunutze zu machen, um Probleme mit Brachflächen schnell lösen zu können. Warum sei es keine Überlegung wert, auf dem in der Nähe zu den Naturwissenschaften der Universität gelegenen Bänninger-Gelände ein Gründerzentrum anzusiedeln, fragte Haucke und fügte hinzu: »Stabilisierende Maßnahmen durch Gewerbe- und Wohnansiedlungen sind das Gebot der Stunde. In Gießen muss erst einmal wieder zusätzliche Kaufkraft statt immer neuer Verkaufsfläche geschaffen werden.«

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