02. September 2018, 11:00 Uhr

Wohngebiet Bergkaserne

Autoarmes Wohnen: Stadt Gießen räumt Fehlplanung ein

Eine Bürgerinitiative und die Opposition hatten den Magistrat gewarnt. Nun muss die Stadt einräumen: Das Konzept mit dem autoarmen Wohnen in der früheren Bergkaserne geht nicht auf.
02. September 2018, 11:00 Uhr
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Von Burkhard Möller , 6 Kommentare
Provisorische Parkplätze des autoreduzierten Wohnquartiers. (Foto: mö)

Diese Aussage von Planungsdezernent Peter Neidel (CDU) am Donnerstagabend im Stadtparlament ließ aufhorchen: Vier Jahre nach der Debatte um die Planung für das große Wohngebiet in der Bergkaserne muss sich die Stadt eingestehen, dass teilweise am Bedarf vorbeigeplant wurde. »In Übereinstimmung mit dem Investor ist festzustellen, dass das ›autoreduzierte Wohnen‹ wie vorgesehen nicht funktioniert«, antwortete Neidel auf eine Anfrage des Stadtverordneten Michael Janitzki.

Anlass ist eine Umplanung, die ein Baufeld Richtung Grünberger Straße betrifft. Statt Reihenhäusern entstehen dort nun Mehrfamilienhäuser mit zwölf zusätzlichen Wohnungen. Dort gilt laut Neidel – die Bergkasernen-Planung stammt von seiner Vorgängerin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) – nun der normale Stellplatzschlüssel von 1,5 Parkplätzen pro Wohnung und kein reduzierter mehr (ein Stellplatz).

Umsetzung  nicht geregelt

Seine Aussage, wonach das Konzept mit dem autoreduzierten Wohnen nicht aufgeht, bezeichnete Lutz Hiestermann, Vorsitzender des Vereins Lebenswertes Gießen, der auf der Zuschauertribüne saß, als »Hammer«. Denn der Verein und die Opposition (Linke und CDU) hatten in der Planungsphase davor gewarnt, das autoreduzierte Wohnen einfach nur anzubieten ohne die Umsetzung zu regeln bzw. zu kontrollieren. Der Magistrat indes war der Überzeugung, dass es im großstädtisch und akademisch geprägten Gießen eine Nachfrage nach Neubauwohnungen von Haushalten gibt, die kein oder nur ein Auto besitzen.

Geparkt wird außerhalb

Laut Bebauungsplan »Bergkaserne III« galt für 190 der gut 400 geplanten Wohnungen ein geringerer Stellplatzschlüssel als die üblichen 1,5 Parkplätze pro Wohnung. Dies betraf zwei der sechs Baufelder am Südende des Gebiets und auf dem früheren Exerzierplatz. Unter anderem aus dem Lärchenwäldchen gab es wiederholt Beschwerden, dass Bergkasernen-Bewohner, die in ihrem Gebiet keinen Stellplatz haben, Autos auf ihren Parkplätzen abstellen. Das geht nicht mehr, weil diese für die Wohnbau-Mieter reservierten Parkplätze mit abschließbaren Pollern versehen wurden.

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