11. Dezember 2018, 14:00 Uhr

Palliativstation

Auszeit bei Kaffee und Kuchen

In der Palliativstation des Uniklinikums kommen Menschen an ihre Grenzen. Hier engagieren sich Ehrenamtliche in vielfältiger Weise.
11. Dezember 2018, 14:00 Uhr
Einladung zum Nachmittagskaffee: Friedhelm Kerl, Andrea Opitz und Karin Bosco im Wohnzimmer der Palliativstation. (Foto: Schepp)

Die Kantine und der Kaffeeautomat sind in fast jeder Firma eine Art Informationsbörse. Hier ist es leicht, ins Gespräch zu kommen. Über den Job, aber manchmal auch über Gott und die Welt. So ähnlich funktioniert auch der Kaffeetreff im Hanns-Gotthard-Lasch-Haus, in dem die Palliativstation des Universitätsklinikums untergebracht ist. Seit einem Jahr decken dort jeden Donnerstag Nachmittag Karin Bosco und Friedhelm Kerl, zwei ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizvereins, den Tisch und schaffen eine heimelige Wohnzimmeratmosphäre. Die Idee dazu hatte die stellvertretende Stationsleiterin Andrea Opitz, die den Gesprächsbedarf der Patienten und ihrer Besucher und diese Geste schon von der früheren Station im Haupthaus kennt. »Es tut vielen gut, für einen Moment eine Auszeit nehmen zu können«.

 

Schwerer Weg für Patienten

Auf der Palliativstation werden schwerstkranke und sterbende Menschen versorgt. Sie kommen hierher, weil ihre Betreuung zu Hause nicht mehr möglich und auch ein Klinikaufenthalt keine Option ist. Die Verweildauer beträgt längstens drei Wochen. Nach dieser Zeit folgt eine Reha oder auch die Rückkehr nach Hause, wenn sich der Zustand stabilisiert hat. Auch eine erneute Therapie oder der Umzug in ein Hospiz sind möglich. Für manche Patienten ist das kleine Haus inmitten des Klinikgeländes aber auch die letzte Station, sie sterben hier.

Die Kranken sind in einer Extremsituation: Zwischen Hoffen und Bangen, Kummer, Schmerz, Resignation, Dankbarkeit und Demut. Das gilt nicht nur für die Patienten, sondern auch für deren Angehörige. In zehn der 16 Zimmer gibt es Zweitbetten, damit Kinder oder Partner auf diesem schweren Weg bei ihren Lieben sein können. Die Patienten werden von einem multiprofessionellen Team und erfahrenen Pflegekräften betreut, das Haus und die Zimmer sind ansprechend gestaltet und geschmackvoll eingerichtet. Es wird alles getan, um die Situation erträglicher zu machen. Was zuweilen fehlt, ist jemand, der Zeit zum Zuhören hat. Der sich ans Bett setzt und die Hand hält. Der mit einem Stück Kuchen vorbei schaut. Und da kommen die Ehrenamtlichen des Hospizvereins ins Spiel.

 

Unterschiedliche Tätigkeiten

60 Freiwillige gibt es nach Auskunft von Koordinatorin Stefanie Wolf derzeit. Sie sind für Menschen in ihrer letzten Lebensphase da – im Hospiz, zu Hause, im Krankenhaus, im Pflegeheim und eben auch auf der Palliativstation. Worin ihre Tätigkeit besteht, ist unterschiedlich. »Die Patienten führen Regie, es wird niemandem etwas übergestülpt«. Auch Erwin Kuhn, der Vorsitzende des Hospizvereins, hebt die Bedeutung der Ehrenamtlichen hervor: »Anderen Menschen Zeit zur Verfügung zu stellen ist ein wertvolles Geschenk. Und es ist ein Dankeschön an das eigene Leben«.

Friedhelm Kerl und Karin Bosco sehen sich nicht nur als Gebende, sondern auch als Nehmende. Der wöchentliche Kaffeetreff sei eine Bereicherung, die Begegnung mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Charakteren immer wieder interessant und bewegend. »Dass ich hier sein darf, ist für mich ein großes Glück«, sagt Karin Bosco.

Zusatzinfo

Der Hospizverein

Der Kaffeetreff wird getragen, gefördert und unterstützt durch die Kooperation der Palliativstation des UKGM, PalliativPro, und den Hospizverein. Wer sich für die Arbeit des Hospizvereins interessiert oder selbst gerne eine Schulung für ein Ehrenamt mitmachen möchte, kann sich mit Stefanie Wolf oder Marion Lücke-Schmidt in Verbindung setzen: Tel. 06 41-301 28 12. www.hospiz-verein-giessen.de.

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