13. Juni 2019, 22:27 Uhr

Auskunftsfreudige Angeklagte

13. Juni 2019, 22:27 Uhr

Zweiter Verhandlungstag im Verfahren gegen drei junge Männer vor dem Landgericht Gießen. Zwei der Angeklagten wird zur Last gelegt, insgesamt fünf Raubüberfälle auf Tankstellen und Spielhallen in und um Gießen begangen zu haben. Beim fünften Überfall soll der dritte Angeklagte beteiligt gewesen sein. Dieser Mann, der sich im Gegensatz zu den beiden anderen nicht in Haft befindet, schweigt zu den Tatvorwürfen. Er wurde aber von den anderen beiden als Mittäter genannt.

Als ausgesprochen auskunftsfreudig erwies sich dagegen ein 33-jähriger Beschuldigter, der am Donnerstag übrigens Geburtstag hätte feiern können, was aber in der Haft nicht möglich war. Der Angeklagte ließ seine geständige Einlassung von seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Philipp Kleiner, vortragen. Dabei deckte sich die Aussage des 33-Jährigen in wesentlichen Zügen mit den in der Anklageschrift erhobenen Tatvorwürfen und den ebenfalls dort geschilderten Tatabläufen. Allerdings konnte sich der Angeklagte, der zur Tatzeit eigenen Angaben zufolge drogen-, alkohol- und spielsüchtig gewesen war, nicht mehr an alle Details erinnern. Es taten sich hin und wieder Gedächtnislücken auf, vor allem, was die Planung der einzelnen Taten anbelangt.

Auch kleine Korrekturen nahm der Mann vor; so soll beim Überfall am 11. November 2016 in Langgöns-Oberkleen weder er noch sein Komplize ein Samurai-Schwert mit sich geführt haben. Bei den anderen vier Raubüberfällen sei das Schwert, angeblich ein »Dekoaufsteller« von einem Discounter mit einer Klingenlänge von 30 Zentimetern, doch mitgeführt worden sein. Außerdem wies dieser Angeklagte darauf hin, dass die in der Anklageschrift erwähnte Gas- bzw. Schreckschusspistole nicht funktionstüchtig gewesen sei. Der zweite Angeklagte stimmte den Ausführungen seines Komplizen zu (»Das ist so richtig«, gab er zu Protokoll), womit auch er ein umfassendes Geständnis ablegte. Beide Männer befinden sich in Haft (nicht in U-Haft), weil sie von derselben Kammer im September 2017 wegen eines ähnlich gelagerten Deliktes (Raubüberfall auf eine Tankstelle) zu Freiheitsstrafen von vier Jahren und sechs Monaten bzw. vier Jahren und zwei Monaten verurteilt worden waren. In Zusammenhang mit dem letzten Urteil stellte der vorsitzende Richter fest, dass das kommende Urteil »gesamtstrafenfähig« sei. Im Verlauf des zweiten Verhandlungstages stellte Rechtsanwalt Kleiner den Beweisantrag auf Feststellung einer »rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung«; dies könnte sich zugunsten des bzw. der Angeklagten auswirken.

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