23. Oktober 2013, 17:38 Uhr

Ausgewählte Kurzkrimis mit Minke Bach und Achim Wagner

Fegefeuer der Ehehölle: Die beiden Schauspieler von der Kleinen Bühne lesen im Rahmen des Krimifestivals bei Art & Office.
23. Oktober 2013, 17:38 Uhr
Lesung in schicker Ausstattung: Minke Bach und Achim Weimar. (Foto: abg)

Wie zu allen Veranstaltungen des Krimifestivals fand sich das Publikum am Dienstagabend zeitig im bestuhlten Ladenraum von Art & Office ein, um sich einen guten Platz zu sichern. Mit einer angenehmen Portion Selbstironie begrüßten Gisela Günther und Ulrich Engelhardt das Publikum und übernahmen die Anmoderation von Minke Bach und Achim Weimar, die an diesem Abend drei Kurzkrimis mit schauspielerischem Talent zum Besten gaben.

Gemein war allen drei, die Festivalleiter Uwe Lischper aus verschiedenen Anthologien ausgewählt hatte, neben der handlungstragenden Rolle süßer Köstlichkeiten auch die Besinnung auf klassische Konfliktsituationen, wie ein Lehrer-Eltern-Gespräch, die Bis-das-der-Tod-euch-scheidet-Beziehung und der Rosenkrieg eines entfremdeten Paares.

In Brigitte Glasers »Bärendreck« ergeben sich Schärfe und Witz aus der unangenehmen Situation, als Erwachsener zum Elternsprechtag wieder in die Schule gehen zu müssen, um sich belehren zu lassen. Durch das unnötige Einbringen eines Milieukonflikts – zu dessen Illustration die Klischeekiste allzu sehr geplündert wird – bekommt die Geschichte jedoch einen schalen Beigeschmack.

Das Konzept humoristischen Mordens geht im zweiten Kurzkrimi besser auf. In der Lesung von Jochen Brockmanns »Der Tod schmeckt süß« wurden Planungs- und Handlungsort des (Schwieger-)Muttermords kurzerhand nach Gießen verlegt. Mit Lokalkolorit statt mit Trash-TV-Insignien ausgeschmückt, bot die Geschichte – welche illustrierte, dass es für eine gute Ehe nicht nur Liebe, sondern schlussendlich auch Einigkeit im Handeln braucht – spannende Unterhaltung. Für den letzten Krimi an diesem Abend bot das Geschäft mit seiner Fülle an exklusiven Einrichtungsgegenständen die optimale Kulisse. Unter dem schicken Dekor, das Maria und Volker in Arnold Küsters »Schokoladenpudding« beim perfekten Dinner umgibt, brodelt es gewaltig. Beim Ehestreit der übelsten Sorte geben Bach und Weimar, die zusammen lesen, alles. Und überzeugen mit Abscheu und Abscheulichkeiten in Wort und Bild ihr Publikum von der Grausamkeit des sich aus der Frage »Was magst du lieber: mich oder den Schokoladenpudding?« entfachenden Fegefeuers der Ehehölle.

Wer die beiden Schauspieler wieder als Paar erleben möchte, kann dies am Freitag bei der Aufführung von »Das Paaradox« auf der Kleinen Bühne in der Bleichstraße.

Anna Brandstätter



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