23. Mai 2017, 19:00 Uhr

Gastro-Aus

Aus für Gaststätte im Hallenbad Ringallee

Die Gaststätte im Hallenbad Ringallee ist Geschichte. Die Stadtwerke haben aber schon eine Lösung für die Fläche. Dort soll schon bald etwas ganz anderes als Biergläser gestemmt werden.
23. Mai 2017, 19:00 Uhr
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Von Karen Werner
Das »Aquagym« – eines der beiden Gymnastikbecken im Hallenbad Ringallee – wird für das neue Fitnessstudio geopfert. (Foto: Schepp)

Auf der Theke steht ein Zapfhahn, die Kücheneinrichtung ist auch noch da. Doch ab Herbst werden hier Gewichte statt Gläser gestemmt. Die Gaststätte im Hallenbad Ringallee ist endgültig gescheitert. »Wir haben alles probiert«, sagt Matthias Funk, Technik-Vorstand der Stadtwerke Gießen. Der Betrieb habe sich indes einfach nicht gelohnt, der letzte Pächter gab im September nach einem Jahr auf. Nun wird die Bistrofläche an eine Fitnessstudiokette vermietet. Auch das Aquagym-Becken in der Etage darunter muss dafür weichen.

Zwei Drittel des derzeitigen eigenen Fitnessangebots – vom Aquajogging bis zur Wassergymnastik – würden aufrechterhalten, versprechen die Stadtwerke-Vertreter bei der Vorstellung des neuen Konzepts. Das vor fünf Jahren eröffnete Aktivbecken stehe nach wie vor zur Verfügung.

Bundesweit litten Hallenbäder in Deutschland unter einem Besucherrückgang, erläutern Funk und Bäder-Leiter Uwe Volbrecht. Die beiden Gießener Hallenbäder hatten vor zehn Jahren noch über 300 000 Gäste im Jahr, jetzt sind es nicht einmal mehr 260 000. Ein Grund sei die wachsende Zahl von Alternativangeboten zur Freizeitgestaltung. Einen Konkurrenten holen sich die SWG jetzt direkt ins Haus.

Die Fitnessstudiokette Actic hat sich spezialisiert auf darbende Hallenbäder. Vielerorts stünden ehemalige Gaststätten- oder Wellness-Räume leer, berichtet »New Development Manager« Wolfgang Bahne. Das Unternehmen aus Schweden betreibt in Deutschland 21 Filialen, drei weitere entstehen derzeit. Die in Gießen soll voraussichtlich Ende Oktober eröffnen.

 

Spezialist nutzt darbende Bäder

 

Beide Partner hoffen, voneinander profitieren zu können. Für die Kunden des Fitnessstudios ist das Schwimmen zu den öffentlichen Badezeiten im Monatsbeitrag inbegriffen. Saunen und Massageanwendungen stehen ihnen gegen Extra-Eingang zur Verfügung. Actic spart sich die Einrichtung von Eingangskontrolle, Umkleideräumen, Duschen oder Bistro. Deshalb reiche die 470-Quadratmeter-Fläche aus, so Bahne. Wer Hunger oder Durst hat, kann angelieferte Salat, Snacks und Getränke bekommen. Für die Mini-Bewirtung wurde nach dem Bistro-Aus eine Ecke in der Sauna eingerichtet.

Verträgt Gießen noch ein Fitnessstudio? Ja, meint Bahne. Gerade im mittleren Segment zwischen »Discounter« und inhabergeführtem Betrieb sehe er Marktchancen. Seit Jahren stiegen die Zahlen der Deutschen, die in Studios trainieren. Die Grenze des Wachstums sei noch nicht erreicht: In Deutschland gingen derzeit knapp 12 Prozent der Bürger ins Fitnessstudio, in Schweden seien es 20.

Ob die Stadtwerke für die neue Nutzung ähnlich viel Miete einnehmen wie früher für die Gaststätte, wollte Funk nicht sagen. Bahne verriet: Ein Teil der Pacht sei umsatzabhängig. Je mehr Erfolg Actic hat, desto mehr Geld bekommen die SWG. Und falls es ein Flop wird, sei das 13 Jahre alte Aquagym-Becken nicht zerstört, betont Bahne: Es werde lediglich abgedeckt.

Volbrecht ergänzt, die Stadtwerke arbeiteten insgesamt an einer »Neuorganisation rund um den Bäderbetrieb«. Derzeit »passiert eine Menge« an der Ringallee. Davon sollten »künftig alle Gäste profitieren«.



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