13. Mai 2019, 21:51 Uhr

Aus der Exilexistenz befreit

13. Mai 2019, 21:51 Uhr
Dagmar Künzel mit ihren Bildern »Er ist, wer er ist« (l.) und »Sie ist, wer sie ist.«.

Das Frauenkulturzentrum (FKZ) macht seinem guten Ruf als Kunstort mal wieder alle Ehre. Die kraftvollen Bilder der Gießenerin Dagmar Künzel sind ungewöhnlich ausdrucksvoll, zumal für eine Erstausstellung. »L’homme nu«, der nackte Mensch, erweist sich als unmittelbar ansprechende, sehr attraktive Schau. Die Gäste der sehr gut besuchten Eröffnung zeigten sich am Freitag denn auch sichtbar beeindruckt.

Dagmar Künzel, geboren 1961, machte ihr Abitur an der Liebigschule. Sie sei »in einer kunstaffinen Familie« aufgewachsen, »Mein Vater und mein Opa haben gemalt, als Hobby«. Nach dem Abitur studierte Künzel an der FH in Wiesbaden, der Fachhochschule Gießen-Friedberg und der FH Innenarchitektur, Bauingenieurwesen und für das Lehramt für Bautechnik und Sport. Sie unterrichtete eine Zeit lang an der Berufsschule in Wetzlar und arbeitete im Messebau, als Statikerin und jetzt wieder als Lehrerin. Außerdem Dozentin für Aktzeichnen an der VHS in Marburg und Lich und Unterricht an einer Gießener Tanzschule - eine vielseitige Frau.

Sven Görtz, der Gießener Rezitator, Autor und Musiker agierte als Laudator. In leichtfüßigem literarischem Stil charakterisierte er eloquent und treffend Künzels Kunst. Es seien »Bilder, Zeichnungen und Collagen, die gut 15 Jahre eine Exilexistenz unterm Bett geführt hatten.« Beim Malen habe sie lange nach dem gesucht, »was gar nicht ihr Ding ist, ein einheitlicher Stil.« Das sei vielmehr die Vielfalt. Görtz sah zudem »eine tiefere Ebene des Seins, profund und unbezweifelbar,« nicht auf den ersten Blick zu entdecken. Eine reizvolle Ergänzung war dann die musikalische Abteilung. Görtz stellte drei seiner attraktiven neuen Songs vor, »Beautiful disguise« und »You and the rain«. Vor allem in »This shuffle« untermalte er den Text mit ungewöhnlich vielen Akkorden, was dem Lied neben der inhaltlichen eine zweite, sehr dichte Qualität verleiht. Es gab heftigen Beifall.

Rezitator Sven Görtz als Laudator

Zunächst mal sieht man eine Reihe mittelformatiger Mischtechniken, Akte und einige Porträts, hauptsächlich in Acryl auf Papier. Unverkennbar ist sofort, dass hier ein brisantes kreatives Potenzial erschlossen wurde. Dagmar Künzel zeigt in ihren Menschenbildern zum einen eine handwerkliche Kompetenz, die sie Körperlichkeit gleichsam mühelos ganz natürlich darstellen lässt. Künzel hat allerdings den konkreten figürlichen Aspekt der Arbeit schon hinter sich. Die technische Korrektheit der Darstellung wird formal kompatibel und einleuchtend durch das Abstrakte überformt. Künzel arbeitet dabei mit sehr starken Akzenten, schafft klar definierte Farbfelder und fasst das Ganze in auffällig stimmigen, oft dramatischen und dennoch sehr ausgewogenen Kompositionen zusammen. Es sind richtig energiegeladene Bilder. Hinzu kommt die Attraktion der darstellerischen Mannigfaltigkeit - es ist eine sehr reizvolle Schau geworden. Bis auf weiteres ist die Ausstellung zu sehen im Frauenkulturzentrum in der Walltorstraße 1 zu den üblichen Öffnungszeiten. (Foto: bf)

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