28. Juli 2018, 09:00 Uhr

Sektion Gießen-Oberhessen

Aufatmen beim Alpenverein: Insolvenz abgewehrt

Die drohende Insolvenz bei der Sektion Gießen-Oberhessen des Deutschen Alpenvereins ist vom Tisch. Allerdings prüft ein Steuerberater derzeit intensiv die unregelmäßige Kassenführung des alten Vorstands.
28. Juli 2018, 09:00 Uhr
Die dringendsten finanziellen Probleme beim Gießener Alpenverein scheinen gelöst zu sein. (Foto: pm)

Bei der Sektion Gießen-Oberhessen des Alpenvereins ist ein großes Aufatmen zu hören: Das drohende Insolvenzverfahren für den verschuldeten Verein mit seinen knapp 2500 Mitgliedern ist abgewehrt. Denn dem seit Oktober 2017 amtierenden neuen geschäftsführenden Vorstand mit Dr. Ulrich Schlör an der Spitze ist es gelungen, mit den beiden Hauptgläubigern, der Sparkasse Gießen und dem Bundesverband des Deutschen Alpenvereins (DAV), »neue und vor allem liquiditätsschonende Vereinbarungen« zu den bestehenden Darlehen zu treffen«, teilte Schlör der Presse mit.

Den Verein drückten noch im Juni über 900 000 Euro Schulden bei der Sparkasse und über 950 000 Euro Schulden beim Bundesverband wegen des Kletterhallen-Neubaus in der Rödgener Straße – Summen, die der Verein nicht vertragsgemäß zurückzahlen konnte.

Wie die neuen Regelungen zur Rückführung dieser Verbindlichkeiten genau aussehen, wollte Schlör nicht sagen. Doch zu vermuten ist, dass der Bundesverband des Alpenvereins mit Sitz in München die Schulden der Sektion bei der Sparkasse Gießen ablösen wird, als einziger Gläubiger verbleibt und dann niedrigere Zinsen und niedrigere Rückzahlungsraten mit seiner krisengeplagten Sektion vereinbaren kann.

Die Notlage der Sektion Gießen war entstanden, weil im Sommer 2017 fast 700 Mitglieder aus dem Verein ausgetreten waren – überwiegend aus dem Grund, weil sie einen fünften Zusatzbeitrag (Sonderumlage) wegen des neu gebauten und vorerst defizitär wirtschaftenden Kletter- und Boulderzentrums nicht mehr zahlen wollten. Zudem waren viele Mitglieder mit dem Führungsstil des alten Vorstandes nicht einverstanden. Die Austrittswelle und die dadurch fehlenden Mitgliedsbeiträge hatten die Schuldensituation weiter verschärft. Doch unter dem neuen Vorstand, der wieder ein positives Klima entfacht hat und akribisch arbeitet, sind zahlreiche ehemalige Mitglieder wieder zur Sektion zurückgekehrt. Darüber hinaus wurden über 200 neue Mitglieder gewonnen

Kritik an Sorgfalt des Ex-Vorstands

Mit der nun verkündeten Umschuldung hat der Verein das drohende finanzielle Desaster abgewehrt. Da diese »Baustelle« geregelt werden konnte und zum 1. Juli mit Maren Becker eine hauptamtliche Betriebsleiterin für das Kletter- und Boulderzentrum Gießen eingestellt wurde, blicke man jetzt wieder hoffnungsvoll in die weitere Zukunft der über 130 Jahre alten Sektion, sagte Schlör. Der Verein könne sich jetzt wieder vornehmlich darauf konzentrieren, die Besucherzahlen in der Kletterhalle durch attraktive Kursangebote zu steigern. Die neue Betriebsleiterin Maren Becker habe in ihrer kurzen Amtszeit bereits einiges angestoßen. Es werde zusätzliche Angebote geben, zum Beispiel Team-Events, Schnupperklettern und Toprope-Kurse für Kletterneulinge. Der Internetauftritt des Kletterzentrums wird demnächst erneuert.

Für das Wochenende am 13. und 14. Oktober wird ein Wiedereröffnungsevent in der Halle vorbereitet, wo vor kurzem über 100 Routen neu geschraubt wurden. Auch die ehrenamtliche Arbeit in der Sektion soll weiter ausgebaut werden. Und letztlich freue sich die Sektion über jede Spende von Mitgliedern und Unterstützern, die ebenfalls dazu beitragen, den Verein wieder in ruhiges Fahrwasser zurückzuführen.

Zudem prüft der Verein mithilfe eines Steuerberaters zahlreiche Ungereimtheiten und fehlende Belege in der Kassenführung sowie unklare Verwendungszwecke für Abbuchungen von vereinseigenen EC- und Kreditkarten, die alle in die Amtszeit des alten Vorstandes fallen. Die Kassenprüferin der Sektion hatte schon bei der Hauptversammlung im Juni dem Ex-Vorstand fehlende Sorgfalt in Finanzangelegenheiten attestiert.

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