12. November 2017, 19:33 Uhr

Auf einer Wellenlänge

12. November 2017, 19:33 Uhr
Solistin Janina Ruh nimmt den Beifall entgegen. (Foto: jou)

Von 2006 bis 2015 war Oliver Blüthgen Leiter des Jungen Sinfonie-Orchesters Wetzlar. Die lange gemeinsame Musizierpraxis war zu spüren, als der 48-Jährige für das Herbstprogramm in der Rolle des Gastdirigenten zurückkehrte.

Beim sehr gut besuchten Konzert am Samstag in der Universitätsaula bildete die Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts Oper »Figaros Hochzeit« einen spritzigen Auftakt, derart virtuos und kontrastreich bot sie das Ensemble dar. Unter der stilsicheren Leitung Blüthgens gerieten die jähen Akzente auf den Punkt gebracht, überhaupt folgte das Orchester präzise seinen Anweisungen, achtete auf im Detail stimmige dynamische Gestaltung. Das Spiel bereitete ungetrübten Genuss und ließ den geistigen Funken aufs Publikum überspringen.

In die Romantik führten Peter Tschaikowskis »Variationen über ein Rokoko-Thema« op. 33 für Cello und Orchester. Solistin Janina Ruh intonierte das volksliedhaft-schlicht anmutende Thema ausdrucksvoll, das Orchester griff die musikalischen Fäden inspiriert auf und trat in lebhaften Dialog mit der Cellistin. Die beseelte Interpretation zeugte von Feinnervigkeit und wurde hohen Ansprüchen gerecht. Dabei offenbarte sich die raffinierte Instrumentation in mannigfaltigen Schattierungen; besonders die Holzbläser bezauberten. Behutsam beleuchteten Solistin und Orchester die Variationen. Am meisten berührten nachdenklich-ruhige, innige Momente. Einen Gegenpol markierten spielerische Züge in den Vordergrund rückende Passagen.

Für den kräftigen Beifall dankte Ruh mit einer Zugabe des lettischen Komponisten Peteris Vasks (geb. 1946), in der sie noch einmal große künstlerische Sensibilität bewies.

Im zweiten Teil des ambitionierten Konzerts widmete sich das Orchester Sergei Rachmaninows Sinfonie Nr. 2 e-Moll. Schon die Einleitung ließ aufhorchen: Gefühlvoll baute das Ensemble hier Spannung auf, steigerte dabei stetig die Tonstärke und fächerte das Klangbild immer mehr auf. Die Darbietung schien mit den weiten musikalischen Bögen, den fließenden Entwicklungen und Übergängen sehr ansprechend.

Gleichermaßen anschaulich gelang das Scherzo – bis hin zum konturiert gezeichneten Fugato. Ein an Filmmusik erinnerndes Stimmungspanorama tat sich im leidenschaftlichen, zum Schwelgen verführenden Adagio auf. Vitalität und Zuversicht vermittelte die Musik im abwechslungsreichen Allegro-Finale, mit dem das hervorragende Konzert ausklang.

Minutenlangem Beifall folgte eine weitere Dreingabe.

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