20. September 2019, 21:53 Uhr

Auf Straftaten schnell reagieren

20. September 2019, 21:53 Uhr

Schlägerei, Drogen, Ladendiebstahl - man wird erwischt, vernommen, und dann passiert erst einmal gar nichts. Anderthalb Jahre kann es leicht dauern, bis ein junger Straftäter vor Gericht landet. Deutlich schnellere Verfahren und umfassende Begleitung gewährleisten »Häuser des Jugendrechts«. Auch in Gießen wollen Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe unter einem Dach zusammenarbeiten, um Kriminalität möglichst früh zu begegnen. Details dieses Vorhabens - vom Zeitplan bis zum Standort - sind noch nicht spruchreif. Klar ist: Zusätzliche Stellen, also mehr Geld wären nötig, auch von Seiten der Stadt.

Die Fachleute im Jugendhilfeausschuss zeigten sich angetan von dem Erfolgsmodell, das Friedel Sellung vom Polizeipräsidium Frankfurt präsentierte. Bundesweiter Vorreiter war 1999 ein »Haus des Jugendrechts« in Stuttgart. Aufgrund der positiven Erfahrungen eröffnete das Land Hessen 2007 ein erstes solches Haus in Wiesbaden. Es folgten zwei in Frankfurt, weitere sind geplant.

»Kein Sozialarbeiter wird Polizist«

Ziel sei immer, »das delinquente Verhalten zu beenden«, erläuterte Sellung im Ausschuss. Wie das gelingen kann, das versuchen die Beteiligten für jeden Einzelfall gemeinsam zu klären und betrachten dabei die gesamten Lebensumstände. Reicht ein Anti-Gewalt-Training oder ein Täter-Opfer-Ausgleich? Muss ein Intensivtäter nun doch in Haft? Welche Familie braucht Beratung, vielleicht wegen Schulden oder Alkohol? Zeitgleich statt hintereinander werden Ermittler, Strafverfolger und Pädagogen aktiv.

Vorab habe es Bedenken gegeben, ob das Miteinander so unterschiedlicher Professionen gelingen kann. Doch die enge Zusammenarbeit - »wir sind alle per Du, die Wege sind kurz« - funktioniere überraschend reibungslos, betonte Sellung. »Kein Sozialarbeiter wird plötzlich Polizist oder umgekehrt«, doch das Verständnis für die Arbeitsweisen der anderen sei gewachsen. Zugleich werde der Datenschutz eingehalten.

Ein Schwerpunkt ist Prävention. Polizeibeamte kontrollieren beispielsweise Jugendliche an Treffpunkten oder sind als Ansprechpartner in den Stadtteilen präsent. Auch eine Kunstwerkstatt oder ein Theaterprojekt dienten der Vorbeugung.

Mit Zahlen könne er die Erfolge »seines« Hauses im Frankfurter Norden nach fünf Jahren noch nicht belegen, bekennt Sellung. Grundsätzlich gelinge es offenbar häufig, das Abgleiten von Kindern und Jugendlichen zu verhindern. Zunehmend fielen schon Zwölf- bis Vierzehnjährige auf.

Einen ersten Anlauf für ein »Haus des Jugendrechts« in Gießen habe es schon vor fünf Jahren gegeben, erklärte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne). Damals sei es an den notwendigen hohen Investitionskosten gescheitert. Nun habe das heimische Polizeipräsidium erneut die Initiative ergriffen.

»Ja, ein solches Haus ist unser Wunsch«, bestätigt Polizeisprecher Jörg Reinemer auf GAZ-Anfrage. »Wir sind in guten Gesprächen mit der Staatsanwaltschaft und der Stadt.« Letztere ist zuständig für die Jugendgerichtshilfe. Neben den drei Kern-Einrichtungen sind in den Häusern meist weitere Anlaufstellen untergebracht, in Frankfurt-Nord etwa der Täter-Opfer-Ausgleich und der Verein Kinder- und Jugendhilfe.

Zusätzliche Kosten müssten die größeren Beteiligten wohl einplanen. Vorhandene Stellen einfach räumlich zusammenzulegen, reiche nicht aus, meint Sellung.

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