27. November 2018, 21:27 Uhr

Auch das Publikum hat jede Menge zu tun

27. November 2018, 21:27 Uhr
CMD
Können die Figuren, die von allen Seiten auf ihn einreden, Empathie in Scrooge wecken?

»Leider wurde mir gerade eben zugetragen, dass unsere Schauspieler sich verspäten werden. Sie können ja während Sie warten in Ihren Programmheften blättern!« Mit diesen Worten begann die charmant komödiantisch umgesetzte Aufführung von »The Ferndale Avenue Housing Estate Townswomen’s Guilt Dramatic Society’s Production of ›A Christmas Carol‹« im englischsprachigen Keller Theatre. Das von David McGillvray verfasste Stück im Stück basiert zwar auf dem Klassiker »A Christmas Carol« von Dickens, viel interessanter sind bei der Aufführung aber die Gespräche zwischen den »Schauspielern«, welche durch gezielt eingesetzte Brüche und ständiges Aus-der-Rolle-Fallen für Lacher sorgten.

Von Anfang an wurde das Publikum eingebunden. Anfangs mussten zwei Zuschauer sogar an einem unfreiwilligen Casting für den Part von Ebenezer Scrooge teilnehmen. Diese Entscheidung sorgte gleich zu Beginn für Spannungen zwischen den Schauspielern, da die von Lea Charlotte Endrigkeit verkörperte Thelma, die die Rolle des Scrooge übernehmen soll, nicht gerne als ersetzbar dargestellt werden wollte. Durch das Stück hinweg brachten ihre Schauspielkollegen sie auf die Palme. Zwischen ihr und ihrer Rolle in Dickens’ Stück ließen sich so durchaus Parallelen erkennen und zwar nicht nur, wenn Scrooges bekannter Ausruf »Humbug!« zu hören war. Die bekannte Geschichte um Ebenezer Scrooge, der in der Nacht vor dem Weihnachtstag von den Geistern der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht heimgesucht wird, wird in der Version, wie sie im Keller Theatre noch bis zum 15. Dezember zu sehen sein wird, zu einer gut umgesetzten Komödie. Die schauspielerische Leistung aller Beteiligten war beeindruckend, beim Singen der eingebauten Weihnachtslieder stach besonders Oliver Huttel mit seiner kräftigen Stimme heraus.

Die erste Hälfte der Produktion ließ also kaum Wünsche übrig, man hätte allerdings eventuell keine zweite gebraucht. Nach der Pause war die Geschichte schon fast fertig erzählt und das Stück bekam Längen, was nach der starken ersten Hälfte wirklich schade war. Die Einbindung des Publikums nahm im Vergleich zur eigentlichen Handlung zu viel Raum ein.

Alles in allem ist das Ganze eine erfrischende Version des Klassikers von Dickens und ein schönes Einleiten der Weihnachtszeit, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene Anlass zum Lachen bietet, sofern sie eben Englisch können. Tickets können im Haus der Karten am Kreuzplatz oder online auf der Internetseite des Keller Theatres erworben werden. (Foto: cmd)

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