30. Dezember 2016, 18:51 Uhr

Auch an die Nachbarn denken

Gießen (pm). Wer die große Silvesterparty plant und in einem Haus mit anderen Menschen zusammenlebt, für den empfiehlt es sich, auch an die Nachbarn zu denken. Das meint zumindest der Mieterverein Gießen. »Damit nicht ausgerechnet in der Nacht zum neuen Jahr ein Streit ausbricht«, sagt der Vorsitzende Stefan Kaisers.
30. Dezember 2016, 18:51 Uhr
Kaisers
? Laut Gesetz gilt ab 22 Uhr Nachtruhe – auch an Silvester?
»An Silvester gelten de facto Sonderregelungen«, sagt Kaisers. In sehr vielen Wohnungen werde gefeiert, traditionellerweise explodieren um Mitternacht überall Böller und Raketen. Da sei es wenig aussichtsreich, an diesem Abend auf die gesetzlichen Ruhezeiten zu pochen. Dennoch: Gerade Mieter in Mehrfamilienhäusern sind besonders zur gegenseitigen Rücksichtnahme verpflichtet. Deshalb rät Kaisers, Fenster und Türen geschlossen zu halten: »Auch sollte die Party nicht in voller Lautstärke bis in die Morgenstunden weitergehen.«
? Was kann man noch tun, um Streit mit den Nachbarn zu vermeiden?
Vorbereitung hilft. Der Mieterverein empfiehlt, die Nachbarn über die Party zu informieren – und sie gegebenenfalls sogar einzuladen. Ein weiterer Tipp: Die Gäste anzuhalten, »sich beim Kommen und Gehen ruhig zu verhalten«.
? Wie genau wird Nachtruhe überhaupt definiert?
Im Wesentlichen bedeutet es, dass Geräusche außerhalb der Wohnung kaum noch wahrnehmbar sein sollen, erklärt der Mieterverein. Dezibelgrenzen ließen sich dafür nicht anführen. Grundsätzlich ist die Nachtruhe in den Landesimmissionsschutzgesetzen geregelt – und meist von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens einzuhalten, ergänzt Kaisers. Doch grundsätzlich gilt: Geräusche aus der Nachbarwohnung, die durch Grundbedürfnisse verursacht werden, müssten Mieter dulden. So sei beispielsweise das Duschen auch nach 22 Uhr erlaubt, sofern es in angemessener Weise geschehe. Übertragen auf Silvester: Erlaubt ist es, im üblichen Maß zu feiern. Viele Mieter und ihre Gäste lassen um Mitternacht vor dem Haus Raketen steigen und stoßen dort aufs neue Jahr an.
? Wer ist nach der Party für den Müll verantwortlich?
Hinterlässt ein Mieter Müll auf Straßen, Plätzen und Wegen, kann ihn sein Vermieter dafür nicht zur Rechenschaft ziehen. Und auch für das Böllern auf dem privaten Grundstück gibt es meist keine Klausel im Vertrag. Dennoch: »Jeder Mieter ist verpflichtet, Müll wegzuräumen, der aus besonderen Anlässen übermäßig entsteht«, sagt Kaisers. Insofern müsse ein Mieter die Überreste seiner Silvesterparty beseitigen. Feiern mehrere Parteien im Haus, sei der Schuldige aber schwer auszumachen.
? Wer haftet, wenn ein Böller auf dem Nachbarbalkon Schäden anrichtet?
»Silvester zählt zu den schadensträchtigsten Tagen eines Jahres«, heißt es beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Raketen auf Nachbarbalkonen seien keine Seltenheit. In der Regel hafte der, der Schaden verursacht. Dann gilt: »Die Privathaftpflichtversicherung übernimmt grundsätzlich Schäden, die bei Dritten angerichtet werden – soweit nicht vorsätzlich geschehen.« Balkone seien aber kein Ort, um Raketen zu zünden. Die Gefahr von Schäden am Gebäude sei zu hoch, urteilten Amtsgerichte.
? Wer kommt für Schäden auf, die ein Kind an Silvester verursacht?
In der Regel springt die private Haftpflichtversicherung der Eltern ein. Bei Kindern unter 7 Jahren geht der Gesetzgeber davon aus, dass sie die Gefährlichkeit ihrer Handlung nicht erkennen können. Sie können also in der Regel nicht zur Verantwortung gezogen werden. Sind sie älter, komme es auf den Einzelfall an. Wenn das Kind nicht haftbar gemacht werden kann, könnten Eltern zur Verantwortung gezogen werden. Insbesondere dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Wann das der Fall ist, lasse sich nicht pauschal beantworten. Um Schäden zu vermeiden, gilt: »Kinder sollten nie unbeaufsichtigt Raketen zünden.« (Foto: pm)

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