09. Oktober 2017, 20:07 Uhr

Auch Profis putzen nicht perfekt

09. Oktober 2017, 20:07 Uhr

Man muss sich gründlich die Zähne putzen, um schädlichen Zahnbelag zu entfernen und somit Krankheiten wie Karies oder Parodontitis vorzubeugen. Dies ist den meisten Menschen seit frühester Kindheit bekannt. Doch selbst wenn sie sich zweimal täglich die Zähne putzen, schaffen es nur wenige, ihre Zähne gut zu reinigen.

Immer wieder bemängeln Zahnärzte die Mundhygiene vieler Patienten. Es stellt sich die Frage: Wie sauber kann man die Zähne mit einer Handzahnbürste und mit Hilfsmitteln zur Zahnzwischenraumhygiene bekommen? Ist es überhaupt möglich, die Zähne 100-prozentig zu reinigen? Das haben Prof. Renate Deinzer vom Institut für Medizinische Psychologie der Justus-Liebig-Universität und ihre Mitarbeiterin Dr. Daniela Harnacke untersucht. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Auch Profis reinigen offenbar Zähne und Zahnfleisch nicht durchweg perfekt.

Bei der Studie an acht Universitätszahnkliniken wurde das Zahnputzverhalten jener Personen untersucht, die auch bei der Vermittlung von Mundhygiene eine Rolle spielen: 64 Zahnärzte, 33 Studierende der Zahnmedizin sowie 30 zahnmedizinische Fachangestellte. Sie alle wurden gebeten, sich die Zähne mit einer Handzahnbürste zu reinigen; zudem stellte man ihnen Hilfsmittel für die Reinigung der Zahnzwischenräume zur Verfügung. Vor und nach der Reinigung der Zähne wurden die Zahnbeläge erfasst.

Belag am Zahnfleischrand beachten

Das Ergebnis: Nach dem Putzen habe man nur wenige Beläge auf den Zähnen der Teilnehmer gefunden, wobei sich die Berufsgruppen nicht voneinander unterschieden. Die meisten (96 Prozent) zeigten mehr als 70 Prozent saubere Flächen am Zahnfleischrand; drei Viertel der untersuchten Personen wiesen an 89 Prozent der Flächen am Zahnfleischrand keine Beläge auf. Zahnmedizinische Laien erreichen bei demselben Test selten mehr als 50 Prozent sauberer Flächen, oftmals weniger als 30 Prozent.

Deinzer kommentiert die Ergebnisse wie folgt: »Es ist also grundsätzlich möglich, mit einer Handzahnbürste und Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume eine fast 100-prozentige Sauberkeit zu erreichen.« Aber sie schränkt zugleich ein: »Die ›Zahn-Profis‹ haben gegenüber den Patienten allerdings auch einige Vorteile.«

Die untersuchten Personen wiesen insgesamt eine gute Mundhygiene auf und hatten nur in wenigen Fällen Zahnfleischentzündungen. Es waren nur selten Kronen oder andere »Hindernisse« vorhanden, die eine Reinigung erschweren können. Und: »Die Profis wissen, worauf es ankommt«, betont Deinzer. »Es ist besonders wichtig, die Beläge am Zahnfleischrand zu entfernen. Auch sollte man Zähne und Zahnfleisch nicht ›irgendwie‹, sondern systematisch putzen, um keine Fläche zu vergessen.« Weniger wichtig schienen die Profis die Zahnputztechnik zu finden. Knapp die Hälfte konnte gar nicht sagen, mit welcher Technik sie geputzt hatte; die Putzergebnisse waren aber dennoch genauso gut wie bei denjenigen, die eine spezielle Technik verwendet hatten.

»Man sollte eine Systematik beim Putzen etablieren, damit kein Zahn und keine Fläche vergessen werden«, rät Deinzer.

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