10. November 2019, 18:28 Uhr

Atmosphärischer Zauber

10. November 2019, 18:28 Uhr
Die Cellisten des Orchesters. (Foto: Jouini)

Gewichtigen romantischen Kompositionen widmete sich das Junge Sinfonie-Orchester Wetzlar unter Leitung des Pianisten Lukas Rommelspacher beim Konzert am Samstag in der Uni-Aula. Zu einem Glanzlicht des Programms wurde das »Andante cantabile« aus Peter Tschaikowskis Sinfonie Nr. 5 e-Moll: Wunderbar nuanciert intoniert geriet hier die sich über dem Streicher-Klangteppich erhebende Hornmelodie, die in reizvollen Dialog mit der Klarinette und Oboe trat.

Doch auch die weiteren Darbietungen erschienen ansprechend. Den Auftakt bildete Frédéric Chopins Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll. Nicht allein wegen des tonartlichen Bezugs passte dieses Konzert, nahm vielmehr den ernsten Grundcharakter der Sinfonie vorweg. Beseelt lud das Orchester die Musik im Allegro-Kopfsatz mit leidenschaftlichem Ausdruck auf. Der stimmungsintensive Vortrag weckte hohe Erwartungen, denen Lukas Rommelspacher als Solist mit seinem poetischen Spiel gerecht wurde. Die Interpretation verströmte melodische Anmut. Rommelspacher verzichtete erfreulicherweise auf die bloße Zurschaustellung virtuoser Fertigkeiten, verlieh der Musik vielmehr gemeinsam mit dem Orchester natürliche Eleganz. Besonders faszinierten feine Schattierungen etwa zwischen Klavier und Streichern sowie dramatische Steigerungen.

Subtil beleuchteten Solist und Orchester die ausschweifenden Züge bei der Romanze - die dynamisch behutsam ausgelotete, überaus tiefgründige Darbietung streichelte die Seele. Ganz sanft gerieten klanglich abebbende Passagen im letzten Teil. Dazu kontrastierte das thematisch markante Rondo-Finale mit erfrischender Munterkeit. Bis zum Schluss animierte Rommelspacher die Musiker, genau aufeinander zu horchen und Balance zu halten. Genuss bereiteten wohlgemerkt auch das spielerische Moment betonende Teile, derart souverän beherrschte der 27-jährige Solist den Steinway-Flügel.

Eine klagende Sphäre rückte mit dem schicksalhaften Klarinettenthema beim eröffnenden Andante der Tschaikowski-Sinfonie in den Fokus. Im Verlauf nahm die Thematik trotzige bis schroffe Wendungen, führte dann zu sehnsuchtsvollen Aufhellungen. Rommelspacher strahlte ruhige Sicherheit aus und lenkte sein Augenmerk vor allem auf die vielschichtige Instrumentation. Nicht nur beim »Andante cantabile«, vielmehr auch beim beschwingten Walzer erfüllte den Saal atmosphärischer Zauber, dem man sich kaum entziehen konnte. Prachtvoll erblühte das Klangbild bei der in breiter Bewegung daherkommenden Einleitung zum Finale, um schließlich in einem entfesselten »Allegro vivace« zu münden.

Für den lang anhaltenden Beifall wurden die zahlreichen Besucher mit einer Zugabe belohnt. Tags darauf wurde das Konzert in Bad Nauheim wiederholt.

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