27. September 2019, 14:00 Uhr

Mensch, Gießen

Astrid Koch: Ein Leben im Freien

Astrid Koch sorgt dafür, dass die Gießener gesundes Essen auf den Tisch bekommen. Die 51-Jährige betreibt mit ihrem Ehemann die Gärtnerei Koch. Ein anstrengender, aber erfüllender Beruf.
27. September 2019, 14:00 Uhr
Wenn Astrid Koch die Gießener nicht gerade mit Gemüse versorgt, widmet sie ihre Zeit Hund Buck. (Foto: Schepp)

Der Herbst hat Einzug gehalten. Nicht nur kalendarisch. Auch das Wetter verhält sich dementsprechend. Es ist nass und frisch an diesem Vormittag, der Himmel ist bedeckt mit einer grauen Wolkensuppe. Trotzdem läuft Astrid Koch im T-Shirt über den Hof. Vielleicht friert sie nicht so schnell. Vielleicht will sie aber auch den Sommer noch nicht loslassen. Denn auch wenn der Herbst für die Gärtnerei, die Koch zusammen mit ihrem Ehemann Georg führt, ein bisschen weniger Arbeit bedeutet, vermisst die Gießenerin schon jetzt das schöne Wetter. »Es ist immer ein bisschen Wehmut dabei, wenn die Tage kürzer werden. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn es wieder heller wird.« Dann kann die 51-Jährige wieder ihr Leben im Freien genießen. Wie sie es schon ihr ganzes Leben lang macht.

Koch ist in Lollar-Odenhausen aufgewachsen. Sehr behütet, wie sie sagt. Und sehr ländlich. Das Leben habe sich oft unter freiem Himmel abgespielt. »Mein Vater war sehr naturverbunden. Für mich war es das Größte, wenn wir morgens zum Sonnenaufgang in den Wald gegangen sind und uns auf den Hochsitz gesetzt haben.« Von dort oben beobachteten Vater und Tochter, wie der Tag begann. Eine schöne Erinnerung, das merkt man der Gießenerin an. Mit 18 Jahren folgte dann die Begegnung, die Kochs weiteren Weg prägen sollte. Georg, der beste Freund ihres Cousin, trat in ihr Leben.

Alles ohne Chemie

Heute betreibt die Familie vor den Toren der Stadt ihre Gärtnerei. Und das schon in dritter Generation. Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen, Lauch, Mangold, Kräuter und vieles mehr bauen sie hier an. Verkauft wird es auf den Märkten der Region, aber auch in dem Geschäft in der Marktstraße. Die Erzeugnisse werden allesamt ohne den Einsatz von Chemie gezogen. »Wir spritzen schon seit über 30 Jahren nicht, sondern setzten Nützlinge ein«, sagt Koch. Eine Produktion nach Bio-Richtlinien, auch wenn die Gärtnerei nicht als solche zertifiziert ist. Die Kunden stört das fehlende Emblem nicht, sie wissen auch so, was sie am Gemüse der Kochs haben. »Wir haben viele Stammkunden, denen es wichtig ist zu wissen, wo ihr Essen herkommt. Manche kommen auch zu uns auf den Hof und schauen sich an, wie das Gemüse angebaut wird.« Natürlich bildet ihre Kundschaft nur einen kleinen Teil der Gesellschaft ab, sagt Koch. Trotzdem habe sie festgestellt, dass das Bewusstsein beim Einkaufen größer geworden sei. »Viele Menschen bringen ihren eigenen Korb mit und verzichten auf Verpackungen. Das hat in den letzten zwei Jahren eindeutig einen Schub bekommen.«

Den Kochs kann das nur Recht sein, zumal sie selbst Wert auf gesunde und umweltschonende Ernährung legen. Ohnehin hat das Kochen einen hohen Stellenwert in der Familie. Das gilt auch für die beiden Söhne. Der jüngere wohnt mit seiner Freundin im selben Haus, der ältere kommt regelmäßig an den Wochenenden zu Besuch. »Beide kochen gerne. Wenn wir alle zusammen sind, ist das Essen ein großes Thema. Wir stehen alle zusammen in der Küche und wuseln herum.«

Um nicht nur die eigene Familie, sondern auch die vielen Kunden satt zu bekommen, ist eine große Anbaufläche nötig. Bei einem Rundgang über das Gelände zeigt Koch die vielen Gewächshäuser, in denen das Gemüse gedeiht. Begleitet wird sie dabei von ihrer imposanten Dogge Buck. Ein Hund wie ein Bär, aber verschmust wie ein Kätzchen. »Buck ist mein Hobby«, sagt Koch und erzählt, dass sie jeden Abend gut eineinhalb Stunden mit dem Hund spazieren geht. Gerne im Wald, wo man nicht allzu viele Menschen trifft. Denn die Verbindung aus zierlichem Frauchen und riesengroßer Dogge sorgt für Aufsehen. Menschen wollen Fotos machen oder fragen, warum sie dem Hund keinen Sattel umschnalle und auf ihm reite. »Wenn ich in den Wald komme, bin ich für mich. Ich sehe und höre keinen«, sagt Koch. Sie meint das nicht nur wörtlich.

Buck und Koch streifen weiter durch die Gewächshäuser. Auch hier sieht man die Auswirkung des Sommerendes. Nur wenige bunte Farbtupfer leuchten im Grün, vieles ist abgeerntet. Offensichtlich war Georg Koch ziemlich fleißig. »Wir haben uns aufgeteilt«, sagt die Gießenerin. »Mein Mann ist für den Anbau zuständig, ich eher für das Verkaufen.« Dabei profitiert sie noch heute von Erfahrungen, die sie vor über 30 Jahren gemacht hat.

Strenger, aber lehrreicher Ausbilder

Nach der Hochzeit konzentrierte sich Koch voll auf das Familiengeschäft. Zuvor aber war die Gießenerin in einem ganz anderem Metier zu Hause. »Ich habe Drogistin gelernt«, sagt sie und erzählt, mit 16 Jahren eine Ausbildung bei der Drogerie Seibel absolviert zu haben. »Eine gute Ausbildung«, wie sie betont. Vor allem dank ihres Vorgesetzten. »Herr Schneider war ein strenger, aber auch sehr guter Chef.« Er habe ihr zum Beispiel eingeimpft, wie wichtig die Kundenpflege ist. »Das hat mir ganz viel gebracht.«

Einen engen Draht pflegt Koch auch heute mit ihren Kunden, die an ihren Stand kommen. Oder in das Geschäft in der Marktstraße, das schon die Schwiegereltern betrieben haben. »Bei uns geht es sehr persönlich zu. Ich kenne die Familienverhältnisse meiner Kunden.« Andersherum ist es genauso. Was auch daran liegt, dass die beiden Söhne der Kochs selbst oft auf dem Wochenmarkt stehen und mit anpacken. Das freut die Mutter. Die Familie ist ihr wichtig. Ob der Nachwuchs aber eines Tages auch den Betrieb übernehmen wird, ist ungewiss. »Wir haben sie immer ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen«, betont die Gießenerin. Derzeit verwirklichen die Jungs an der Universität andere Träume. Koch will aber nicht ausschließen, dass es irgendwann doch anders kommt. »Aber bis dahin ist ja noch Zeit. Wir wollen selbst noch einige Jahre arbeiten.«

Am Ende des Rundgangs trifft Koch auf ihren Ehemann. Er erzählt, dass es am nächsten Tag in den Urlaub gehen soll. Mit dem Flieger in den Süden. »Das ist auch nötig. Die Akkus sind leer.« Astrid Koch sieht das ein wenig anders. Sie weiß, dass sie im Urlaub wegfahren muss, weil sonst an Abschalten nicht zu denken wäre. Schließlich wohnt sie an ihrem Arbeitsplatz. Auf der anderen Seite liebt sie ihr Leben auf dem Hof. Die Arbeit mit ehrlich produzierten Lebensmitteln, den Plausch mit den Kunden, die Zeit mit Buck, Georg und den Kindern. »Am liebsten«, sagt die Gießenerin mit einem Lächeln, »würde ich hier Urlaub machen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ehegatten
  • Essen
  • Gemüse
  • Georg Koch
  • Gießen
  • Gärtnereien
  • Tische
  • Gießen
  • Christoph Hoffmann
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.